Viele offene Fragen Welt

Mordfall auf Seychellen: Polizei rätselt über Wiener

Mordfall auf Seychellen: Polizei rätselt über Wiener

Für den verdächtigen Österreicher klickten Anfang Juli die Handschellen (© Privat)

Mordverdacht auf Seychellen
Für den verdächtigen Österreicher klickten Anfang Juli die Handschellen
Viele offene Fragen begleiten den Fall eines Wiener Tauchers, der auf den Seychellen unter Mordverdacht steht. Er soll mit dem Verschwinden eines Briten auf hoher See im Indischen Ozean zu tun haben, mit dem er sich gemeinsam auf einer Segeljacht befand.


Warum hat der Wiener den "Mann-über-Bord-Alarm" nicht ausgelöst oder versucht, nach dem Vermissten zu tauchen? Warum hat er nicht via Funk Hilfe angefordert? Wo sind die persönlichen Sachen des Briten (zwei Laptops fehlen)? Wo ist das Logbuch, wo Seefahrer täglich ihre Einträge machen? Wenn man sich zu zweit auf einem Segelboot befindet, dann ist das wahrscheinlichste Szenario, dass einer schläft und der andere in der Zwischenzeit arbeitet, sagte Segelprofi Andreas Hanakamp aus Wiener Neustadt.

"Man fährt Tag und Nacht - jeder muss auf sich selber aufpassen." Geht einer der Segler alleine über Bord und niemand bemerkt es, "dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man nicht mehr gerettet werden kann. Die Suche gleicht jener nach der berühmten Nadel im Heuhaufen", so Hanakamp im APA-Gespräch. "Wenn wir uns das Szenario durchdenken: Man wacht auf, der Kollege ist weg, dann weiß man nicht, wohin man fahren soll. Man steht unter Schock - und das auf hoher See.

Mordverdacht auf Seychellen
Wurde der Brite Sean Terry ermordet?
"Die Realität verändert sich"
Wenn das einem wenig erfahrenen Segler passiert, dann kann er auch nicht richtig handeln. Die Realität verändert sich", schilderte Hanakamp. Vom Boot aus ist der Horizont in etwa drei Kilometer Sichtweite, dafür benötigt man mit einem durchschnittlichen Segelboot etwa 15 bis 20 Minuten. Was macht ein Profi in so einem Fall?

"Ich hätte über ein Funkgerät alarmiert, allerdings in dem Bewusstsein, dass es unwahrscheinlich ist, dass den Funkspruch überhaupt jemand hört. In einem Umkreis von 30 bis 50 Kilometer könnte ein anderes Schiff das aufnehmen", sagte der Segler. "Ich habe aber ein riesiges Suchgebiet." Soll heißen: Mehrere hundert Quadratkilometer Wasseroberfläche. "Eine weitere Möglichkeit wäre die Alarmierung über ein Satellitensystem. Ein Hubschrauber könnte aber nicht hinfliegen, weil es zu weit vom Land entfernt ist."

Eine Sache von Stunden
Es dauere womöglich Stunden bis Hilfe käme. Auf Hilfe anderer Boote auf See sei nicht zu hoffen. Andreas Hanakamp ist vor drei Jahren von Singapur nach Europa gesegelt. Auf dem zweimonatigen Trip überquerte er auch den Indischen Ozean. In der gesamten Zeit ist er einer Segeljacht und drei Frachtschiffen begegnet.

Die Wahrscheinlichkeit, dass man auf hoher See andere Segler trifft, sei nicht allzu hoch, meinte er. Nützt es auf hoher See überhaupt, den Alarmknopf zu drücken? "Der Mann-über-Bord-Knopf markiert die Position, wo sich das Schiff gerade befindet. In so einem Fall wüsste ich damit lediglich, dass der Vermisste an diesem Punkt mit Sicherheit nicht ist."

"Ganz vorsichtig sein"
"Mit Schuldzuweisungen muss man da ganz vorsichtig sein - ohne, dass ich im aktuellen Fall den Mann in Schutz nehmen möchte. Ich kenne die Hintergründe nicht. Für die Polizei ist aber ein Faktum, dass der Mann alleine im Hafen ankommt und daher etwas nicht stimmen kann", sagte Segelprofi Andreas Hanakamp, der zweimal an Olympischen Spielen teilgenommen hat. Über die Hintergründe, was auf der Segeljacht passiert ist, gibt es nur Vermutungen.

Antworten erhoffen sich die Ermittler von der Verhandlung am kommenden Donnerstag. Dann steht die nächste Haftprüfung an. Dem 36-jährigen Wiener steht auf den Seychellen eine Vertrauensperson der österreichischen Botschaft und ein Anwalt zur Seite. In Zeitungsberichten werden der Wiener und der Brite als gute Freunde beschrieben, die bereits seit mehr als sechs Monaten gemeinsam unterwegs waren. Der 36-jährige Österreicher wird als ruhige, schüchterne Person beschrieben, der man keine Gewalttat zutraue. Er sei ein guter Bursch, hieß es.

Am Weg nach Madagaskar
Die beiden Männer befanden sich auf einer Segeljacht auf dem Weg von den Malediven nach Madagaskar. Am 18. Juni hatte der Brite Sean Terry das letzte Mal Kontakt mit seiner Familie. Eine Woche später erreichte sein österreichischer Kollege alleine den Hafen auf den Seychellen. Von seinem 48-jährigen Begleiter fehlte jede Spur. Der Polizei gegenüber soll der Wiener ausgesagt haben, dass der Vermisste in einem Wutanfall von Bord gesprungen sei. Am 3. Juli klickten für den 36-Jährigen die Handschellen. Seither sitzt er in Haft.

Ihre Meinung

User haben auch diese Artikel gelesen

  • Heute-App downloaden:
  • Heute App für iOS
  • Heute App für Android

Ihre Meinung

Fotoshows aus Welt (10 Diaserien)