17-Jährige schwanger Welt

Sekte hielt 20 Kinder ein Jahrzehnt in Bunker

Sekte hielt 20 Kinder ein Jahrzehnt in Bunker

Bisher wurde noch niemand verhaftet (© AP)

Sekte in Russland: Bisher wurde noch niemand verhaftet
Bisher wurde noch niemand verhaftet
Mehr als ein Jahrzehnt haben in Russland 70 Mitglieder einer Sekte ohne Sonnenlicht, Heizung und Strom in einem unterirdischen Bunkersystem gelebt - darunter mehr als 20 Kinder.

Ein Sektenmitglied am Eingang zum Gelände des falschen Propheten
Ein Sektenmitglied am Eingang zum Gelände des falschen Propheten
Die Kinder sind zwischen 18 Monaten und 17 Jahren alt.  "Die Kinder sind nie zur Schule gegangen und waren kaum über der Erde", teilten die Behörden in der Stadt Kasan der Zeitung Komsomolskaja Prawda zufolge mit. "Sie waren schmutzig, trugen Lumpen und wurden nie von Ärzten untersucht.

10 Jahre 7 Stöcke unter der Erde gehaust
Die Anhänger eines muslimischen Predigers hatten unter einem Haus in der Stadt Kasan rund 800 Kilometer östlich von Moskau ein großes Bunkersystem errichtet. Die rund 70 Mitglieder lebten mehr als zehn Jahre in den zellenartigen Wohnräumen, die bis zu sieben Stockwerke tief unter die Erde gebaut worden waren. Die rund 70 Mitglieder lebten mehr als zehn Jahre in den zellenartigen Wohnräumen, die bis zu sieben Stockwerke tief unter die Erde gebaut worden waren.

Der 83-jährige Führer der Sekte, Faizrakhman Satarov, lässt sich von seinen Anhängern als muslimischer Prophet verehren, obwohl das den islamischen Glaubensgrundsätzen widerspricht.

Ein Spezialkommando stürmte am 1. August das Gelände wegen Terrorismusverdachts. Dabei wurden die Kinder entdeckt. Darunter ist ein 17-jähriges Mädchen, das Medienberichten zufolge schwanger sein soll.

Die Kinder kamen in Spitäler und sollen dann in Waisenhäusern betreut werden, wie der Kinderschutzbeauftragte der Regierung sagte.

Anhänger drohen, den Weltuntergang heraufzubeschwören
Die Behörden in der muslimisch geprägten Teilrepublik Tatarstan ermitteln gegen den 83 Jahre alten Sektenchef Faisrachman Satarow, weil er "das Recht in die eigene Hand genommen hat". Den Eltern drohen Verfahren wegen der Misshandlung Schutzbefohlener. Festnahmen gab es zunächst nicht. Saratows Anhänger  drohen der, den Weltuntergang heraufzubeschwören, falls ihnen die Behörden nicht ihre Kinder zurückgeben. Auch gegen den angekündigten Abriss des illegal gebauten Hauses ihres "Propheten" kündigten sie Widerstand an.

Abschottung wegen Schulden
Die "Faisrachmanisten" hätten sich bereits 2001 von der Außenwelt abgeschottet, schrieb das Blatt. Der Grund war angeblich durchaus weltlich: Die Gemeinschaft habe hohe Schulden gehabt. Auf dem von Mauern umgebenen Gelände nahe einer Bahnstrecke steht eine kleine Moschee. Zudem verfüge die Sekte über eine Dieselstation und sogar eigene Brunnen. Die Frauen hätten ihre Kinder auf dem Gelände geboren. Unterricht gab der selbst ernannte Prophet Satarow. Seine Anhänger durften - bis auf wenige Ausnahmen - das Gelände nicht verlassen und keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.

Seit 80ern Prophet
Satarow erklärte sich Medien zufolge Ende der 1980er Jahre zum Propheten. Nachdem er 1996 das etwa 700 Quadratmeter große Gelände am Stadtrand von Kasan gekauft hatte, befahl Satarow seinen Jüngern, dort das unterirdische Zellensystem zu errichten. Die Behörden waren auf den Fall aufmerksam geworden, als ein Spezialkommando im Rahmen von Ermittlungen nach einem Mord an einem muslimischen Geistlichen das Gelände stürmte. Der Verdacht auf Terrorismus bestätigte sich zunächst nicht.

APA/red.


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