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09.08.2012

Atomkatastrophe?

Riss in belgischem Reaktor entdeckt!

Die Idylle täuscht: Ist "Doel" das nächste "Fukushima"?

Die Idylle täuscht: Ist "Doel" das nächste "Fukushima"? (© APA)

Ein neu entdeckter Riss in der Stahlkonstruktion des Reaktorbehälters im Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen hat in Belgien die Diskussion über den Atomausstieg neu angeheizt. Wie die Brüsseler Tageszeitung Le Soir am Donnerstag berichtete, wurde der 20 Millimeter große Riss bei einer jährlichen Überprüfung festgestellt.

Es gebe Zweifel bezüglich der Reparatur, weil der Hersteller des Reaktorbehälters - eine niederländische Firma - in den 80er Jahren vom Markt verschwunden sei. Derselbe Reaktorbehälter ist auch beim Atomkraftwerk Tihange bei Lüttich im Einsatz. "Im schlimmsten Fall besteht das Risiko, dass die beiden Kraftwerke für die Energieproduktion in Belgien verloren gehen", zitierte die Zeitung aus einem internen Bericht der belgischen Nuklearsicherheitsbehörde AFCN.

Laut Ministerin besteht keine Gefahr
Der Betreiber Electrabel müsse nunmehr nachweisen, "dass die Anomalien kein Problem für die Unversehrtheit des Reaktors darstellen, in Situationen von normalem Druck genauso wie bei hohem Druck, der im Fall eines Unfalls
Die belgische Innenministerin Milquet ist für den Atomausstieg.

Die belgische Innenministerin Milquet ist für den Atomausstieg. (© APA)

eintreten würde." Die für Fragen der Atomsicherheit zuständige belgische Innenministerin Joelle Milquet betonte nach Angaben der Zeitung, es bestehe weder Gefahr für die Bevölkerung noch für die Arbeiter in dem Kraftwerk.

Milquet betonte zugleich, sie werde "extrem wachsam" bleiben, was die weiteren Analysen betreffe, die derzeit durchgeführt werden. Generell war 2003 in Belgien ein vollständiger, stufenweiser Atomausstieg bis 2025 beschlossen worden, der in der Zwischenzeit mehrfach revidiert wurde. Es bleibt aber bei der Frist bis 2025.

"Es handet sich um keinen Unfall"
Marlene Holzner, die Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger sagte am Donnerstag in Brüssel: "Es ist in der Verantwortung der nationalen Behörden, zu handeln, den Reaktor zu schließen, oder die Technologie zu verbessern." Nukleare Sicherheit sei normalerweise eine nationale Kompetenz. Die EU-Kommission sei über den aktuellen Fall in Belgien nicht informiert worden, es gebe dazu auch keine Verpflichtung, weil es nicht um einen Unfall gehe.

+++ Vor einem Jahr kam der Tsunami +++
+++ Region um AKW Fukushima bleibt dauerhaft unbewohnbar +++

EU-"Stresstests" noch nicht abgeschlossen
Fukushima

Szenen wie in Fukushima wären auch in Europa möglich, besagt eine Studie. (© Reuters)

Im Rahmen der EU-"Stresstests", die im Gefolge des Super-GAUS im japanischen Fukushima 2011 beschlossen wurden, seien noch nicht alle Reaktoren an Ort und Stelle überprüft worden, sagte die Sprecherin. Dies werde noch im Sommer geschehen. Die ursprünglich für Juni erwarteten Ergebnisse der "Stresstests" würden sich dadurch aber weiter verzögern. Die Nachrichtenagentur AFP meldete am Donnerstag unter Berufung auf die französische Tageszeitung Le Monde, dass derselbe Reaktorbehältertyp wie in Doel auch in weiteren AKWs in Betrieb ist.

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