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16.07.2012
Machtkampf in Nordkorea
Zu viel Einfluss! Kim Jong-un feuert Armeechef
Kim Jong Un (© Reuters)
Nordkoreas Armeechef Ri Yong-ho ist überraschend all seiner Aufgaben entbunden worden. Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA gab am Montag gesundheitliche Gründe für diesen Schritt an. Die südkoreanische Regierung bezeichnete die Amtsenthebung Ris als "äußerst ungewöhnlich", Experten deuteten sie als mögliche Folge von Machtkämpfen innerhalb der nordkoreanischen Führung.
Ri war seit 2009 Chef des Generalstabs der nordkoreanischen Streitkräfte. Er war zudem Vize-Vorsitzender der einflussreichen zentralen Militärkommission der Arbeiterpartei und Mitglied des Präsidiums des Politbüros der Partei. Von all diesen Posten wurde Ri nun entbunden, wie KCNA berichtete. Der Vize-Marschall galt als Vertrauter des verstorbenen Machthabers Kim Jong-il und begleitete diesen auf vielen seiner Reisen.
In den vergangenen Monaten wurde Ri immer wieder an der Seite von Kim Jong-un gesehen, etwa bei Besuchen der Streitkräfte. Er begleitete Kim Jong-un auch auch bei einer Gedenkzeremonie zum Todestag von dessen Großvater Kim Il-sung am 8. Juli.
Machtkampf
Yang Moo-jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul sagte der Nachrichtenagentur AFP, womöglich sei Ri bei Kim Jong-un in Ungnade gefallen oder habe einen Machtkampf innerhalb des Militärs verloren. Aus gesundheitlichen Gründen würden Partei- oder Militärführer in Nordkorea selten entlassen.
Paik Hak-soon vom Sejong Institute sagte, mit der Entlassung Ris wolle Kim Jong-un die Macht der Arbeiterpartei über das einflussreiche Militär stärken. "Jong-un wird sicherstellen, dass jetzt die Partei die übergroße Armee kontrolliert - damit hatte sein Vater Ende 2010 vor seinem Tod begonnen." Vermutlich werde Kim nun einen jüngeren Offizier einsetzen, der engere Verbindungen zur Arbeiterpartei habe und sich leichter kontrollieren lasse, sagte der Nordkorea-Experte.
Die nordkoreanische Armee ist mit 1,2 Millionen Soldaten eine der größten der Welt. Sie gewann in den 1990er Jahren basierend auf der sogenannten Songun-Doktrin an Einfluss, was übersetzt "Die Armee zuerst" bedeutet. Die Doktrin räumt der Armee eine maßgebliche Stellung im Land ein und rechtfertigt, dass Unsummen für Verteidigung ausgegeben werden, während Millionen Nordkoreaner Hunger leiden.
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