Innung auf Barrikaden

12. Januar 2018 15:09; Akt: 14.01.2018 10:18 Print

Wirbel um Urteil nach Tattoo-Komplikationen

Skurriles Urteil eines Grazer Gerichts: Ein Tätowierer muss eine Allergie berücksichtigen, auch, wenn der Kunde davon ursprünglich selbst nichts wusste. Und, dass ein "Probestechen" erforderlich ist. Die Innung wehrt sich jetzt.

 (Bild: Helmut Graf)

(Bild: Helmut Graf)

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Der dramatische Krankheitsverlauf einer Kärntner Kundin eines Tattoo-Studios hat nun Auswirkungen auf die gesamte Branche: Die junge Mutter entschied sich 2012 für ein Tattoo mit farbigen Blumen und Daten ihrer Tochter am rechten Unterschenkel. Kurz darauf begann sie unter dem Tattoo unter Juckreiz zu leiden, es entstanden Pusteln.

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Die Frau ging zu Ärzten, musste sogar ins Spital, wurde mehrmals operiert, inklusive Hauttransplantationen. Auch Wundinfektionen stellten sich ein. Ärzte stellten schließlich fest, dass die Patientin an einer genetisch bedingten Allergie auf Rottöne in der Tattoofarbe leidet. Sie verklagte das Studio auf Schadenersatz - und - bekam recht.

Gericht besteht auf Probepunkte
Das Gericht kritisierte, dass der Tätowierer die Möglichkeit, dass die Kundin allergisch auf die Farbe reagieren könnte, nicht überprüft hätte. Würde man vor der Tätowierung des Motivs Probepunkte mit den vorgesehenen Farben setzen, wären diese bei einer allergischen Reaktion mittels Stanzbiopsie entfernbar. So könne man alle Risiken ausschließen.

Innung wehrt sich
Die zuständige Bundesinnungsmeisterin Dagmar Zeibig betont, dass es sich hierbei um einen "Einzelentscheid ohne derzeitige generelle österreichweite Gültigkeit" handle.

„Mit Nachdruck muss in dem nun medial angestoßenen Einzelfall, rund um eine allergische Reaktion im Rahmen einer Tätowierung, darauf hingewiesen werden, dass ein generelles Probestechen auch aus Kundensicht mit negativen Auswirkungen verbunden sein kann“, betonte am Freitag Erich Mähnert, Fachexperte der Tätowierer.

Denn ein Tattoo bestehe zumeist nicht nur aus einer Farbe, sondern aus mehreren. Müssen alle verwendeten Farben probegestochen werden um danach via einer Hautstanzung durch einen Dermatologen im Anlassfall wieder entfernt werden, sei dies auf jeden Fall mit optischen Beeinträchtigungen der Haut verbunden. "Dies sollte man im gegenständlichen Fall immer vor Augen haben, bevor sehr weitreichende Forderungen erhoben werden", so Mähnert.

Man sei ohnehin verpflichtet, Kunden vor einer Tätowierung über die Risiken aufzuklären. "Dies wird von den Kunden durch deren Unterschrift unter einem entsprechenden Beratungsbogen auch bestätigt“, unterstreicht der Branchensprecher, der gleichzeitig darauf hinweist, dass ein etwaiges Probestechen auch schwer administrierbar sei.

Tattoo-Farben seien gemäß den gesetzlichen Vorgaben mit Ablaufdaten und Chargennummern versehen. Wird nun eine Farbe für ein Probestechen verwendet, die bis zum eigentlichen Tattoo bereits aufgebraucht oder abgelaufen ist, wäre ein weiteres Probestechen nötig. "Welche Konsequenzen dies für Betriebe wie Kunden hat, sei leicht nachvollziehbar, denn eine Tätowierung wäre kaum mehr durchzuführen", so Mähnert.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin am 12.01.2018 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann..

    ... gibt es in Krankenhäusern vielleicht auch eine Probenarkose, wenn jemand noch keine hatte? Da muss man ja auch vorher unterschreiben...

