7 Jahre Haft drohen Welt

Nach Anti-Putin-Song steht Band vor Gericht

Pussy Riot v.l.n.r.: Yekaterina Samutsevich, Nadezhda Tolokonnikova und Maria Aliokhina sitzen nach einem Song schon seit Monaten hinter Gittern

Pussy Riot v.l.n.r.: Yekaterina Samutsevich, Nadezhda Tolokonnikova und Maria Aliokhina sitzen nach einem Song schon seit Monaten hinter Gittern

Pussy Riot v.l.n.r.: Yekaterina Samutsevich, Nadezhda Tolokonnikova und Maria Aliokhina sitzen nach einem Song schon seit Monaten hinter Gittern

Pussy Riot v.l.n.r.: Yekaterina Samutsevich, Nadezhda Tolokonnikova und Maria Aliokhina sitzen nach einem Song schon seit Monaten hinter Gittern

Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat eine erste Anhörung gegen die russische Frauenband Pussy Riot begonnen. Die jungen Musikerinnen hatten am 21. Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale Gott angefleht, Russland von Präsident Wladimir Putin zu erlösen.

Bei der Verhandlung hinter verschlossenen Türen sollte der Beginn des Prozesses wegen Rowdytums festgesetzt werden. Den Frauen drohen sieben Jahre Gefängnis. Sie sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Amnesty International fordert, die Künstlerinnen freizulassen.

"Heilige Mutter Gottes, erlöse Russland von Putin"
Mit schrillem Punkrock protestieren die Frauen der russischen Band Pussy Riot gegen die Dauerherrschaft von Wladimir Putin - ausgerechnet in der Moskauer Erlöserkathedrale. Es ist der 21. Februar, kurz vor der Präsidentenwahl, bei der Putin erneut siegt. "Heilige Mutter Gottes, erlöse Russland von Putin", singen die mit Strumpfmasken vermummten jungen Frauen im Heiligtum der russisch-orthodoxen Kirche. Und sie treffen mit der politischen Aktion Russlands Machtapparat ins Herz. Seit März sind sie in Untersuchungshaft.

Pussy Riot Immer wieder kommte es überall auf der Welt zu Protestaktionen gegen die Inhaftierung der jungen Frauen, doch die Kirche (und Putin) verlangt eine harte Bestrafung

Immer wieder kommte es überall auf der Welt zu Protestaktionen gegen die Inhaftierung der jungen Frauen, doch die Kirche (und Putin) verlangt eine harte Bestrafung

Bespielloser Justizskandal
Ein Moskauer Gericht bereitete für Freitag den Fall vor, den Menschenrechtler als beispiellosen Justizskandal einstufen. Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22), - beide junge Mütter - und Jekaterina Samuzewitsch (29) sind als politische Gefangene von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International anerkannt. Und sie stehen als Symbole dafür, dass immer mehr Russen eine Politik der Bevormundung und Einschränkung von Grundrechten satthaben.

Maria Aliokhina wartet auf ihren Gerichtstermin - Pussy Riot

Maria Aliokhina wartet auf ihren Gerichtstermin, ihr kleines Kind hat sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen

Hexenjagd und Schauprozess
Kremlkritiker sprechen entsetzt von einer Hexenjagd wie im Mittelalter. Russland erlebe einen politischen Schauprozess, wie es ihn seit dem Fall des Kremlkritikers Michail Chodorkowski nicht gegeben habe. Der Ex-Ölmanager gilt als schärfster Gegner Putins.

Verteidiger befürchtet Straflager für die Frauen
"Dieses Verfahren ist politisch. Es wird direkt von Putin oder seiner Umgebung gesteuert", sagt Verteidiger Nikolai Polosow. Er ist überzeugt, dass die wegen Rowdytums angeklagten Frauen zu Straflager verurteilt werden. Der Vorwurf: "Hooliganismus aus Gründen des religiösen Hasses". Die Anklage kommt zu dem Schluss, dass Pussy Riot mit der Gotteslästerung an den "ewigen Grundfesten der russisch-orthodoxen Kirche" gerüttelt habe.

"Um die orthodoxen Christen noch tiefer in ihrem geistlichen Glauben zu verletzen (...), zogen sich die Teilnehmerinnen die Oberbekleidung aus und boten einen für einen solchen Ort unwürdigen Anblick", heißt es in der Anklage. Als Zeugen und Nebenkläger werden dort auch Mitarbeiter einer Wachfirma genannt. Dass die drei Frauen noch wild herumsprangen und im Altarraum vor heiligen Ikonen tanzen, habe viele Gläubige traumatisiert, heißt es.

PUSSY RIOT Nadezhda Tolokonnikova kam ihr Anti-Putin-Song teuer zu stehen

Nadezhda Tolokonnikova in Handschellen. Der jungen Mutter kam ihr Anti-Putin-Song teuer zu stehen

Keine Waffen, kein Schaden - kein Rowdytum?
Die Anwälte widersprechen. Sie kritisieren, dass es für einen Strafprozess keine rechtliche Grundlage gebe. "Die Mädchen hatten keine Waffen und haben nichts zerstört, so wie es für eine Anklage wegen Rowdytums eigentlich nötig wäre", kritisiert Verteidiger Polosow. Er sieht höchstens Grund für eine Ordnungsstrafe.

Urteil von ganz oben
Zunächst geht es hinter verschlossenen Türen um Verfahrensfragen. Die Richterin legt den Prozessbeginn und weitere Termine fest. Sie muss entscheiden, ob die bis 24. Juli verhängte Untersuchungshaft verlängert wird. "Das Urteil wird wohl in letzter Minute direkt an höchster Stelle im Kreml gesprochen. Das Gericht hat nur die technische Aufgabe, die Entscheidung zu verkünden", sagt Polosow.

Video wurde verfälscht
Ein Mitschnitt der Kirchenaktion gilt als eines der wichtigsten Beweismittel. Das im Internet veröffentlichte Video aber sei keine Originalaufnahme, betont Polosow. "Es handelt sich um eine künstlerische Montage. Aber die Ermittler kümmern sich nicht darum, von wem das Video produziert und von wem es ins Internet gestellt wurde." Der Jurist betont, dass die Aktion als politische Kritik an Putin gedacht gewesen sei.

Kirche fordert harte Strafe
Zu dieser Kritik stehen die Angeklagten weiterhin. Das Angebot der Kirche, sich schuldig zu bekennen und um Vergebung zu bitten, lehnen sie ab. Putin selbst verkündete nach seinem Wahlsieg am 7. März, er bitte die Gläubigen um Entschuldigung, weil die Frauen dazu nicht in der Lage seien. "Ich hoffe, dass sich so etwas nicht wiederholt", sagte er. Die Kirchenführung forderte eine harte Strafe.

APA/red.


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