Bei Wohlstand eingebüßt

12. Oktober 2018 10:30; Akt: 12.10.2018 13:03 Print

Wien bei Sicherheit top im OECD-Ranking

von Elisabeth Klapsch - Wien ist im OECD Wohlstands-Ranking seit dem Jahr 2000 zurückgefallen. "Heute.at" erklärt, warum das so ist.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf ist die Bundeshauptstadt Wien seit dem Jahr 2000 gleich um 20 Plätze auf Rang 104 abgerutscht. Das bedeutet eine Positionsverschlechterung um etwa 6 Prozent innerhalb von 16 Jahren (Anm.: Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016). Insgesamt hat die OECD international 329 Großstädte und Ballungsräume miteinander verglichen.

In den einzeln ausgewiesenen Kategorien "Zugang zu Dienstleistungen" und "Gesundheit" hat sich die Bundeshauptstadt im Vergleich zu den anderen 329 OECD-Ballungsregionen* im Ranking allerdings verbessert.

Regionalökonom Matthias Firgo sieht eine mögliche Erklärung für den leichten Rückgang im Wohlstand im hohen Bevölkerungszuzug. Das ist aber nur einer von vier möglichen Erklärungsansätzen, wie er weiter ausführt.

Drei mögliche Gründe

Schwächere Metropolregionen holen auf: Tatsächlich seien im gesamten europäischen Städtesystem Konvergenzprozesse zu beobachten, im Ausgangszeitpunkt "schwächere Metropolregionen" holen demnach aber auf. Ähnliches ist auch innerhalb Österreichs zu beobachten.

Außereuropäische Länder entwickelten sich teils besser: Dazu bezieht das OECD-Ranking eine beträchtliche Zahl von Städten in Ländern mit ähnlichem Entwicklungsniveau außerhalb Europas mit ein, die im Vergleichszeitraum ein deutlich höheres Wachstum aufwiesen als die EU (vor allem Australien, Südkorea, USA). Dies dürfte auch die Position der Städte dieser Länder im Ranking verbessert haben. Welche Städte Wien im Ranking tatsächlich überholt haben, geht aus den bisherigen OECD-Informationen nicht hervor, da die Detail-Daten noch nicht veröffentlicht wurden.

Preisbereinigung auf nationaler Ebene verzerrt Ergebnis: Letztlich sei laut Firgo auch ein statistischer Effekt denkbar: Das Ranking basiert auf "kaufkraftbereinigten" Werten für das BIP pro Kopf. Die dafür notwendigen Preiserhebungen basieren in allen Ländern auf nationalen Stichproben. Diese sind nur für die nationale Ebene repräsentativ, nicht aber für einzelne Städte oder Regionen. Bei erheblichen regionalen Preisunterschieden innerhalb der Länder führt die Bewertung zu nationalen Kaufkraftparitäten zu erheblichen Verzerrungen zugunsten der "teuren" Zentren.

Dies lässt sich beispielhaft an Bratislava zeigen: Laut Eurostat lag sie 2014 beim BIP pro Kopf in Kaufkraftstandards unter den Metropolregionen der EU auf Rang 7 – weit vor Wien (Rang 40), dem Großteil der deutschen Stadtregionen, aber auch vor London oder Brüssel.

Bundesländer-Ranking

OECD Wohlstands-Ranking Österreich

In den Detailergebnissen für Österreich wird das Abschneiden für die drei österreichischen Metropolregionen Wien, Graz und Linz dargestellt. Wien weist für 2016 unter jenen drei heimischen Metropolen nicht überraschend das höchste BIP pro Kopf auf.

Was die einzelnen Kategorien betrifft, schneidet die Bundeshauptstadt allen voran bei der Bildung, dem Zugang zu Services und der Lebenszufriedenheit gut ab. In der Kategorie "Umwelt" weist Wien mit 1,8 von 10 Punkten zwar den schlechtesten Wert im Bundesländer-Ranking vor, das lässt sich aber leicht erklären: Ballungsräume sind durch viele menschliche Aktivitäten (Industrie, Gewerbe und Verkehr) und weniger Grünflächen meist im Nachteil und am stärksten durch Luftverunreinigungen belastet.

