Wienerwald-Mordfall

16. Juli 2012 16:26; Akt: 16.07.2012 16:46 Print

"Wucherzinsen" kosteten Autohändler das Leben

Den Autohändler Milos N., dessen zerstückelte Leiche am 7. Juli am Wienerwaldsee bei Tullnerbach (Bezirk Wien-Umgebung) gefunden wurde, dürften hohe Zinsen, die er einem Gläubiger abverlangt hatte, das Leben gekostet haben.

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Der 55-Jährige hatte seinem Bekannten Zika M. (39) einen fünfstelligen Geldbetrag geborgt. "Er hat dafür Wucherzinsen verlangt, die mein Mandant nicht zurückzahlen konnte", berichtete Rudolf Mayer, der Verteidiger des unter Mordverdacht in U-Haft sitzenden Mannes.

Nachdem Milos N. mehrfach und mit Nachdruck sein Geld samt den fälligen Zinsen gefordert hatte, kam es am 2. Juli zu einer persönlichen Begegnung zwischen Gläubiger und Schuldner. Dabei soll Zika M. laut seinem Anwalt bedroht worden sein. "Er hat nach einer Akutbedrohung hingeschlagen", stellte Mayer fest.

Hammer und Messer sichergestellt

Die Tatwaffe - ein Hammer - konnte von der Polizei mittlerweile ebenso sichergestellt werden wie die beiden Messer, mit denen der 39-Jährige die Leiche im Keller seines Wohnhauses in Wien-Penzing zerteilt haben soll. Nachbarn beobachteten, wie der als Hausarbeiter in einem Wiener Spital beschäftigte Mann mit einer Lastenrodel mehrere mit Klebeband fixierte Plastiksäcke aus dem Keller schaffte und wegbrachte.

"Er hat ihn ja nicht bestatten können. Jeder Täter steht vor dem Problem, dass er nicht weiß, wo er mit der Leiche hin soll", erklärte dazu der Rechtsvertreter des Verdächtigen. Das Zerteilen sei "eine Deckungshandlung" gewesen, so Mayer.

Fehlgeschlagener Selbstmordversuch

Nachdem Zika M. die sterblichen Überreste an den Wienerwaldsee verbracht hatte, wollte er sich das Leben nehmen. Er schnitt sich in seinem Auto die Pulsadern auf, allerdings nicht der Länge nach, so dass der von ihm erwünschte Erfolg ausblieb. Schließlich verständigte Zika M. mit seinem Mobiltelefon die Rettung. Aufgrund eines Abschiedsbriefes, den der Familienvater in seinem Auto hinterlassen hatte und der den Einsatzkräften in die Hände fiel, konnte rasch der Bezug zum Schicksal von Milos N. hergestellt werden.

In dem wirren Schreiben erwähnte Zika M. unter anderem das Verbringen der Leichenteile. Damit von der Polizei konfrontiert, soll er noch im Spital ein Tatsachengeständnis abgelegt haben. Seit vergangenem Freitag befindet sich der 39-jährige in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in U-Haft. "Es geht ihm sehr schlecht", bemerkte Verteidiger Mayer, der betonte, dass Geschworene im Rahmen einer Hauptverhandlung zu beurteilen hätte, welches Tötungsdelikt - Mord, Totschlag oder Körperverletzung mit tödlichem Ausgang - bzw. ob eine Notwehrhandlung vorliege.