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24.04.2012
Breivik-Prozess
Polizei hielt Breivik zuerst für Dunkelhäutigen
Der Polizist Thor Langli spricht über die Tätersuche kurz nach dem Anschlag in Oslo (© LISE ASERUD/APA)
Nach dem Bombenanschlag des norwegischen Rechtsextremisten Anders Behring Breivik im Osloer Regierungsviertel haben die Ermittler zunächst nach einem dunkelhäutigen Täter gefahndet. Nach Sichtung von Videos aus Überwachungskameras sei die Polizei im anfänglichen Chaos von einem Täter "mit brauner Haut" ausgegangen, sagte der Polizist Thor Langli am Dienstag im Prozess um den geständigen Attentäter. Langli hatte die erste Phase der Ermittlungen nach dem Anschlag geleitet.
Später hätten die Ermittler eine Zeit lang nach zwei Attentätern gefahndet, sagte Langli weiter. Ein Feuerwehrmann habe berichtet, einen "nordisch" aussehenden Mann in Polizeiuniform am Tatort gesehen zu haben. Daraufhin wurden alle Polizisten angewiesen, ihnen unbekannte Kollegen anzusprechen. Im äußersten Fall hätten sie auf Verdächtige auch schießen dürfen.
Breivik (rechts) lauscht den Ausführungen des Zeugen Christensen (© Reuters)
Der Sicherheitsbeamte Inge Kristoffersen schilderte in dem Prozess in Oslo, wie er am 22. Juli von seinem Arbeitsplatz in einem Regierungsgebäude aus gerade das Kennzeichen eines Lieferwagens überprüfen wollte, als der von Breivik abgestellte Wagen in die Luft flog. Es habe sich nicht wie eine Explosion angehört, sondern wie ein "Brüllen", sagte Kristofferson. Die Umgebung habe nachher wie ein "Kriegsgebiet" ausgesehen.
Durch die Explosion der Autobombe im Regierungsviertel wurden acht Menschen getötet. Der Sprengsatz wog 950 Kilogramm. Der Sprengstoffexperte Svein Olav Christensen sagte, er habe eine Sprengkraft von zwischen 400 und 700 Kilogramm TNT gehabt. Breivik nutzte für die Herstellung Düngemittel, Diesel und Aluminium.
Unbefugtes Abstellen von Fahrzeugen an Tagesordnung
Nach dem Anschlag wurde in Norwegen Verwunderung darüber geäußert, dass ein solches Fahrzeug so nahe an den Regierungsgebäuden geparkt werden konnte. Kristoffersen sagte, die seit langem geplanten Baumaßnahmen zur stärkeren Abriegelung des Gebiets seien damals gerade eingeleitet worden. Das unbefugte Abstellen von Fahrzeugen sei dort an der Tagesordnung gewesen.
Bei den Anschlägen am 22. Juli 2011 hatte Breivik in Oslo und auf der Insel Utöya insgesamt 77 Menschen getötet. Auf Utöya erschoss der Rechtsextremist 69 Teilnehmer eines Jugendlagers der regierenden Arbeiterpartei. Der Prozess ist auf zehn Wochen angesetzt. Der Geisteszustand des Attentäters, der sich als Verteidiger der Norweger im Kampf gegen den Islam sieht, ist unter Experten umstritten.
APA/red APA0588 5 AA 0275 Siehe APA0425/24.04 Di, 24.Apr 2012 Norwegen/Extremismus/Justiz/Kriminalität/Terrorismus Breivik-Prozess: Ermittler suchten zunächst dunkelhäutigen Täter Utl.: Eine Zeit lang auch nach zwei Attentätern gefahndet = Oslo (APA/dpa) -
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