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Vergewaltigung einer Frau durch Polizisten

Vergewaltigung einer Frau durch Polizisten

Menschenrechtsgruppen haben schwere Vorwürfe gegen die von der islamistischen Ennahda-Partei dominierte Regierung erhoben. (© Reuters)

Ennahda-Partei dominierte Regierung
Menschenrechtsgruppen haben schwere Vorwürfe gegen die von der islamistischen Ennahda-Partei dominierte Regierung erhoben.
Die Vergewaltigung einer jungen Tunesierin durch Polizeibeamte und die Haltung des Innenministeriums zu diesem Vorfall hat in Tunesien eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Eine Reihe von Organisationen der Zivilgesellschaft sowie Menschenrechtsgruppen haben schwere Vorwürfe gegen die von der islamistischen Ennahda-Partei dominierte Regierung erhoben.

Die junge Frau war Anfang September in Anwesenheit ihres Verlobten von zwei Polizisten vergewaltigt worden und kurz darauf wegen "unsittlichen Verhaltens" angeklagt worden, ein Delikt, das mit bis zu sechs Monaten Gefängnis bestraft werden kann. Nach Darstellung des tunesischen Innenministeriums hätten die Beamten das junge Paar in einer "unmoralischen Position" angetroffen.

Nach Angaben der Frau wurde sie von zwei Polizisten vergewaltigt, während ein dritter ihren Verlobten in Handschellen legte.

Schwere Vorwürfe
"Was hier vor sich geht, ist ja nur die Spitze eines Eisbergs", erklärte die Schauspielerin und Frauenrechtlerin Martine Gafsi und warnte ebenso wie verschiedene Sprecherinnen von Frauenorganisationen vor der schleichenden Errichtung einer "islamistischen Diktatur" faschistischer Prägung in den nordafrikanischen Land.

Es sei eine abgrundtiefe Schande, dass sich das von Ordnungskräften geschändete Opfer jetzt auf der Anklagebank befinde, erklärte der prominente Menschenrechtsverfechter Jamel Bouslama. Das Justizministerium verteidigte das Vorgehen der Behördenvertreter. Lediglich die für Frauenfragen zuständige Ministerin Sihem Badi, die nicht der Ennahda angehört, wagte es, die Vergewaltigung zu verurteilen.

"Treue zur Revolution bedeutet, das Opfer zu schützen und ihm zu helfen", meinte die Ministerin, die den Mut der jungen Frau lobte, das an ihr begangene Verbrechen öffentlich zu machen.

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