Hilfstruppen entsetzt über Ausmaß der Katastrophe
© PATRICK FARRELL (Miami Herald)/AP
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Die Retter graben mit bloßen Händen, können oft nur noch Leichen bergen
Nach Einschätzung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist ein Drittel der neun Millionen Einwohner Haitis dringend auf Hilfe angewiesen. Die ersten Frachtflugzeuge mit Nahrungsmitteln, Wasser, Medikamenten, Zelten und Spürhunden sind auf dem Weg nach Port-au-Prince, wo das Epizentrum des verheerenden Bebens der Stärke 7,0 auf der Richterskala lag.
Erste Hilfstrupps eingetroffen
Mittlerweile sind erste Hilfstrupps in Santo Domingo (Dominikanische Republik) gelandet. Der Umweg ist notwendig, weil der Flughafen in der Hauptstadt Port-au-Prince nicht angeflogen werden kann. Der Kontrollturm wurde beim Beben zerstört, Helfer arbeiten am Aufbau eines "Behelfsturms".
Die Hilfsorganisationen zeigen sich angesichts des Ausmaßes des Desasters schockiert. Das haitianische Rote Kreuz erklärte, seine Organisation sei zwar gewohnt, mit Katastrophen in derart verarmten Ländern umzugehen. Das Desaster in Haiti habe die Organisation jedoch überwältigt. "Es gibt einfach zu viele Menschen, die Hilfe benötigen", so ein Sprecher. Außerdem gebe es keine Medizin mehr.
Der US-Flugzeugträgers "USS Carl Vinson" ist zur Küste Haitis unterwegs. Die USA schickt 2.000 Marineinfanteristen, zivile Helfer, Transportflugzeuge und Hubschrauber in den Karibikstaat. "Wir müssen in ihrer Stunde der Not für sie da sein", sagte US-Präsident Obama.
Bilder aus dem Krisengebiet
Die Hilfslieferungen erweisen sich allerdings als problematisch. Das Kommunikationsnetz auf der Karibikinsel ist zusammengebrochen, Infrastruktur ist im zweitärmsten Land der Welt ohnehin kaum vorhanden. Es ist daher rein logistisch schwierig, die Menschen mit Wasser und Strom zu versorgen. Dazu kommt, dass die wenigen Spitäler zum Teil zerstört wurden bzw. überfüllt sind. Die medizinische Versorgung steht still.
Ärzte ohne Grenzen schicken aufblasbares Spital
Ein österreichisches Team der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist bereits nach Haiti unterwegs. An Bord befindet sich ein aufblasbares Krankenhaus, das Platz für bis zu 100 Betten bietet. Innerhalb von 36 Stunden ist das mobile Spital einsatzbereit, sagt Sprecherin Eva Hosp gegenüber Heute.at.
Wahre Opferzahl erst in Wochen abschätzbar
Das wahre Ausmaß des Erdbebens ist auch 24 Stunden nach der Katastrophe noch nicht abschätzbar. Während Päsident Preval von bis zu 50.000 Opfern spricht, geht Regierungschef Jean-Max-Bellerive von "deutlich über 100.000" Toten aus. Rund ein Drittel der Bevölkerung Haitis lebt in der betroffenen Region Port-au-Prince.
61-jährige Linzerin unter den Toten
© Privat
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Unter den Opfern ist auch die Linzer Entwicklungshelferin Waltraud Dominique.
Wie viele Österreicher unter den Opfern sind, lässt sich zur Stunde noch nicht genau sagen. Als sicher gilt mittlerweile, dass eine 61-jährige Linzerin von Trümmern erschlagen worden. Die Frau war mit einem Haitianer verheiratet und hat seit vielen Jahren auf der Insel gelebt. Einige andere Österreicher, in erster Linie UN-Mitarbeiter, haben sich mittlerweile gemeldet und konnten nach Santo Domingo ausgeflogen werden. Über die Botschaften in Venezuela, Havanna, Washington und Mexiko wird ausgeforscht, ob sich weitere Österreicher in der Region aufhalten.
Keinen Kontakt habe man bislang zur österreichischen Honorarkonsulin in Haiti aufnehmen können. Die deutsche Staatsbürgerin reagiere weder auf Anrufe, Mails, SMS oder Twitter, sagte der Ministeriumssprecher. Außenminister Michael Spindelegger entsandte einen Botschafter, der sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe machen soll.
Gefängnis eingestürzt
Unter den Todesopfern ist der 63-jährige Erzbischof Miot, der in seinem Büro erschlagen wurde. Mindestens 16 UNO-Mitarbeiter kamen ums Leben, bis zu 150 weitere werden noch vermisst, darunter auch der tunesische Leiter der UNO-Friedensmission, Hedi Annabi. Auch das Hauptgefängnis von Port-au-Prince stürzte ein. Mehrere Gefangene sollen geflohen sein.
Weltweite Hilfe zugesichert
Während Überlebende versuchen, mit bloßen Händen Verschüttete aus den Trümmern zu retten, sicherten zahlreiche Staaten und Organisationen finanzielle Hilfe zu. Die Weltbank stellte knapp 69 Millionen Euro Soforthilfe zu, die EU gewährte drei Millionen Euro. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Spanien, Italien, Russland sowie Kuba und weitere lateinamerikanische Länder schickten Rettungsteams und Ärzte.
Stars organisieren Hilfe
Der aus Haiti stammende Hip-Hop-Star Wyclef Jean, Gründungsmitglied der legendären Fugees, gründete die Hilfsorganisation "Yele Haiti". Unterstützt wird der 40-jährige Musiker von den Schauspielern Angelina Jolie und Brad Pitt, die am Mittwoch ihre "tiefe Bestürzung" über die schlimme Lage in Haiti äußerten. Auch andere Hollywood-Stars wie Lindsay Lohan, Jessica Alba und Ben Stiller sicherten Hilfe zu.
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