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27.07.2012

Streit um deutsche Flagge

Kapitän von Bord: Meuterei am "Traumschiff"

Die MS Deutschland liegt im Londoner Bezirk Canary Wharf vor Anker.

Die MS Deutschland liegt im Londoner Bezirk Canary Wharf vor Anker. (© EPA)

Millionen TV-Zuschauer kennen die MS Deutschland als "Traumschiff", welches regelmäßig an Traumdestinationen rund um den Globus anlegt und damit die Menschen vor den Fernsehern beglückt. Im Moment geht es auf dem Luxusliner aber alles andere als romantisch zu.

Zurzeit liegt das Schiff in London vor Anker und soll nach den Olympischen Spielen die deutsche Mannschaft zurück in die Heimat schippern. Wie die Bild-Zeitung berichtet, musste allerdings Kapitän Andreas Jungblut (59) die MS Deutschland Mittwochabend verlassen – auf persönliche Anweisung des Eigentümers.

Ein klassischer Fall von Meuterei? Als Grund wird angegeben, dass sich der Kapitän und große Teile seiner Besatzung gegen den Befehl, auf dem letzten Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge bald die Malta-Fahne wehen zu lassen, gewehrt hatten.

Die Reederei Deilmann gehört seit ihrer Insolvenz zum Finanzinvestor Aurelius und will das Schiff unter maltesischer Flagge fahren lassen. Ursprünglich sollte der Wechsel bereits im Juli erfolgen, wurde aber wegen scharfer Proteste verschoben. Die deutsche Flagge soll noch wehen, wenn Bundespräsident Joachim Gauck (72) am Wochenende zu einem Olympia-Empfang an Bord ist.

Offener Brief als Kündigungsgrund
Kapitän Jungblut war seit 27 Jahren bei der Reederei, seit 13 Jahre auf dem Traumschiff und kämpfte vehement um die deutsche Tradition. "Es weht deutsche Geschichte durch die Räume des Schiffes."

Im Namen der Crew schrieb Jungblut einen Brief an Bundespräsident Gauck. Darin heißt es: "Sehr geehrter Herr Bundespräsident, die Crew der 'Deutschland' meint, dass unser Schiff sehr wohl unter deutscher Flagge wirtschaftlich fahren kann. Man wechselt die Flagge nicht wie ein Unterhemd."

Der Reederei hat dieser Vorstoß ganz und gar nicht gefallen. Der Kapitän musste von Bord. Teile der Crew sollen daraufhin zu Weinen begonnen haben. Seine Uniform ist noch an Bord.

"Einmalig würdeloser Fall"
Jungblut rechtfertigte seinen Brief vor seiner Entlassung auf bild.de: "Ich bin kein Francesco Schettino. Ich lasse meine Crew im Sturm nicht alleine. Ich lasse mich nicht unterkriegen, auch wenn es unbequem wird." Der italienische Kapitän hatte die havarierte "Costa Concordia" fluchtartig noch vor den Passagieren verlassen.

Nach seiner Entlassung legte er nach: "Das ist ein einmalig würdeloser Fall in der Schifffahrt, dass ein Kapitän von Bord geworfen wird." Der Reederei ist das alles egal: "Wir wollen das Schiffsregister definitiv wechseln. Nur der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest."

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