Unfall in Allentsteig

05. Juli 2012 11:14; Akt: 06.07.2012 09:56 Print

Darum musste Soldat im Panzer sterben

Bei einem Panzerunfall auf dem Waldviertler Truppenübungsplatz Allentsteig ist am Donnerstag ein Soldat ums Leben gekommen. Er dürfte ertrunken sein.

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Laut NÖ Sicherheitsdirektion brach der Schützenpanzer des Typs "Saurer" plötzlich in eine mit Schlamm und Wasser gefüllte, von Pflanzenwuchs bedeckte Bodenvertiefung ein. "Durch das Eindringen von Schlamm und Wasser konnte der 21-Jährige nur mehr tot geborgen werden", hieß es in der Aussendung.

Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums, bestätigte das. Zur Todesursache könne er aber noch nichts sagen. Die Untersuchungskommission sei seit den Mittagsstunden im Einsatz, zur Zeit würden Befragungen stattfinden. Ein erstes Zwischenergebnis sei am Freitagvormittag zu erwarten.

Fahrer eingeklemmt

Der Mann war nach ersten Angaben des Landesfeuerwehrkommandos eingeklemmt gewesen. Der Fahrer eines Schützenpanzers sitze links ganz vorne, getrennt von den anderen, erläuterte Bauer. Die Grundwehrdiener befanden sich auf der "Ladefläche", also im Freien. Sie konnten den "Saurer" selbstständig verlassen, leisteten Erste Hilfe und wurden in der Folge psychologisch betreut. Die 19-Jährigen stammen laut Polizei aus den Bezirken Zwettl und Freistadt.

Der bei dem Unfall verletzte 27-jährige Wachtmeister wurde mit dem Notarzthubschrauber ins Krankenhaus geflogen. Am Nachmittag hieß es, er habe leichte Blessuren erlitten und befinde sich auf dem Weg der Besserung.

In alten Keller eingebrochen?

Der Unfall hatte sich um 10.00 Uhr bei einer Ausbildungsfahrt ohne Munition ereignet. Um welche Art von Loch es sich handelte - eventuell ein altes Sprengloch oder auch ein alter Keller, wie es in ersten Informationen seitens der Feuerwehr geheißen hatte -, war zunächst nicht geklärt.

Das Bundesheer bedauerte den schweren Unfall, Verteidigungsminister Norbert Darabos zeigte sich in einer Aussendung tief betroffen und sicherte den Angehörigen der beiden Opfer Unterstützung und Beistand zu. Derart tragische Zwischenfälle seien trotz aller Bemühungen um die Sicherheit leider niemals vollkommen auszuschließen.

Man werde den Unfallhergang genau untersuchen und lückenlos aufklären. Bestürzung und Mitgefühl äußerten in einer Aussendung auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und FPÖ-Wehrsprecher Peter Fichtenbauer, Vorsitzender des parlamentarischen Landesverteidigungsausschusses.

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Zahlreiche Zwischenfälle in der Vergangenheit

In der Vergangenheit ist es auf dem unter Adolf Hitler errichteten Truppenübungsplatz immer wieder zu Zwischenfällen mit teilweise tödlichem Ausgang gekommen. Hier eine Chronologie der Unfälle:

16. Februar 2011: Bei einem Verkehrsunfall werden vier Soldaten der Theresianischen Militärakademie aus Wiener Neustadt auf dem Truppenübungsplatz leicht verletzt. Ihr Pinzgauer war von einer durch gefrierenden Nebel eisglatten Straße abgekommen und in einem Feld gelandet.

7. Oktober 2009: Bei einer routinemäßigen Scharfschießübung kommt bei einer Explosion im Kampfraum eines Panzers ein 20-jähriger Korporal aus dem Burgenland ums Leben. Ein 19 Jahre alter Grundwehrdiener aus der Steiermark wird schwer verletzt. Dem Steirer werden bei der Explosion Teile der Hand weggefetzt. Als Ursache wird schließlich ein defekter Zünder einer Granate ausgemacht.

