Kameraden getötet

14. Juni 2018 18:57; Akt: 14.06.2018 19:22 Print

Urteil: Todesschuss in Wiener Kaserne war Mord

Jener 22-Jährige, der in einer Kaserne in Wien einen Soldaten mit einem Kopfschuss getötet hatte, ist am Donnerstag wegen Mordes schuldig gesprochen worden.

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Der Schütze Ali Ü. sprach bis zuletzt von einem entsetzlichen Unfall, der Staatsanwalt von einer "Wahnsinnstat". Am Wiener Landesgericht wollte der 22-jährige Angeklagte heute die Geschworenen davon überzeugen, dass er seinen Kameraden Ismail M. (20) nicht vorsätzlich mit einem Sturmgewehr erschossen hat.

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Das ist ihm (knapp) nicht gelungen. Fünf der acht Laienrichter sahen die Sachlage wie der Staatsanwalt - und fällten einen Schuldspruch wegen Mordes.

Das Strafmaß legte dann der Berufsrichter-Senat fest: Ali Ü. muss 15 Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, weil der Verteidiger von Ali Ü. umgehend volle Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde angemeldet hat. Der Staatsanwalt gab vorerst keine Erklärung ab. Die Opferfamilie bekommt 41.000 Euro zugesprochen.

Soldat erschossen

Ein vermeintlicher Kronzeuge hatte sich vergangene Woche selbst entzaubert. Ali Ü soll ihm hinter Gittern einen Mord aus gekränktem Stolz gestanden haben. Doch der Ex-Häftling lieferte mit Grippeschutzmaske einen wirren Auftritt und wollte die Story zudem an Medien verkaufen.

Aufregung um Video

Am heutigen zweiten Verhandlungstag sorgte ein Video, das der Verteidiger des Schützen, Manfred Arbacher-Stöger, gerne gesehen hätte, für Aufregung: Am Tatort gibt es nämlich sechs Überwachungskameras.

Doch der Clip, der zeigen sollte, dass sich Ali Ü. dort nicht nervös auf einen Mordanschlag vorbereitet oder sein Gewehr repetiert hatte, existiert trotzdem nicht. Denn: Die Bilder können vom Heer nur "live" angesehen, nicht aber gespeichert werden.

Rückblick

Wie berichtet war es im Oktober in Wien zu dem tödlichen Schuss gekommen. Dem späteren Schützen soll das Gewehr runtergefallen sein, dann wollte er mit seinem Kameraden eine Zigarette rauchen – da löste sich der Schuss. Der 20-Jährige wurde im Kopfbereich getroffen, war sofort tot. Der Todesschütze beteuert, sich an den genauen Tatablauf nicht mehr erinnern zu können.

Acht Monate nach der Tat wurde Ali Ü. nun des Mordes schuldig gesprochen. Er erhielt eine Haftstrafe von 15 Jahren. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realistin am 14.06.2018 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Todesschuss

    15 Jahre für Mord ? Super Rechtssprechung in Österreich. Hier ist ein Leben nichts wert .

    einklappen einklappen
  • kreereiwa am 14.06.2018 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schwere Geburt

    Das war aber eine schwere Geburt, obwohl ja der Sachverhalt vom Anfang an klar war. Interessant war zu beobachten, wie Sachverständige krampfhaft versucht haben einen Unfall daraus zu basteln.

  • Heimatland am 14.06.2018 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heute ist am schnellsten

    Es ist 19:00 Uhr, ihr seid wieder einmal schneller als der ORF, +Wien heute+ wartet noch auf das Urteil!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Anna1 am 15.06.2018 05:26 Report Diesen Beitrag melden

    Höchststrafe

    Da können die Eltern jetzt sparen ,ihr Sohn im Knast wo kann der 41tausend euro zahlen. Wenn der frei kommt setzt er sich in die türkei ab der zahlt keinen cent. Die hätten lieber 20jahre darauflegen Solln

    • Freudenhäusel am 15.06.2018 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      Frau

      Und wer hat dann etwas davon wenn er 20 Jahre länger sitzt??

    einklappen einklappen
  • XY am 15.06.2018 05:00 Report Diesen Beitrag melden

    Lebenslang sollte lebenslang sein

    Trozdem Bravo! Da hat das viele Lügen nichts gebracht Der richterspruch war in Ordnung, durch unsere Gesetze ging nicht mehr. Man muß ( da ist auch unser Gesetz Schuld ) die Gegenwehr vom Anwalt dazu rechnen sind's leider nur 15 Jahre

  • zum Kotzen am 15.06.2018 04:46 Report Diesen Beitrag melden

    lebenslanger Regress

    kostet dem österr. Steuerzahler jetzt 108,--EUR/TAG ca 40.000 / Jahr bzw. 600.000,-/15 Jahre plus Nebenkosten Gerichtsverfahren...wahrscheinl. 700.000,-- Der Betroffene müsste das Geld nach Verbüßung der Strafe in voller Höhe lebenslang an die Familie des Getöteten zurückzahlen das wäre das Mindeste....nur wenn er rauskommt ist er bald 40 - keine Versicherungsz. und nichts eingezahlt und der Steuerzahler kann dann noch seinen Altersheimplatz zahlen....

    • YYYY am 15.06.2018 05:35 Report Diesen Beitrag melden

      XXXX

      Das ist ein Irrtum! Das witzige an der Geschichte DER HAT versicherungsz .In Österreich wird die haftzeit auf die Pension angerechnet. Ja bei uns gehören die Gesetze schon lange saniert

    einklappen einklappen
  • Helga am 14.06.2018 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mord, lebenslang

    Lebenslang wäre die richtige Strafe für vorsätzlichen Mord. Sie haben gestritten, Kurse gegen Erdogan Anhänger, dann Kopfschuss.

  • Mario am 14.06.2018 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Worte

    Hätte er eine Bank ausgeraubt sitzt er länger ,da sieht man wieder einmal das ein Leben nix wert ist.