Atommüll-Transport Welt

Castor: Polizei löst nächtliche Demos auf

Demonstration gegen den Castor-Transport

Polizei vs. Aktivisten in der Nacht auf Sonntag während der Castor-Proteste

Demonstration gegen den Castor-Transport

Polizei vs. Aktivisten in der Nacht auf Sonntag während der Castor-Proteste

Auf dem Weg zum atomaren Zwischenlager in Gorleben im deutschen Bundesland Niedersachsen hat der Castor-Zug die schwierigste Strecke noch vor sich. In der Nacht blockierten mindestens 2500 Demonstranten die Gleise. Außerdem könnten Windböen die Verladung verzögern.

Der Atommüll-Transport ins Zwischenlager in Gorleben hat kurz vor dem Ziel einen Stopp auf dem Güterbahnhof in der Ortschaft Maschen eingelegt. Bei Lüneburg hatten sich am Samstagabend acht Greenpeace-Mitglieder an die Gleise gekettet. Mindestens 2500 Menschen blockierten in einem Waldstück bei Hitzacker die Gleise. Die Polizei rechnete damit, dass sich noch mehr Demonstranten an den Blockaden beteiligen wollten. Der letzte Transport mit hochradioaktivem Atommüll war am Mittwoch in Frankreich zum rund 1200 Kilometer entfernten Zwischenlager in Gorleben gestartet.

Lange Nacht für die Polizei
Der Zug hatte am Abend über eine nördliche Route den Güterbahnhof Maschen bei Hamburg angesteuert. Von dort muss er über Lüneburg nach Dannenberg weiterfahren. Polizei und Protestierer bereiteten sich auf eine lange Nacht vor. Wann der Zug seinen Weg zur Verladestation nach Dannenberg fortsetzen kann, war am Abend nach Polizeiangaben noch nicht bekannt.

Greenpeace mit "Röhren-Protest"
Die Greenpeace-Mitglieder hätten ihre Hände in Röhren gesteckt, die unter den Gleisen entlangführten, sagte Greenpeace-Atomexperte Tobias Riedl. Um sie befreien zu können, müssten Gleisstücke herausgeschweißt und anschließend neu verlegt werden. Mitglieder der Kampagne Castor Schottern wollten unterdessen auch in der Nacht und am Sonntag versuchen, das Gleisbett der Transportstrecke nach Dannenberg zu unterhöhlen. Die Polizei ging gegen diese Demonstranten mit Schlagstöcken vor. Es sei auch Pfefferspray eingesetzt worden, hieß es. Es habe mindestens 48 Verletzte gegeben.

Die Polizei bleibe bei dem angekündigten harten Vorgehen gegen Schotter-Aktivisten, sagte Polizeisprecher Torsten Oestmann am Abend. "Wir sind aufgefordert, gegen Straftaten vorzugehen." Dazu dürften auch körperliche Zwangsmittel eingesetzt werden.

Viele Demonstranten wollten - mit Strohsäcken und Wärmefolien ausgerüstet - stundenlang an den Gleisen ausharren. In Dannenberg werden die elf Castoren mit einem Kran für den Weitertransport auf Spezialfahrzeuge verladen. Die Station war am Abend von der Polizei weiträumig abgesperrt worden.

Wind auf Seite der Gegner
Starker Wind könnte erstmals das Umladen der Castor-Behälter von der Schiene auf Lastwagen in Dannenberg verzögern. Meteorologen sagten für das Wochenende heftige Windböen voraus. Der Kran, mit dem die Castorbehälter vom Zug auf Lastwagen umgeladen werden, wird nur bis Windstärke 7 eingesetzt. Sollte diese Stärke überschritten werden, werde die Verladung der rund sechs Meter langen und rund 120 Tonnen schweren Behälter eingestellt, sagte am Abend der Sprecher des Zwischenlagerbetreibers, der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS).

APA/red.


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