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26.10.2012
Prozessserie
Das lange Sünden- Register des Silvio B.
Was Frechheit betrifft, könnten unsere Politiker von Silvio Berlusconi noch einiges lernen (© EPA/Heute.at-Montage)
Im Folgenden ein Überblick über die Prozessserie des umstrittenen Politikers und Medientycoons. Bisher kam er in letzter Instanz stets frei. Öfter mussten die Verfahren wegen Verjährung eingestellt werden.
BESTECHUNG VON STEUERPOLIZISTEN: Berlusconi wird 1994 erstmals italienischer Regierungschef. Im selben Jahr wird er beschuldigt, die Steuerpolizei geschmiert zu haben. Er wird 1996 zu 33 Monaten Gefängnis verurteilt, zwei Jahre später kommt es zu einem Freispruch im Berufungsverfahren, teils wegen Verjährung. Im Oktober 2001, kurz nach dem zweiten Amtsantritt Berlusconis als Regierungschef, bescheinigt ihm das Kassationsgericht seine Unschuld.
Mit Schwarzgeld eingekauft: Gianluigi Lentini (Milan) (© Sigi Palz)
STEUERBETRUG UND ILLEGALE PARTEIENFINANZIERUNG: Beim Kauf einer Luxusvilla in Macherio bei Mailand soll Berlusconi laut einer Anklage aus dem Jahr 1998 Steuern hinterzogen haben. Der Freispruch wegen Verjährung wird durch ein Amnestiegesetz gedeckt. Über die Offshore-Gesellschaft All Iberian soll Berlusconi außerdem der Sozialistischen Partei Italiens Gelder zugeschoben haben. Berlusconi wird im Juli 1998 in erster Instanz zu 28 Monaten Haft verurteilt, die Berufungsinstanzen stellen Verjährung fest.
Nach dem "All Iberian"-Prozess gingen Berlusconi-Anhänger in rom auf die Straße (© Luciano Del Castillo (ANSA))
RICHTERBESTECHUNG: Beim Kauf des Verlagshauses Mondadori durch Berlusconis Medienfirma Fininvest sollen Schmiergelder geflossen sein; die Berufungsinstanzen erklären den Fall 1998 für verjährt. Fininvest soll 1985 Schmiergelder an Richter gezahlt haben, um den Kauf des halbstaatlichen Unternehmens SME durch den Industriellen Carlo De Benedetti zu verhindern. Im Juni 2003 wird der Prozess wegen eines auf Berlusconi zugeschnittenen neuen Immunitätsgesetzes ausgesetzt. Die Aufhebung des Gesetzes durch das Verfassungsgericht Anfang 2004 ermöglicht die Wiederaufnahme des Mailänder Verfahrens. Einer der Mitangeklagten, Cesare Previti, wird zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Berlusconi wird im Dezember 2004 wegen Verjährung freigesprochen.
MEDIASET: Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt 2003 gegen Berlusconis Unternehmen Mediaset wegen Steuerhinterziehung bei An-und Verkäufen von Fernseh- und Filmrechten. In den Sog der Ermittlungen gerät auch der Rechtsanwalt David Mills, der damalige Ehemann der ehemaligen britischen Kulturministerin Tessa Jowell. Die Mailänder Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, dem Anwalt Mills im Jahr 2000 ein Schmiergeld in der Höhe von 600.000 Dollar (über 450.000 Euro) gezahlt zu haben. Mills soll für das Geld bei zwei Aussagen vor Gericht im Jahr 1997 kriminelle Details zu Berlusconis Medien-Imperium zurückgehalten haben. Deswegen wurde er im Februar 2009 zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Im vergangenen Februar wurde das zweitinstanzliche Verfahren gegen Mills wegen Verjährung eingestellt.
MEDIASET-HAUPTVERFAHREN: Berlusconi stand seit 2006 mit zehn weiteren Angeklagten vor Gericht. Unter anderem wurde wegen des Vorwurfs des Steuerbetrugs verhandelt. Der Anklage zufolge übernahm Mediaset Fernsehrechte von einer US-Firma, allerdings über den Umweg von zwei im Ausland angesiedelten Unternehmen, die ebenfalls von Berlusconi kontrolliert wurden. Mediaset soll Filmrechte über Firmen in Steueroasen gekauft haben. Den italienischen Finanzbehörden sollen überhöhte Kaufpreise angegeben worden sein, um Steuern zu sparen. Der Prozess ging am Freitag mit Berlusconis Verurteilung in erster Instanz zu vier Jahren Haft zu Ende.
Hübsch und leider Minderjährig: Ruby wurde zum Stolperstein (© AFP)
UNIPOL: Gegen Berlusconi hat im März in Mailand ein weiterer Prozess wegen Beihilfe zur Veröffentlichung von abgehörten Telefongesprächen. Die Anschuldigungen stehen in Zusammenhang mit Ermittlungen in einem Finanzskandal aus dem Jahr 2005. Damals waren Unregelmäßigkeiten beim Kampf um die Übernahme der Bank Antonveneta aufgetaucht, bei der italienische Interessenten gegen die niederländische Bank ABN Amro und die spanische Finanzgruppe BBVA antraten.
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