Nach Todesfall

10. August 2017 19:20; Akt: 10.08.2017 19:39 Print

Rekrut packt aus: So ging es in Kaserne wirklich zu

Nach dem Tod einer Bundesheer-Rekruten in Horn meldet sich nun ein Ex-Soldat der Kaserne zu Wort. Er berichtet über systematisches Quälen.

Ein Ex-Rekrut wirft Ausbildern systematisches Quälen vor. (Bild: Bundesheer)

Ein Ex-Rekrut wirft Ausbildern systematisches Quälen vor. (Bild: Bundesheer)

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Besonders auf unsportliche Präsenzdiener hätten es die Ausbilder der Horner Kaserne abgesehen, berichtet ein ehemaliger Rekrut, der anonym bleiben will, gegenüber dem "ORF": "Die wurden einfach weiter gedrillt von hinten. Die sind irgendwann mal am Ende der Gruppe gestanden und wurden weiter angeschrien, teilweise auch beschimpft, sie sollen weitermachen. Solange man noch Zeit zum Jammern beziehungsweise Luft zum Jammern hat, kann man auch noch weitermarschieren."

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"Marschieren bis zum Umfallen" sei vorgekommen, wobei der Rekrut betont, dass Zusammengebrochen versorgt wurden. Allerdings hätte die Quälerei System gehabt: "Wenn irgendetwas nicht passt, das Bett ist nicht schön gemacht, nicht sauber rasiert, können schön geschwind einmal Liegestütze hageln", wird er Mann zitiert. Zwölf-Kilometer-Märsche mit 30 Kilo Gepäck und danach Liegestützen habe man gefordert.

"Keiner hat sich was sagen getraut"

Da viele der Praktiken eigentlich streng verboten werden, stellt sich die Frage, warum sie nie publik wurden. Das erklärt der Rekrut so: "Wir hatten den Fall, dass die Beschwerdekommission sogar bei uns in Horn war. Für mich hat es aber so gewirkt, als würden sie einfach nur ein Hakerl machen wollen. Da sind zwei nette Herren herein gekommen, schön gekleidet, haben einmal groß in die Runde gefragt, ob es eh allen gut geht, natürlich vor den Ausbildnern. Und logischerweise hat sich keiner etwas sagen getraut."

Eines hält der Rekrut aber fest, nämlich, dass es in Horn auch gute Ausbilder gegeben habe, die Soldaten gefordert, aber nicht überfordert hätten. Allerdings aber auch andere, die "das rein des Quälens willen" gemacht hätten: "Denen gefällt es einfach, einen Schwachen in der ABC-Maske durchs Laub robben zu lassen, bis sich der fast nicht mehr rührt." Im Fall des toten Soldaten laufen die Untersuchungen indes weiter. Konsequenzen gibt es derzeit keine. Die Ausbilder arbeiten weiter mit den Horner Rekruten.

(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Carmen am 10.08.2017 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sadisten

    Perverse Sadisten....mehr kann ich nicht sagen. Der junge Bursch hat mit dem Leben bezahlt, weil ein paar A.......... sich wichtig vorkommen. Hoffe die bekommen eine gerechte Strafe.

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  • ippi_opa am 10.08.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jedes Leben zählt

    Warum packen nicht mehr Rekruten aus, oder würde dann zu viel aufgedeckt werden. Der tot des 19 jährigen soll auf jeden Fall nicht unnötig gewesen sein.

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  • Ausmisten den Stall am 10.08.2017 21:03 Report Diesen Beitrag melden

    Warum kommt mir die Story so bekannt vor?

