"Heute"-Kommentar

10. September 2018 09:45; Akt: 10.09.2018 12:54 Print

Sind wir Messerstechern & Seekillern ausgeliefert?

von Clemens Oistric - Jener Mann, der seine Verlobte in Wien erstochen haben soll, hätte nicht auf freiem Fuß sein dürfen. Kein Einzelfall, sondern eine gefährliche Tendenz.

Dass der Praterstern-Stecher, der Seekiller von Rust und der Verdächtige aus der Leopoldstadt auf freiem Fuß waren, sorgt für Unverständnis. (Bild: Sabine Hertel, privat)

Dass der Praterstern-Stecher, der Seekiller von Rust und der Verdächtige aus der Leopoldstadt auf freiem Fuß waren, sorgt für Unverständnis. (Bild: Sabine Hertel, privat)

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Journalisten sind naturgemäß nahe an Ereignissen. An den schönen ebenso wie an den hässlichen, den verstörenden, den unerklärbaren. Unser Job ist es, vor Ort zu recherchieren, Hintergründe zu Tage zu fördern, im Täter- und Opferumfeld auf Spurensuche zu gehen. Im besten Fall gelingt es, in der Biografie der Verdächtigen den Punkt auszumachen, an dem sie – aus welchem Grund auch immer – auf die kriminelle Bahn abgebogen sind.

Eine Aufgabe scheint verstärkt hinzuzukommen: den Punkt zu finden, an dem sich Straftäter den Behörden entziehen konnten. Blicken wir dazu nur auf das letzte halbe Jahr.

Der mutmaßliche Messerstecher vom Praterstern? Er kam – trotz eines negativen Asylbescheids – nach der Verbüßung einer Gefängnisstrafe wegen Drogenhandels nicht in Abschiebehaft und konnte in Wien als „U-Boot“ leben. So lange, bis er im März auf eine zufällig vorbeispazierende Familie und seinen Drogendealer mit einem Kampfmesser losging – „weil ich in einer schlechten, aggressiven Stimmung war“.

Hier geht es zur Story: Messer-Attacke: Opfer sind dreiköpfige Familie

Der dringend tatverdächtige Seekiller?

Er wurde als mehrfach vorbestrafter Gewaltverbrecher nach 32 Jahren im Oktober 2016 bedingt entlassen. Trotz sadistischer Tendenzen und einer hohen Rückfallgefahr kam ein Gutachten zum Schluss, dass sein Aggressionspotential abgenommen habe. Eineinhalb Jahre später soll er eine Zufallsbekanntschaft erwürgt und zerstückelt haben – „weil sie im Schlafzimmer lachte und zu schreien begann“.

Hier geht es zur Story: Zerstückelte Frauenleiche: Das ist der "See-Killer"

Der Mann, der am Wochenende seine Verlobte erstochen haben soll? Hätte ebenfalls längst im Gefängnis sitzen müssen. Er hatte eine neunmonatige Haftstrafe offen. Da er im Irak in Folterhaft gewesen war, empfahl eine Gutachterin in Österreich Krankenhaus statt Haft. Das Gericht stieg daraufhin sogar auf eine Fußfessel ein. Die holte sich der Mann allerdings nie ab – und soll stattdessen am Samstag in der Wiener Leopoldstadt blutig ausgerastet sein.

Hier geht es zur Story: Mord-Alarm in Wien: Frau in Wohnung erstochen

Exekutive muss machtlos zusehen

Wer beschützt uns vor diesen Menschen? Früher hätte man gesagt: die Polizei. Heute muss man die Frage stellen: Wer beschützt uns vor Gutachtern, die brandgefährlichen Menschen die Freiheit ermöglichen – und den Polizisten, die unermüdlichen ihren Job machen und in Wien nahezu jeden Mord innerhalb kürzester Zeit klären – Arbeit aufhalsen?

Arbeit im Dunklen statt Qualitätsfeuerwerk

Was es jetzt bräuchte? Endlich einheitliche Qualitätsstandards bei Gerichtsgutachten. Wenn es um Haftentlassungen geht, weisen diese laut einer Studie der Universität Ulm häufig schwere Mängel auf. Psychiater werden für ihre Dossiers sehr dürftig bezahlt. Ihre Motivation dürfte daher mitunter überschaubar sein.

Und was macht die die Justiz? Am liebsten im Dunklen so weiter wie bisher. Unlängst ärgerte sich eine Staatsanwältin heftig darüber, dass Medien (unter anderem „Heute“) bei einer Tatrekonstruktion dabei waren. Kommuniziert und begründet wird nahezu gar nichts. Wozu auch. Die Bevölkerung würde viele Entscheidungen – wie die oben exemplarisch angeführten – ohnehin nicht verstehen.

Gefährlich ist das allemal. In einer Gesellschaft gelten Regeln. Wer diese bricht, muss damit rechnen, hart bestraft zu werden. Wenn jedoch die Bevölkerung nicht mehr damit rechnen kann, vor tickenden Zeitbomben beschützt zu werden, wird sie das Vertrauen in den Rechtsstaat verlieren. Und das wäre brandgefährlich.

Für alle angeführten Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 10.09.2018 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gutachter müssten haften!

    Jeder Bus-Fahrer ("hab gedacht es geht ich aus") muss sich bei einem Fehler verantworten, nur die Gutachter zucken mit den Schultern und sagen: " wir können ja nicht in jeden hinein sehen". Und warum behaupten sie es dann aber vorher?! :-(

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  • Richard am 10.09.2018 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häupls schönes Wien

    Wie soll man sich in so einer Stadt noch sicher fühlen. Was da in Wien abgeht hab ich bis jetzt noch in keinen Jahrzehnt erlebt.

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  • Ina am 10.09.2018 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand beschützt uns

    Wir sind Vater Staat egal, Hauptsache political correctness wird gelebt!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Xaver Heinrich am 11.09.2018 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Tatenlos zusehen

    Heutzutage wird tagtäglich nur mehr vertuscht. Die Bevölkerung kriegt kaum mehr was mit. Da sickert nur wenig durch. Was da sonst los wer. Da wäre nur mehr Bürgerkrieg.

  • Michael am 11.09.2018 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit egal.

    Österreich wird nur mehr schöngeredet. Was da seit der EU die letzten Jahre abgeht. Unglaublich. Da helfen die vielen Kameras auch nix mehr.

  • Ina am 10.09.2018 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Sicher ist nur,

    dass es für uns keine Sicherheit im eigenen Land mehr gibt! Traurig!

  • Ina am 10.09.2018 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand beschützt uns

    Wir sind Vater Staat egal, Hauptsache political correctness wird gelebt!

  • Richard am 10.09.2018 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häupls schönes Wien

    Wie soll man sich in so einer Stadt noch sicher fühlen. Was da in Wien abgeht hab ich bis jetzt noch in keinen Jahrzehnt erlebt.

    • Lisa am 10.09.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

      @ Richard

      Der Häupl hat doch nix mitbekommen .Ist auf seinen Sessel geklebt, vor Wahlen hat er ein Lebenszeichen von sich gegeben. Hat auf seine Pebsion gewartet und sich ins Burgenland vertschüst .Die Wiener könnem nicht davonlaufen....... Die Probleme werden immer schlimmer .

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