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17.08.2012
Verkündung live im Internet
Urteil gegen Pussy Riot mit Spannung erwartet
Weltweit, wie hier in London, protestieren Sympathisanten gegen die Kriminalisierung von Pussy Riot. (© EPA)
Ungeachtet eines beispiellosen Proteststurms internationaler Stars und Politiker gegen den "politischen Schauprozess" müssen die Künstlerinnen Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (30) mit Haft rechnen. Von einem "Jahrhundertprozess" sprechen Medien in Moskau.
Von Leibwächtern lässt sich Richterin Marina Syrowa zum Finale des aufsehenerregendsten Prozesses in Russland begleiten. Die 50-Jährige hat angeblich zahlreiche Drohungen von Anhängern der kremlkritischen Punkband Pussy Riot erhalten und fürchtet nun um ihre Sicherheit.
+++ Freiheit für Pussy Riot! Anti-Putin-Protest in Wien +++
Auf die drei standhaften Angeklagten könnten lange Haftstrafen warten. (© EPA)
Die Verteidigung von Nadja, Mascha und Katja, wie etwa US-Popstar Madonna und andere Sympathisanten sie nennen, hält den Prozess für einen beispiellosen Justizskandal. "Ziel ist es, ein Exempel zu statuieren und die Opposition im Land einzuschüchtern", sagt Anwalt Nikolai Polosow der Deutschen Presse-Agentur.
Westliche Kritik prallt an Kreml ab
Zwar hat er noch Hoffnung kurz vor dem Urteil, weil sich Richterin Syrowa nach einem Eilprozess nun aus gutem Grund mehr als eine Woche Zeit gelassen hat. "Der Kreml wird das Urteil aber genau vorgeben und dabei wohl die internationale Signalwirkung für die Zukunft des Landes nicht außer Acht lassen", meint Polosow. Schon jetzt sei der Imageschaden immens. Doch Drohungen vor möglichen politischen und wirtschaftlichen Folgen prallen an der selbstbewussten Energiegroßmacht Russland stets ab.
So verbat sich das Außenministerium in Moskau schon im Voraus eine Einmischung in innere Angelegenheiten. Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hatte Russland aufgefordert, die Freiheit der Kunst und das Recht auf Meinungsäußerung zu achten. Ohnehin belastet die russische Politik aus Sicht von Kommentatoren derzeit mit schärferen Gesetzen und einer insgesamt härteren Gangart gegen die Opposition die Beziehungen mit dem Westen.
Und auch wenn viele das Protestgebet in der Kirche unter dem Titel "Mutter Gottes, vertreibe Putin" verurteilen, so hält laut Umfragen doch auch die Mehrheit der Russen eine Haftstrafe für überzogen. In offenen Briefen haben auch Prominente in Russland Freiheit für Pussy Riot gefordert. "Wenn die Mädchen im Gerichtssaal freigelassen werden, werden viele das natürlich als Ihre Schwäche ansehen", schrieben etwa der Politologe Dmitri Oreschkin und der Starreporter Andrej Kolesnikow an Putin. "Aber im Falle eines harten Urteils wird keiner der Richterin die Schuld geben, sondern Ihnen persönlich."
Politische Gefangene
Zwar hatte Putin öffentlich selbst zuletzt eine nicht zu harte Strafe für die Frauen angemahnt. Von Gnade oder Milde sprach er aber nicht. Schon nach seinem Sieg bei der Präsidentenwahl im März hatte er gedonnert, dass sich so etwas nicht wiederholen dürfe. Kaum einer erwartet deshalb ernsthaft, dass die Künstlerinnen nun einfach freikommen, ihren Sieg über Putin auskosten und sich zu neuen Protesten rüsten können.
Nadja, Maria und Katja sind von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International als politische Gefangene anerkannt. Sie zeigten sich auch in ihrem Schlusswort am Mittwoch vor einer Woche mit geballter Faust kämpferisch. Für ihren Kampf um ein freies Russland ohne korrupte Oligarchie seien sie bereit, ins Gefängnis zu gehen. "Sie sind zum Symbol des radikalen Widerstandes gegen das politische Regime in Russland und eine Verkirchlichung des gesellschaftlichen Lebens geworden", meint der Kulturforscher Alek Epstejn.
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