Urteil ausgesetzt

20. November 2017 07:00; Akt: 21.11.2017 16:13 Print

Mord-Prozess in Wien endet mit Knalleffekt

Ungewöhnliches Ende eines ungewöhnlichen Mordprozesses am Wiener Landesgericht: Das Urteil wurde ausgesetzt wegen zu vieler Mängel im Verfahren. Alles neu!

Der Angeklagte Shkelzen D. wurde Montagvormittag zu seinem Mordprozess vorgeführt. (Bild: Helmut Graf)

Der Angeklagte Shkelzen D. wurde Montagvormittag zu seinem Mordprozess vorgeführt. (Bild: Helmut Graf)

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Auf acht Geschworene wartete am Wiener Landesgericht eine Herkulesaufgabe: Nach dem mysteriösen Todesschuss vor dem Café „Blanco“ in Wien-Donaustadt mussten die Laienrichter über Schuld oder Unschuld des Angeklagten beraten. Am Ende waren sich sich einig: 8:0 für Freispruch. Ein neuer Prozess muss her. Aber alles der Reihe nach.

Wie berichtet, soll Shkelzen D. (28) einen Nebenbuhler zu Ostern im Streit erschossen haben. „Ein Unfall, die Kugel hat sich irrtümlich gelöst, als ich ihm mit der Pistole auf den Kopf schlagen wollte“, so der Verdächtige, nachdem er sich wenige Minuten nach der Tat freiwillig (!) bei der Polizei gestellt hatte.

Gutachten macht Causa immer mysteriöser

Der Staatsanwalt verzichtete – völlig atypisch bei einem Schussdelikt – auf ein ballistisches Expertengutachten. Erst als seine Anwälte Werner Tomanek und Philipp Wolm die Mordanklage mittels Privatdossier zerpflückt hatten, beauftragte das Gericht einen Sachverständigen. Seine Expertise liegt "Heute" seit Ende der Vorwoche vor – und sorgte für basses Erstaunen: „Eine Schussauslösung durch einen Schlag ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Es wurden keine Anhaltspunkte für eine Schussabgabe von D. festgestellt“.

"Will ich nicht beantworten"

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte beinahe schon philosophisch, seinen Anwälten will er gesagt haben: "Vielleicht war ich es – vielleicht auch nicht." Auf Fragen des Richters Georg Olschak gab er sich wortkarg, sagte Dutzende Male: "Will ich nicht beantworten."

Komisch auch: Weder am Gewand noch an den Händen des Angeklagten wurden Schmauchspuren sichergestellt. Doch wenn die Spurenlage und das Gutachten eines rennommierten Sachverständigen davon ausgehen, dass Shkelzen D. nicht geschossen hat, stellt sich die Frage: Wer hat wirklich abgedrückt? Ein Mister X? Und warum deckt der Angeklagte ihn? Im grauen Haus räumte er Montagvormittag zumindest ein: "Ich habe einen Schuss gehört, ja."

Der Freispruch

Der auf zwei Tage anberaumte Prozess endete schließlich mörderisch spannend. Der erfahrene Richter Georg Olschak hatte 16 Zeugen und drei Sachverständige (ein Gerichtsmediziner, ein Chemiker, ein Ballistiker) geladen. Die Geschworenen sprachen Shkelzen D. frei.

Shkelzen D. bekommt einen neuen Prozess. Vorerst muss er hinter Gittern bleiben. Ob er freikommt, entscheidet sich erst in den nächsten Tagen.

(coi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • zimbo am 21.11.2017 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Knalleffekt ?

    Nicht in Wien.Auf den den Soldatenprozess bin ich gespannt.Schliessllich hat ja die Waffe geschossen, nicht er.

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  • Protti am 21.11.2017 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fr.

    Freilassen? um"villeicht" wieder was zu drehen,dann Gedaechnissverlust.?

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  • Banana am 22.11.2017 03:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mord

    Es war eindeutig geplante Tat warum trägt er eine Waffe mit sich. Lebenslänglich für den.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Banana am 22.11.2017 03:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mord

    Es war eindeutig geplante Tat warum trägt er eine Waffe mit sich. Lebenslänglich für den.

    • Emanuel Niedermayer am 28.11.2017 21:35 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      Wo sind dann die Schmauchspuren? Und woher willst du denn wissen, dass das geplant war? Hast du was damit zu tun?

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  • TantePolly am 21.11.2017 20:37 Report Diesen Beitrag melden

    Das war kein Irrtum der Geschworenen,

    sondern eine Reihe von naiven Irrtümern bei Polizei, Staatsanwalt und dem Richter. Ich vermute, dass der Angeklagte einen Auftragskiller angeheuert hat und sich Minuten nach dem Mord sofort gestellt hat, weil ihm vermutlich ein erfahrener Rechtsanwalt schon vorher versichert hat, dass er aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden muss. Mittlerweile ist der Auftragskiller natürlich längst über alle Berge. Von der Polizei bis zum Richter haben alle angenommen, dass wenn sich einer stellt, der auch der Täter sein muss und sich sofort exklusiv auf diese falsche Spur fixiert.

  • AlderBinIschKrass am 21.11.2017 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Was sagt...

    Was sagt der Ältestenrat dazu ? In ein paar Jahren wird er neben dem Imam die höchste Instanz sein.

  • zimbo am 21.11.2017 15:10 Report Diesen Beitrag melden

    Knalleffekt ?

    Nicht in Wien.Auf den den Soldatenprozess bin ich gespannt.Schliessllich hat ja die Waffe geschossen, nicht er.

    • Preibisch am 21.11.2017 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @zimbo

      Zeigt mir einen Österreicher der sich zwei spitzen Anwälte leisteen kann!! Was läuft da schief bei uns

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  • Protti am 21.11.2017 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fr.

    Freilassen? um"villeicht" wieder was zu drehen,dann Gedaechnissverlust.?

    • Karin am 21.11.2017 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Protti

      Wenn das ein Österreicher wäre würde er schon für längere Zeit sitzen. Was läuft da falsch?

    • Protti am 21.11.2017 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karin

      Ja das ist die Kardinalfrage

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