Nachrüstung für 145 Kraftwerke Welt

AKW-Zwischenfall in Deutschland ohne Folgen

AKW-Zwischenfall in Deutschland ohne Folgen

Ein Zwischenfall in einem deutschen Atomkraftwerk heizt die Debatte um die Umsetzung der Stresstest-Ergebnisse an. (© DPA)

Atomkraftwerk Temelin
Ein Zwischenfall in einem deutschen Atomkraftwerk heizt die Debatte um die Umsetzung der Stresstest-Ergebnisse an.
Im deutschen Atomkraftwerk Brokdorf ist es vorübergehend zu einem starken Leistungsabfall gekommen. Die kerntechnische Sicherheit sei nach gegenwärtiger Einschätzung aber nicht gefährdet gewesen, teilte das Umweltministerium in Kiel mit. Experten rätseln dennoch darüber, wie es zu einer so starken Reduktion der elektrischen Nettoleistung von 1410 auf 150 Megawatt kommen konnte.

Der Leistungsabfall hatte sich am Sonntagabend beim Austausch einer Spannungsversorgungsbaugruppe im betrieblichen Teil der Turbinenregelung ereignet. Seit Montag früh befinde sich die Anlage nach Angaben der Betreibergesellschaft wieder im Volllastbetrieb, teilte das Ministerium mit. Sachverständige sollen den Vorfall prüfen.

Nach Veröffentlichung der EU-"Stresstests" und entsprechenden Empfehlungen der EU-Kommission zur Nachrüstung für die 145 Atomkraftwerke in Europa sollen die EU-Staaten jedenfalls bis Jahresende konkrete Aktionspläne zur Umsetzung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen vorlegen. Auf dieses Vorgehen haben sich Experten der europäischen Regulierungsbehörden für nukleare Sicherheit (ENSREG) bereits im Sommer geeinigt. Die nationalen Aktionspläne sollen dann wieder von europäischen Experten einer gemeinsamen Bewertung unterzogen werden.

Alle Länder müssen in Sicherheit investieren
Nach Angaben von EU-Diplomaten ist davon auszugehen, dass alle Nachbarländer Österreichs im Osten und im Westen - also auch die Schweiz - weiter in die nukleare Sicherheit investieren müssen. Bei den Tests seien bisher keine systematischen Unterschiede zwischen Ost- und West-AKWs festgestellt worden. Auch könnte aus den Stresstests nicht direkt auf die Sicherheit einer bestimmten Anlage geschlossen werden. Ein konkreter Investitionsbedarf sei ohne die jeweiligen nationalen Stellen nicht abzuschätzen.

Als Konsequenz aus dem Super-Gau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima im März 2011 könnten beispielsweise zusätzlich Anschlüsse für Feuerwehrschläuche in den Anlagen installiert werden, um zu vermeiden dass bei Löscharbeiten innerhalb des Kraftwerks das Wasser ausgeht. Dies sei eine leicht umzusetzende Maßnahme, hieß es in Ratskreisen. Andere Verbesserungen betreffen etwa die Installation von Filtern, die sicherstellen sollen, dass beim Ablassen von Druck in Druckwasser-Reaktoren keine radioaktiven Isotope in die Umwelt gelangen.

EU-Empfehlungen rechtlich nicht bindend
Bestimmte Nachrüstungen würden fünf bis zehn Jahre dauern, da eine entsprechende Planungs- und Umsetzungsphase und behördliche Bewilligungen erforderlich seien, hieß es. Die EU-Kommission will am Mittwoch Empfehlungen für die im Rahmen der "Stresstests" untersuchten 145 Atomkraftwerke in Europa beschließen. Rechtlich sind diese für die EU-Staaten nicht bindend. Die AKW wurden auf ihre Sicherheit hinsichtlich Naturkatastrophen, wie Erdbeben oder Überflutungen überprüft. Materialabnutzung wichtiger Teile wurden nicht untersucht. Auch die Gefahren von Terrorismus und Kriminalität werden im Rahmen der Übung nur kurz beleuchtet.

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