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21.07.2012
Nach "Batman"-Massaker
Leibesvisitationen vor dem Kinobesuch
Vor den US-Kinos patroullieren nun Polizisten (© Reuters)
Der 24-jährige Student James Holmes hatte bei der Nachtpremiere des neuen "Batman"-Films in einem Kino bei Denver zwölf Menschen erschossen und 59 verletzt. Über das Motiv des Schützen, der nach dem Blutbad in der Stadt Aurora festgenommen wurde, herrschte weiterhin Rätselraten. Er dürfte seine Tat von langer Hand vorbereitet haben: Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung, die er beim Blutbad nutzte, hatte er in den vergangenen Monaten ganz legal erworben, seine Wohnung in Aurora mit Sprengfallen präpariert. Medienberichten zufolge hatte er beim Amoklauf rot gefärbte Haare und gab sich als Batmans Gegenspieler "Joker" aus.
Die Polizei teilte mit, dass James Holmes nicht vorbestraft sei und nur einmal als Verkehrssünder aufgefallen sei. Während der Tat habe er eine Faustfeuerwaffe, ein halbautomatisches Sturmgewehr und ein Schrotgewehr benutzt, berichteten US-Medien. Auroras Polizeichef Dan Oates sagte dem Sender CNN, der Täter habe 6000 Schuss Munition im Internet gekauft. Holmes studierte Neurowissenschaften in Denver, soll aber sein Studium in jüngster Zeit vernachlässigt haben.
Komplizierte Sprengfalle
Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern die mit Sprengsätzen präparierte Wohnung des Amokschützen. Sicherheitshalber wurden neben dem Wohnhaus des Täters auch vier umliegende Apartmenthäuser evakuiert. Die komplizierte Konstruktion aus Sprengstoff und entzündlichen chemischen Substanzen beschrieb Polizeichef Oates als etwas, "was wir noch nie gesehen haben". "Es gibt eine Menge Drähte", sagte er. Frühestens im Laufe des Samstags könnten Experten die Wohnung betreten. Auch der Einsatz von Spezialrobotern war im Gespräch. Am Montag sollte Holmes vor Gericht erscheinen.
Regisseur Nolan sprach im Namen der Schauspieler und Mitwirkenden des Films "The Dark Knight Rises" den Opfern und ihren Familien seine Anteilnahme aus. "Das Kino ist mein zu Hause. Die Vorstellung, dass jemand diesen unschuldigen und erwartungsvollen Ort derart brutal entweiht, ist einfach verheerend", so Nolan nach Angaben des Branchenblatts "Hollywood Reporter". Auch der US-Filmverleih Warner Bros. zeigte sich schockiert. Eine für kommende Woche geplante "Batman"-Galapremiere in Paris wurde abgesagt.
Verkleidungsverbot im Kino
In Washington wurden Kinobesucher am Freitagabend (Ortszeit) auf Schildern auf Taschendurchsuchungen am Einlass hingewiesen. Polizeichefin Cathy Lanier sagte dem Sender News4, "wir stellen sicher, dass Polizeibeamte die Kinos am ganzen Wochenende genau im Auge haben". US-Medien zufolge patrouillierte auch die New Yorker Polizei verstärkt vor den Kinos der Metropole. Die USA-weit zweitgrößte Kinokette AMC teilte mit, dass die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Häusern verstärkt würden. Bis auf weiteres sei es in den AMC-Kinos nicht erlaubt, Gesichtsmasken zu tragen oder Spielzeugwaffen mitzubringen, hieß es mit Blick auf verkleidete Besucher - vor allem Fans von Comic-Verfilmungen staffieren sich gern wie ihre Leinwandhelden aus.
Debatte um Waffenrecht neu entfacht
Der Amoklauf brachte auch den US-Präsidentschaftswahlkampf zum Stillstand. In Colorado setzte das Wahlkampf-Management von Amtsinhaber Barack Obama zunächst alle Fernsehspots aus. Statt in Florida Wahlkampf zu machen, eilte der Präsident nach Washington ins Weiße Haus zurück. Die Nachrichten von der Tragödie müssten alle ermahnen, "als amerikanische Familie zusammenzustehen", sagte Obama in einer kurzen Ansprache. In New Hampshire gedachte auch Romney der Opfer, statt seine übliche Wahlkampfrede zu halten. "Ich stehe hier heute nicht als ein Bewerber um ein Amt, sondern als Vater, Großvater, Ehemann und Amerikaner", erklärte er. Das Massaker entfachte auch eine neue Debatte um die liberalen US-Waffengesetze. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg rief Obama und Romney auf, das Waffenrecht zu verschärfen.
Viele Filmfans gedachten der Opfer von Colorado auch im Kurznachrichtendienst Twitter. "Sehe Batman heute Abend in (Washington) DC, vielleicht sollte es eine Schweigeminute für die Kino-Schießerei in Colorado geben", schrieb ein Fan. "The Dark Knight Rises" hat nach ersten Schätzungen in der Nacht auf Freitag in den USA Spitzeneinnahmen erzielt. Die Branchenblätter "Variety" und "Hollywood Reporter" bezifferten die Mitternachtseinnahmen mit bis zu 30 Millionen Dollar (umgerechnet knapp 25 Mio Euro). Der Film war in 3.700 US-Kinos angelaufen, am Wochenende sollte er in über 4400 Lichtspielhäusern gezeigt werden.
APA/red
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