16. September 2009: Bei einer Bundesheerübung schlägt eine um drei Kilometer fehlgeleitete Granate in ein Wohngebiet ein. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt, es entstand aber erheblicher Sachschaden. So wurden etwa ein Fahrzeug, Fensterscheiben und Hausfassaden beschädigt. Gegen den Schützen, einen erfahrenen Soldaten, wurde eine Straf- und Disziplinaranzeige eingebracht.

28. August 2009: Während der Großübung "Handwerk 09" in Allentsteig werden bei einem Zusammenstoß zweier Schützenpanzer vier Soldaten verletzt, ein Fünfter erleidet einen Schock. Einen Tag zuvor werden ebenfalls vier Soldaten verletzt, als ein Truppentransporter in einen Graben stürzt.

14. August 2009: Beim Scharfschießen auf dem Truppenübungsplatz wird ein Angehöriger des Jägerbataillons 12 an der Hand verletzt.

9. Juni 2009: Bei einem Auffahrunfall auf dem Truppenübungsplatz werden drei Kadersoldaten leicht verletzt. Fahrzeuge einer übenden Truppe aus Salzburg sind kollidiert.

24. April 2008: Im Rahmen der Übung "Pacemaker 08" wird ein 23-jähriger Kadersoldat bei einem Unfall mit einem Schützenpanzer getötet. Ein weiterer wird schwer verletzt, als das Fahrzeug von der Straße gerät und einen Holzstapel touchiert.

31. November 2007: Während der Übung "Pacemaker 07" wird ein Zeitsoldat verletzt, als er mit einem Fahrzeug vom Weg abkommt und der Wagen zur Seite kippt.

14. Juni 2007: Ein Grundwehrdiener prallt am Übungsplatz mit einem Pkw gegen einen Erdwall. Der 19-Jährige wird schwer verletzt.

8. November 2006: Ein Soldat verunglückt am Truppenübungsplatz mit einem Lkw und erleidet schwere Verletzungen. Ein entgegenkommender Schwertransporter soll den Unfall mitverschuldet haben.

Lesen Sie weiter: Das ist der Schützenpanzer "Saurer" Bei dem Schützenpanzer "Saurer" A1 handelt es sich um ein Multifunktionsfahrzeug, das im Bundesheer in verschiedenen Versionen im Einsatz ist. Der Großteil der Panzerfahrzeuge ist mit einer Zwei-Zentimeter-Maschinenkanone oder mit einem 12,7 mm überschweren Maschinengewehr ausgestattet. Im Fall des heute, Mittwoch, verunglückten Fahrzeuges handelte es sich laut einem Sprecher des Verteidigungsministeriums um einen Beobachtungspanzer.

Dieser war bei der durchgeführten Übung ohne scharfe Munition. Eingesetzt wird er normalerweise im unmittelbaren Gefahrenbereich, er schaut quasi dort hin wo die Artillerie hin schießt, erläuterte der Sprecher.

Erste Prototypen 1958

Entwickelt wurde der Panzer von den österreichischen Saurerwerken und nach der Übernahme durch Steyr-Daimler-Puch Spezialfahrzeuge (SSF) von dieser Firma produziert. Die ersten Prototypen wurden 1958 fertiggestellt.

Waren im Jänner 2011 noch 400 Schützenpanzer in Verwendung, sind es aktuell noch 69. Auch diese sollen laut  Ressortsprecher im Verteidigungsministerium, Oberst Michael Bauer, bis Ende 2013 ausgesondert werden. Die noch verbliebenen "Sauer" sind in Allensteig, Salzburg, Melk, Feldbach und Mautern stationiert.

13,2 Tonnen Gewicht

Der "Saurer" hat je nach Version eine Motorleistung von 235 bzw. 250 PS erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 60,5 km/h. Seine Reichweite auf Straßen beträgt 230 Kilometer, im Gelände 140 Kilometer. Die Version des heute in ein Loch gestürzten Panzers hat ein Gefechtsgewicht von 13,2 Tonnen.