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  • Maria am 12.01.2018 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    finde ich nicht richtig

    also so einen Blödsinn hab ich noch nie gehört ich habe selbst 4 Tattoos und ich würde mir kein probestechen machen lassen den man wird genug vor dem Tätowieren aufgeklärt über die Risiken und muss das auch unterschreiben das finde ich einfach nicht richtig

  • MARKUS am 12.01.2018 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oui

    Der Kunde muss selbst wissen ob und gegen was er elegisch ist. Wenn der Tätowierer jetzt jeden Kunden testen muss wird dann der Preis erhöt was natürlich wieder einigen stört bzw das Geschäft schädigt. Ist es nicht so das man davor etwas unterschreibt?

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 13.01.2018 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdiges Urteil

    Finde das Urteil sehr bedenklich. Nicht nur für Tattoo-Artisten sondern für ein sehr größeres Spektrum. Masseure die Öle auftragen, eine Friseurin die Shampoo verwendet... Bei all diesen Dienstleistungen muss dann vorher ein Probevorgang getestet werden? Also ein Testwaschen beim Friseur... Willkommen im Amerikanischen-Ich-klage-gegen-alles-System. Und Bilder von nicht involvierten Tattoo-Artisten zu verwenden ist sehr unprofessionell.

  • Christoph K. am 13.01.2018 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar

    Ich finde es echt schlimm dass für diesen Artikel Fotos von Tätowierern hergenommen werden die mit diesem Fall überhaupt nichts zu tun haben. Das wirft ein schlechtes Bild auf diese und ist außerdem im höchsten Grade Ruf- und Geschäftsschädigend. Wenn das nicht geändert wird rechne ich mit Klagen vor Gericht. Liebes Heute Team: DAS IST SOWAS VON UNPROFESSIONELL!!! Ich hoffe auf sofortige Behebung dieses Fehlers!

    • Verena am 13.01.2018 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt...

      Finde ich sehr bedenklich Fotos von Tätowierern zu verwenden, Kunden werden dadurch nur negativ Beeinflusst un der Ruf wird angegriffen.

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  • aborigini am 12.01.2018 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Dumm

    Unverständnis für das Urteil. Jeder der summ genug ist sich eines stechen zu lassen, sollte wissen, das es zu allergischen Reaktionen kommen kann. Noch schlimmer finde ich, dass eine Tätowierung praktisch nicht mehr entferbar ist. Ich als Chef würde NIEMANDEN einstellen der sichtbar tätowiert ist. Auch das sollte bedacht werden. Ich mag auch nicht gerne von so gepeckten bedient werden. Ich find das völlig unnötig, außer ich will zeigen, dass ich mich außerhalb der Gesellschaft stelle.

    • naja am 13.01.2018 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @aborigini

      Das Urteil ist genauso überzogen wie deine Aussage. Nur weil ein Mensch ein Tattoo hat ist dieser nicht abwertend oder sonst irgendetwas. Ist ein Mensch wie jeder andere der halt auf Körperkunst steht. Verstehe nicht wieso man sich immer soviel Gedanken über andere macht. Leben und Leben lassen.

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  • directly am 12.01.2018 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So einen Schwachsinn hat denk ich...

    ...nicht mal Amerika. Gehört in die Kategorie Achtung Schokolade macht dick auf der Schokoverpackung. Der Kunde unterschreibt vorab einen Aufklärungsbogen über mögliche Risiken & Komplikationen, wie das auch bei medizinischen Behandlungen, invasiv kosmetischen Behandlung uvm der Fall ist. Somit liegt alles weiter in der Eigenverantwortung.

  • Tine am 12.01.2018 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Restrisiko

    Im Sommer hat mir meine Ärztin ein Medikament gegen Bluthochdruck verschrieben - Nachts brauchte ich dann den Notarzt da ich auf einen Bestandteil allergisch reagierte ! Kann ich jetzt auch klagen? Ist ja schon wie in Amerika!