    Komisch, fast genau diese Story bestätigt meine Beobachtungen die ich zu meiner Zeit beim BH mitbekommen habe... Was für ein Zufall...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudio Warhanek am 15.08.2017 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Tod bei der Garde

    Ja ich war ebenfalls 1990/91 bei der Garde dort kam es immer wieder zu Zwischenfällen wegen übertriebener Härte bei der Ausbildung, daher wundert es mich auch nicht besonders das es wieder einmal einen Todesfall bei der Garde wegen völlig übertriebenen Drillmethoden gab. Die Gardek-Ausbildner sind ja seit Jahren bekannt für deren übertriebene Schleiferei und keiner hat was bis heute dort verändert, zuviel Vitamin P durch diverse Politiker. Paradebeispiel ist dieser Vizeleutnant Eismayer und seine abgerichteten Ausbilder WauWaus

  • Michael Hromadka am 15.08.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    jaja die Garde

    Ich war 1991 bei der Garde und dort waren schon damals völlig durchgeknallte und perverse Bundesheerschleifer, einer der bekanntesten war dieser vizeleutnant Eismmayer der sich seine jungen Korporäle und Wachtmeister in seinem verrückten Tun angezüchtet hat. Damals schon hat er und seine Gardekasperln unverhältnismäßig "geschliffen" und was man so hörte war Eismayer schuld an dem Tod eines herzkranken Wehrbugl den er unter der kalten Dusche Liegestütze machen hat lassen, passiert ist dem Eismayer nichts denn immer gab es Politiker die ihre schützende Hand über ihn gehalten haben.

  • Rekrut Leimbeidl am 11.08.2017 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schule fürs Leben

    Ach schwachsinn. Mein Präsenzdienst ist erst 5 Jahre her. Körperliche Strafen sind mittlerweile offiziell verboten. (Natürlich gibt es sie nach wie vor) Man wird halt an seine Grenzen getrieben, und genauso sollte es auch sein. Wer ned sudert und sich zammreisst, muss nich ganz so viel ertragen und hat am Ende eine Erfahrung fürs Leben gemacht. Natürlich sind viele der Ausbilder Präpotente Arschlöcher, aber die gibt es überall auf der Welt. Beim Heer wird man bestens darauf vorbereitet. Wer das übersteht hat kein Problem mehr mit dem Arschloch-Chef später im Büro.

  • Wolfi am 11.08.2017 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Normaler Zwischenfall?

    Tja da haben einige Zivilversager wieder ihre Komplexe an normalen Menschen auslassen dürfen. Wahrscheinlich schön verkatert vom letzten Vollrausch in der UO Messe und total angefressen von der Tatsache dass sie einen Kopf kleiner sind als ihre Auszubildenden. Hab in meiner Zeit als GWD nie kapiert was solche Märsche und Alarmpackübungen bringen sollen ausser Schikane. Dann noch die merkwürdige Anrede dazu kann einem schon zu denken geben. Aber solche Uo beim BH sind da besser aufgehoben denn sonst würde das AMS mit denen überschnappen . Liebe Ausbilder wir sind stolz auf euch!

  • Hongge am 11.08.2017 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert es schon?

    Wundert mich nicht, Von dem 1. Bis zum Abrüsttag sind Schikanen an der Tagesordnung, sinnloser Dienstapparat wo man auf Anrede und untertänige Details achten muss, normale Kommunikation wird einem abgewöhnt . Dann noch die Alkoholkranken OVTs bei denen man Wache schieben muss und sogar seinen Toilettengang anmelden muss. Sinnlose Sachen bei der Grundausbildung kennen sowieso alle. Und das Beste zum Schluss: wenn man sich immer wieder von einem 150 cm Sitzriesen mit Zivilkomplex zur Sau machen lassen muss, weil er es ja sonst zu nichts gebracht hat. Gratuliere

    • MarkusM am 11.08.2017 22:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hongge

      Sehr gut formuliert, gefällt mir. Deckt sich ziemlich genau mit meinen Eindrücken. Ich habe noch ca. 5 Jahre danach manchmal geträumt, dass ich noch immer in diesem Gefängnis wäre.......

    • no name am 13.08.2017 00:02 Report Diesen Beitrag melden

      privat

      genau so auch in byrstenkaserne

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