Niederösterreich

08. März 2018 01:14; Akt: 08.03.2018 01:26 Print

Heime geräumt: Mitarbeiter kritisiert, Träger wehrt sich

Gegen die drei Heimschließungen in NÖ kündigte die Therapeutische Gemeinschaft rechtliche Schritte an. Ein Insider spricht indes von finanziellen Ungereimtheiten.

Heime In Nö in der Kritik (Bild: iStock)

Heime In Nö in der Kritik (Bild: iStock)

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Offenbar völlig überraschend wurden am Mittwochmorgen die Heime in Jaidhof, Ebenfurth und Sitzendorf geschlossen ("Heute" berichtete). 16 Jugendliche (6 bis 17) kamen vorläufig in einer "Krisen-Landeseinrichtung" in Pottendorf unter, ein Bursche flüchtete im Trubel.

4 Einrichtungen noch offen

Offen sind jetzt nur noch die Heime in Neufeld (Bgld.), UMF Wien (für junge Flüchtlinge) sowie zwei Micro-TGs in Mödling und Königstetten. Was mit diesen Einrichtungen in Zukunft passieren wird, ist noch unklar. Der Standort Grinzing wurde bereits geschlossen - offizielle Begründung: Renovierungsbedarf.

Finanzielle Ungereimtheiten

"Heute" sprach mit einem Mitarbeiter: "Neben den Missständen in den Heimen, stellt sich für mich die Frage, ob die finanziellen Ungereimtheiten ebenfalls ans Tageslicht kommen. Es gab sogar Außenstellen in Rumänien, Kenia und Hongkong. Zum Beispiel erhält der Träger für eine Micro-TG 6.000 Euro im Monat, die Micro-TG tatsächlich aber nur 2.000 Euro. Und für die Kinder in den Heimen, die dringend Therapien brauchen, gibt es astronomische Taggelder und dann werden diese Kinder mit billigen Tabletten versorgt anstatt mit notwendigen Therapien. Ich habe in zahlreichen Betreuungseinrichtungen gearbeitet - Missbrauch, Schläge, Gewalt stehen leider fast überall an der Tagesordnung. Die TG ist nur die Spitze des Eisberges. Und das Land NÖ, aber auch Wien und Burgenland, machen Förderungen in Millionenhöhe locker, ohne dass diese Geldflüsse ausreichend kontrolliert werden."

TG in Gegenoffensive

Die TG kündigte gegen die Schließungen Widerstand an, die Pressesprecherin zur Schließungswelle am Mittwoch: "Wir zeigten die letzten Monate große Kooperationsbereitschaft gegenüber allen Mitgliedern der Sonderkommission und uns wurde seitens Landesrat Schnabl versichert, dass wir den Endbericht der Sonderkommission einsehen können. Die Vereinbarung wurde seitens Landesrat Schnabl nicht eingehalten. Wir haben den, heute Donnerstag 8. März, präsentierten Endbericht der Sonderkommission weder einsehen können, noch dazu Stellung beziehen können. Die TG werden alle zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel gegen die einseitige und willkürliche Schließung der Einrichtungen und Abnahme der Kinder und Jugendlichen ergreifen. Die „Schließung der Einrichtungen“ seitens des Landes und die Kündigung der Verträge erfolgte ohne jegliches Beweisverfahren, alleine aufgrund des Berichts einer sogenannten „Sonderkommission“, für die es gar keine Rechtsgrundlage gibt. Die TG hatten keine Gelegenheit, zum „Bericht“ Stellung zu nehmen. Die Bescheide ergingen ohne jegliches Beweisverfahren, in einer Nacht und Nebel-Aktion."

Landesrat Franz Schnabl (SP) tritt heute vor die Presse, will Details und den Endbericht der SOKO (Leitung Simone Metz - sie ist derzeit auf Urlaub, ob sie heute dabei ist, ist ungewiss) vorlegen.

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(Lie)

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