Im direkten Vergleich mit den anderen OECD-Ballungsregionen hat sich die Österreichische Hauptstadt in Sachen Umwelt seit 2000 übrigens nicht verschlechtert – aber auch nicht verbessert.

Detailergebnisse Wien

Bei sieben von elf ausgewiesenen Kategorien liegt Wien demnach in den "Top"-Rängen: Zugang zu Services, ziviles Engagement, Bildung, Gesundheit, Einkommen, Sicherheit und Lebenszufriedenheit. Bei Umwelt, Jobs, Wohnen und Gemeinschaft liegt die Bundeshauptstadt unter dem Mittel.

Ländervergleich Österreich

OECD Wohlstands-Ranking

Im OECD-Ländervergleich fällt Österreich in den Kategorien Lebenszufriedenheit (Platz 9 von 35), Sicherheit (Platz 2 von 36), Einkommen (7 von 36) und ziviles Engagement (9 von 36) besonders positiv auf.

Hier gelangen Sie zum OECD Wohlstands-Ranking >>>

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Themen

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Southpaw am 12.10.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wertfrei und ohne Zynismus:

    Wir haben nahezu jeden Tag eine Messerstecherei, einen sexuellen Übergriff und eine nicht unter Kontrolle zu bringende Drogenszene. Wie kann Wien dann eine der sichersten Städte sein? Wie geht es dann in anderen Städten zu? Sorry, aber das kann doch bitte niemals stimmen.

    einklappen einklappen
  • Florian T. am 12.10.2018 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über Fragen

    Könnte es auch an der ungezügelten und bis vor kurzem noch großteils ungeregelten Zuwanderung liegen oder bin ich da komplett auf dem Holzweg ?

    einklappen einklappen
  • zimbo am 12.10.2018 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Beijing hat xmal soviele EW

    Und trotzdem ist es wesentlich sicherer.Als ob der mehrfach täglicheMesserstich normal wäre.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • SockenRambo am 12.10.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Mit 13 konnte ich mit der U6 zur Donauinsel fahren zum Skaten.. alleine, ohne von Dealer und Banden aufgemischt zu werden. Meine Schwester konnte mit dem Nachtbus alleine Heim fahren ohne das je was passiert ist.. In Ambulanzen und der UBahn gab es KEINE Security bzw Wachdienste. In Schule brauchte man keine 2t Lehrer zum übersetzen.. die Kinder die da waren haben noch versucht Deutsch zu lernen. Medizinische Versorgung ging wirklich gratis und 10x schneller.. Wie kann auch nur ein einziger behaupten daß sich nichts verschlechtert hat!?

  • Free am 12.10.2018 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlose Poller errichtet

    Die Wertung von der OECD - was in Wien bei Sicherheit Top ist. Aber man hat, wie z. B. Hofburg, BKA, Rathausplatz, Schloss Schönbrunn und die verschiedenen Ministerium Pollter errichtet. Und der Steuerzahler darf es zahlen. Also so ein Statement ist absurd. Sie haben den Latten net am Zaum!

  • Wk am 12.10.2018 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freitag 12.Oktober, 14:10Uhr

    Erst jetzt wiedereinmal ein großaufgebot der Polizei gegenüber der Ubahn Station Jägerstraße...und auch in der Ubahnline 6, bzw den Sbahn Stationen Handelskai, Praterstern, Wien Mitte, Floridsdorf,... fühlt man sich alles andere als sicher. Da will ich ja nicht wissen wie andere Städte sind, die im Ranking unter Wien sind...

  • Iphigenie am 12.10.2018 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstand

    Wenn man sich die hohe Armutszuwanderung ansieht- Wien zieht offenbar keine gut gebildeten Köpfe an, sondern setzt eher auf den religiös-patriarchalischen Drittstaatler.

  • Korbi am 12.10.2018 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakten

    Gefühlte Realität trifft auf Fakten. vielleicht verstehen jetzt endlich, dass so manche Populisten eine nicht existente Gefahr beschreiben. wir sind sicher in Österreich

    • hueher am 12.10.2018 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Korbi

      träume weiter den Traum...........

    • Korbi am 12.10.2018 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @hueher

      sind gefühlte Fakten wirklich wahrer für sie als echte Fakten?

    • PeterKarl am 14.10.2018 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Korbi

      Mir reicht schon wenn ich die täglichen echten Fakten lese.

    einklappen einklappen