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25.06.2012
Nach EM
Timoschenko-Prozess erneut vertagt
Julia Timoschenko sei nicht prozessfähig, so ein Arzt (© dapd)
Der nächste Verhandlungstermin in dem Prozess in Charkiw wurde auf den 10. Juli angesetzt. Das ist gut eine Woche nach dem Ende der Fußball-EM, dessen Finale am Sonntag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ausgetragen wird. Aus Protest gegen den Umgang mit Oppositionellen in der Ukraine blieben zahlreiche europäische Politiker den dortigen Fußballspielen fern.
Timoschenko verbüßt seit Oktober eine siebenjährige Haftstrafe, zu der sie wegen Amtsmissbrauchs verurteilt wurde. In dem neuen Prozess in Charkiw muss sie sich zudem wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung während ihrer Zeit als Chefin des Staatskonzerns Vereinigte Energiesysteme der Ukraine verantworten.
Nicht prozessfähig
Timoschenko leidet an einem schweren Bandscheibenvorfall. Es sei "nicht auszuschließen, dass bestimmte Störungen für immer bleiben", sagte ihr behandelnder Arzt von der Charite, Lutz Harms, der Berliner Morgenpost. Wenn ein Nerv lange Zeit komprimiert sei, könne er am Ende zerstört sein. Timoschenko könne ein Bein bisher kaum bewegen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass eine Operation erforderlich werde.
"Aus ärztlicher Sicht war Julia Timoschenko während meiner Anwesenheit nicht in der Lage, an einem Prozess teilzunehmen", sagte der Neurologe. "Sie war nicht fähig, längere Zeit auf einem Stuhl zu sitzen. Auch der sitzende Transport in den Gerichtssaal wäre ein Problem gewesen", sagte Harms, der Timoschenko im Mai und Juni vor Ort medizinisch betreute. Die ukrainischen Gefängnisbehörden hatten am Sonntag mitgeteilt, die Angeklagte werde dem Prozesstermin am Montag fernbleiben.
EU-Vertreter anwesend
In Kiew beteiligten sich am Montag mehrere tausend Menschen an Kundgebungen von Timoschenko-Anhängern und -Kritikern. "Freiheit für Julia!", forderten die Anhänger der Politikerin, die 2004 zu den führenden Köpfen der Orangenen Revolution gehörte und von 2007 bis 2010 an der Spitze der Regierung stand. Die Kritiker warfen ihrerseits Timoschenko erneut vor, sie habe "immer weiter geredet" und dabei nicht bemerkt, wie sehr "das Land litt", als sie Regierungschefin war.
Die EU war am Montag bei dem Gerichtstermin durch den früheren polnischen Präsidenten Alexander Kwasniewski und des früheren EU-Parlamentspräsidenten Pat Cox aus Irland vertreten, die Timoschenko am Vortag im Krankenhaus besucht hatten. Das Gericht nahm einen Antrag der Staatsanwaltschaft an, den Gesundheitszustand Timoschenkos erneut von Ärzten untersuchen zu lassen.
(APA/ red)
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