Viele Unklarheiten Welt

Profis für Vierfachmord in Frankreich verantwortlich?

Profis für Vierfachmord in Frankreich verantwortlich?

Die Ermittlungen am Tatort sind noch im Gange (© Reuters)

Vierfachmord in Frankreich
Die Ermittlungen am Tatort sind noch im Gange
Was hat Saad al-Hilli getan, um solch eine Gewalt auf sich und seine Familie zu ziehen? Warum wurden er, seine Frau, seine Schwiegermutter und ein vermutlich unbeteiligter Fahrradfahrer mit Kopfschüssen eiskalt hingerichtet? Warum wurde seine sieben Jahre alte Tochter mit Schlägen auf den Kopf schwer verletzt? Nach dem Vierfach-Mord in der Urlaubsregion nahe der ostfranzösischen Stadt Annecy tappen die Ermittler noch weitgehend im Dunkeln - es zeichnet sich aber ab, dass das Motiv für die Tat offenbar im Leben des 50 Jahre alten Familienvaters zu suchen ist.

Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, gab am Freitag eine erste Spur bekannt, der die Ermittler folgen: Der seit vielen Jahren in Großbritannien lebende, aus dem Irak stammende al-Hilli hatte offenbar Geldstreitigkeiten mit seinem Bruder. "Diese Information scheint seriös zu sein, sie stammt von der britischen Polizei", sagte Maillaud. Laut britischen Medien geht es um eine Erbschaft von mehr als einer Million Euro. Der Bruder meldete sich sofort bei der britischen Polizei; er beteuert seine Unschuld.

Jedes Opfer erlitt Kopfschuss
Der Staatsanwalt mahnte denn auch zur Vorsicht: Vom Streit ums Geld zum Vierfachmord sei es ein großer Schritt. Auch über andere Motive wurde daher vor allem in der britischen Presse spekuliert: Geriet ein versuchter Autoraub außer Kontrolle? Gibt es eine Verbindung zum Berufsleben al-Hillis, der eine auf Luft- und Raumfahrt spezialisierte Informatik-Beratungsfirma gegründet hatte? Oder steckt gar ein Terrornetzwerk hinter der Bluttat?

In dem Fall gibt es zahllose Unklarheiten, der Tathergang ist noch nicht rekonstruiert. So ist ungewiss, ob es sich um einen oder mehrere Täter handelte und wie viele Waffen verwendet wurden. Dass der oder die Täter kaltblütig handelten, steht fest: Jedes der Opfer wurde von mehreren Kugeln getroffen, jedes der Opfer wies mindestens einen Kopfschuss auf.

Profikiller möglicherweise am Werk
Also womöglich ein Profikiller? Die Behörden schweigen sich aus. Staatsanwalt Maillaud sagte nur: "Es gab den Willen, alle lebenden Personen zu töten." Zuletzt hatte der Informatikexperte al-Hilli als Berater für SSTL gearbeitet, eine zum Rüstungs- und Luftfahrtkonzern EADS gehörende Firma im Bereich des Satellitenbaus. Gefährliche Geheimnisse habe al-Hilli aber wohl nicht gekannt, sagte sein Buchhalter Stedman. "Er hatte nichts mit irgendwelchen Rüstungsprojekten zu tun."

Ein Nachbar berichtete, die Familie al-Hilli habe den Irak in den 1970er Jahren aus politischen Gründen verlassen und sei nach Großbritannien gekommen. Nun wurde von den französischen Ermittlern ein offizielles Hilfegesuch an die britischen Behörden gerichtet, auch um DNA-Material der Familie in deren Haus in Claygate nahe London zu sichern, das britische Polizisten bereits am Donnerstag durchsucht hatten. "Wir könnten in dem Haus Erklärungen finden, die uns auf die Spur der Mörder bringen", hoffte Staatsanwalt Maillaud.

Können die Kinder helfen?
Erkenntnisse könnte womöglich auch der britische Geheimdienst liefern. Nach Angaben der Zeitung "Daily Mail" wurde al-Hilli nach dem Einmarsch britischer und US-amerikanischer Truppen im Irak 2003 vom Geheimdienst unter Überwachung gestellt. Unklar ist noch, ob die Töchter der Familie zur Aufklärung des Verbrechens beitragen können. Die siebenjährige Zainab war durch Schläge auf den Kopf und einen Schuss in die Schulter schwer verletzt worden, schwebt aber nach mehreren Operationen nicht mehr in Lebensgefahr.

Die vierjährige Zeena, die das Blutbad wie durch ein Wunder unverletzt überlebt hatte und erst nach acht Stunden im Fußraum unter der Leiche ihrer Mutter versteckt gefunden wurde, wurde wiederum bereits mehrfach befragt - ohne aber konkrete Aussagen machen zu können. Staatsanwalt Maillaud zweifelt, ob das schwer traumatisierte Kind den Ermittlern je wird helfen können.

APA/red


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