Verdächtiger frei

22. Januar 2018 18:39; Akt: 22.01.2018 18:43 Print

Familie von erschossenem Soldaten ist "fassungslos"

Nach dem Todesschuss in der Albrecht-Kaserne wurde der Schütze völlig überraschend enthaftet. Der Staatsanwalt legt nun Beschwerde beim Wiener Oberlandesgericht ein.

Ein Lokalaugenschein brachte die Wende in der Causa. (Bild: Sabine Hertel)

Ein Lokalaugenschein brachte die Wende in der Causa. (Bild: Sabine Hertel)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Drei Monate saß er in Untersuchungshaft, gestern um 11.45 Uhr war er ein freier Mann: Ali Ü., der seinen Bundesheer-Kameraden Ismail M. im Oktober in einem Wachecontainer der Albrecht-Kaserne erschossen haben soll, wurde enthaftet. Nach der Tatrekonstruktion am Schauplatz der Tragödie, die am Freitag zweieinhalb Stunden gedauert hatte, sah der Haftrichter keinen Tatverdacht wegen Mordes mehr. Es wird nun wegen grob fahrlässiger Tötung ermittelt. Unter der Auflage, dass er nicht mehr beim Heer arbeitet und sich von Waffen fernhält, wurde der 22-Jährige freigelassen.

Anwalt von Verdächtigem: "Er war überwältigt"

Sein Verteidiger Manfred Arbacher-Stöger (Kanzlei Rifaat) informierte seinen Mandanten über die Wende: „Er war total überwältigt und außer sich vor Freude.“ Nach groben Erinnerungslücken fiel Ali Ü. vergangenen Freitag ein, mit dem Sturmgewehr in der hand gestolpert zu sein. Dabei soll sich der Todesschuss gelöst haben.
Der Staatsanwalt sieht die Sache offenbar anders. Er legte beim Oberlandesgericht Beschwerde gegen die Entscheidung ein.

Familie von Opfer: „Sind fassungslos“

Damit sie es nicht aus den Medien erfahren, informierten die Anwälte Philipp Winkler (r.) und Ümit Vural (l.) die Opfer-Familie telefonisch über die Freilassung des Verdächtigen: „Sie waren fassungslos und hoffen nun auf weitere Schritte der Staatsanwaltschaft.“ Den Juristen sagten die Trauernden: „Für uns ist die Unfallvariante nicht nachvollziehbar.“ Schwager Deha K., der selbst Berufssoldat ist, sagte im „Heute“-Interview: „Bekannte von ihm erzählten mir, dass er gerne mit Waffen gespielt hat.“

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

(coi, lie)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sami am 22.01.2018 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fassungslos

    nicht nur die Familie des umgebracht jungen Mannes ist fassunglos! Ich auch!

    einklappen einklappen
  • Bonanza66 am 22.01.2018 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder justizskandal

    Die neue Regierung ist ja bereits am Weg alle roten Aufsichtsräte bei der ÖBB zu entfernen, alls nächstes könnens gleich bei der Justiz weitermachen und 80% der Richter enfernen. Unfassbar solche Urteile. Mir bleibt echt die Spucke weg

    einklappen einklappen
  • katja am 22.01.2018 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich!

    auch ich finde das empörend!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael R. am 23.01.2018 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr ärgerlich

    Ärgerlich Ich verstehe nicht wie man so einen Menschen wieder frei lassen kann. Alles gute für die Familie.

  • Michael C. am 22.01.2018 22:12 Report Diesen Beitrag melden

    Glanzleistung unserer Justiz

    Wenn wundert es denn noch? Inkompetenz und Justiz gehen bei uns ja Hand in Hand. Traurig für die Opfer.

  • Rudolf Moslawiene am 22.01.2018 21:57 Report Diesen Beitrag melden

    Her

    Ich denke das dem Rechtsanwalt eingefallen ist was der Soldat zu sagen hat, woher sonnst die plötzliche Erinnerung drei Monate konnte er sich an nicht erinnern und zwei Tage vorm Lokalaugenschein viel es ihm wie Schuppen von den Augen das er gestolpert sei. alle Achtung dem Anwalt

  • Markus am 22.01.2018 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Find ich richtig

    Ja. Kein Mord sondern fahrlässige Tötung. Straffrei kommt er damit trotzdem nicht weg.

  • Realist am 22.01.2018 21:28 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn

    Ein Schuss kann sich nur lösen, wenn der Finger am Abzug war.

    • Penelope am 22.01.2018 22:21 Report Diesen Beitrag melden

      Sehr dubios

      Und wenn man fällt hält man sich normalerweise nicht am Abzug fest, geschweige denn rutscht der Finger von selbst unkontrolliert nach hinten... ein "Zusammenzucken" bei dem soetwas möglich wäre könnte die Folge sein wenn man von jemandem erschreckt wird. In einer Sturzsituation würde man die Waffe aber tendentiell eher reflexartig loslassen um mit der Hand den Sturz abzufangen.

    einklappen einklappen