Sankt Pölten

07. Mai 2018 19:01; Akt: 07.05.2018 18:05 Print

Ferkel bei Kastration gequält: Bauern verurteilt

Wegen Tierquälerei sind drei Angeklagte am Montag in St. Pölten nicht rechtskräftig zu drei Monaten bedingt verurteilt worden.

Trio wegen Tierquälerei am Gericht in Sankt Pölten verurteilt. (Bild: VGT)

Trio wegen Tierquälerei am Gericht in Sankt Pölten verurteilt. (Bild: VGT)

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Die 62-jährige Mutter des Inhabers eines Schweinehaltungsbetriebes und ein Arbeiter wurden schuldig gesprochen, Ferkel durch unerlaubtes Herausreißen des Samenstrangs kastriert zu haben. Für den 37-jährigen Betriebsführer gab es einen Schuldspruch als Beteiligter.

Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hatte - auch mittels Videos und Fotos - auf angebliche Missstände in dem Betrieb aufmerksam gemacht und Anzeige erstattet. Die Ermittlungen zu weiteren Vorwürfen seien eingestellt worden, übrig geblieben sei der prozessgegenständliche Anklagepunkt, hielt der Einzelrichter fest. Die Staatsanwaltschaft legte der 62-Jährigen und dem 47-jährigen Arbeiter zur Last, Ferkel "roh misshandelt" und ihnen "unnötig Qualen zugefügt" zu haben. Der 37-Jährige musste sich wegen Tierquälerei als Beteiligter verantworten.

Trio bekannte sich nicht schuldig

Das Trio bekannte sich nicht schuldig. Gewebe sei "in keinem Fall herausgerissen" worden, meinte der Verteidiger. Der Betriebsführer erläuterte zur praktizierten Vorgangsweise, dass nach Gabe eines Schmerzmittels ein Querschnitt gemacht und die Hoden freilegt worden seien. Daraufhin sei angezogen und der Samenstrang abgerissen worden. Der Sohn hatte den Angaben zufolge seiner Mutter die Methode gezeigt.

Der seit rund drei Jahren im Betrieb beschäftigte Arbeiter aus Ungarn gab laut Übersetzung der Dolmetscherin an, den Samenstrang mit dem Fingernagel abgezwickt und nicht herausgerissen zu haben. Auch nach Vorhalt des Richters, dass auf einem Video eine Abreißbewegung des 47-Jährigen zu sehen sei, blieb der Arbeiter bei seiner Aussage.

Ein Sachverständiger sagte, die Methode mittels Herausreißen sei "eine rohe Misshandlung, weil alternative Methoden zur Verfügung stehen". Es sei ein "nicht notwendiger, sehr starker Schmerz, der auch länger anhält". Bei einem Samenstrang handle es sich "selbstverständlich" um Gewebe, hielt der Gutachter fest.

"Fehler in der Massentierhaltung"

Kastration durch Herausreißen des Samenstrangs sei nicht erlaubt, sagte der Einzelrichter. "Es handelt sich um einen Fehler in der Massentierhaltung", führte er in der Urteilsbegründung aus. Die Schuldsprüche für den Betriebsinhaber und seine Mutter bezogen sich auf den Zeitraum von Mitte 2007 bis Ende November 2017, der Arbeiter wurde wegen Kastrationen seit März 2016 verurteilt.

Mildernd wirkten sich unter anderem die Unbescholtenheit der Angeklagten aus, erschwerend die Vielzahl an Vergehen. In dem Schweinehaltungsbetrieb wurden laut dem Inhaber im vergangenen Jahrzehnt pro Monat 250 bis 300 Ferkel kastriert. Nach Hinweis eines Tierarztes habe man die Methode geändert.

Die Angeklagten erbaten Bedenkzeit, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Damit sind die Urteile nicht rechtskräftig.

(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • franczo am 07.05.2018 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    OHNE NARKOSE

    und kann man denn beiden nicht auch denn Samenstrang Herausreißen ?????

  • Tierliebling am 07.05.2018 21:56 Report Diesen Beitrag melden

    Tiere sind auch Lebewesen

    ich möchte nicht wissen, wie viele Bauern bzw. Tierzüchter ihre Tiere unnötig quälen. das gehört mehr unangemeldet kontrolliert. bei quälen sofort die Tiere abnehmen! Streng bestrafen!

  • beee am 07.05.2018 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    ????? werden die bauern gedeckt?

    so wenig Strafe .... der wirds gleich wieder machen ... "mit dem Fingernagel -....von Hygiene NULL wissen ^^ (vom Leid mal abgesehen)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz A. am 15.05.2018 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schande für Österreich

    Am besten Vegetarier oder noch besser Veganer werden! Wo Nutztiere gehalten werden, gibt's immer Tierquälerei. Leider! Zu Tode werden auch Biolandwirte die Tiere nicht streicheln... schlussendlich steht immer der Schlachthof! Und was sich dort abspielt, spottet jeder Beschreibung!!!!

  • Richard am 09.05.2018 00:08 Report Diesen Beitrag melden

    Das war Damals ganz normal

    Ich gehöre bereits der alten Generation an aber ich muss euch leider sagen das Ferkel kastrieren war immer schon Tiequälerei und das war vor 40 / 50 Jahren eine ganz normale Tätigkeit, das wurde so praktiziert, der Hodensack aufgeschnitten und die Hoden mit einer eigens dafür gemachten Zange abgequetscht, ohne Betäubung, auch vom Tierarzt. Es musste gemacht werden, Jeder wusste es und das war Damals ganz normal !

    • Richard am 09.05.2018 21:34 Report Diesen Beitrag melden

      Es ändert nichts an der Wahrheit

      Und sollten noch so viele Daumen nach unten zeigen es ändert nichts an der Wahrheit, es war damals so, und es wurden Milliarden Ferkel auf diese Weise kastriert. Und bei der Schlachtung von Tieren ist es genauso grausam zugegangen, ich habe einmal zugesehen wie ein Stier geschlachtet wurde. Der Kopf des Tieres wurde mit Stricken, welche durch einbetonierte Eisenringe gefädelt waren, zu Boden gezogen, dann wurde ihm mit einem spezial Hammer der einen Spitz hatte ein Loch in die Stirn geschlagen und dann mit einem spezial 5mm Drahtinstrument durch dieses Loch das Gehirn zerstört, Grauslich !!!

    einklappen einklappen
  • Anna am 08.05.2018 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Bitte macht dem ein Ende Esst keine Tiere Es gibt so feine gesunde Nahrung Der Käufer ist Auftraggeber der Produktion.....

  • Maria Bergmüller am 08.05.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

    Dipl.-Päd.

    Das ist schlimmste Tierquälerei!!! Ich hoffe auf höchstmögliche Strafen für alle Beteiligte dieses Horror-Betriebes!!!

  • Nicole M. am 08.05.2018 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Urteil ein wichtiger Schritt!

    Danke für dieses Urteil und danke für diesen Artikel! Und noch mehr DANKE an die TierschützerInnen, die das überhaupt aufgedeckt haben!! Meiner Meinung nach sollten Betäubungspflicht und Terminbekanntgaben von Kastrationen eingeführt werden, sodass Stichprobenkontrollen möglich werden - welche ja auch so gut wie gar nicht stattfinden in konventionellen Betrieben und von unabhängigen Beamten. Oder gleich jeden "Tierbetrieb" mit fixen Kameras ausstatten!