"Carlos, der Schakal" Welt

OPEC-Terrorist vor Gericht: "Von Beruf Revolutionär"

RAMIREZ SANCHEZ COUTANT-PEYRE

Archivfoto von "Carlos" mit seiner Frau und Anwältin Isabelle Coutant-Peyre im November 2000

RAMIREZ SANCHEZ COUTANT-PEYRE

Archivfoto von "Carlos" mit seiner Frau und Anwältin Isabelle Coutant-Peyre im November 2000

Er galt einst als Inbegriff des Bösen, seit heute steht Illich Ramirez Sanchez alias "Carlos" in Paris vor Gericht. Er war an vier Anschlägen in Frankreich in den Jahren 1982 und 1983 beteiligt, bei denen elf Menschen getötet und 150 verletzt wurden. Auch bei dem Angriff auf die Wiener OPEC-Zentrale im Dezember 1975 führte er das Kommando.

Der heute 62-Jährige gab sich zum Prozessbeginn entspannt: "Ich bin von Beruf Revolutionär", antwortete der Venezolaner auf die Frage des Richters zur Person. Der einstige Top-Terrorist streckte die geballte Faust zum revolutionären Gruß an einige Unterstützer, darunter den umstrittenen französischen Kabarettisten Dieudonne.

Seit 17 Jahren sitzt er wegen dreifachen Mordes in Paris hinter Gittern - lebenslang. Medien bezweifeln, dass der lang erwartete Prozess Licht in die Hintergründe der Anschläge zutage bringen wird. Viele der Opfer sind bereits gestorben. Carlos' mitangeklagte mutmaßliche deutsche Komplizen Christa Margot Fröhlich und Johannes Weinrich fehlten ebenso wie der flüchtige Palästinenser Ali al-Issawi. Weinrich wurde 2000 in Deutschland wegen eines Bombenanschlags zu lebenslanger Haft verurteilt.

Selbstdarstellung
"Kein Zweifel, dass dieser zynische Provokateur aus seinem Prozess eine Schaubühne machen wird", war sich am Montag bereits die Zeitung Le Parisien gewiss. Carlos selbst hatte sich zuvor in ebenso überraschenden wie skurrilen Telefoninterviews aus der Haft kämpferisch gezeigt und dabei auch als eine Art revolutionären Märtyrer präsentiert.

Die Aufhebung einer daraufhin verhängten Einzelhaft erzwang der nach Medienberichten zur Fettleibigkeit neigende Venezolaner durch einen mehrtägigen Hungerstreik. Auch seine Anwältin Isabelle Coutant-Peyre, die der zum Islam konvertierte Carlos in einer religiösen Zeremonie in Haft heiratete, zeigte sich kampfbereit. "Wir werden uns wacker schlagen", erklärte sie vor den Mikrofonen der rund 60 in- und ausländischen Reporter im Gerichtsgebäude.

Der Prozess wird voraussichtlich sechs Wochen dauern.

Sanchez' Leben lieferte die Inspiration zu mehreren Kinofilmen. Heuer wurde "Carlos, der Schakal" mit einem Golden Globe ausgezeichnet.



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