Bedingte Haftstrafen

08. Mai 2018 22:10; Akt: 08.05.2018 23:58 Print

Tausende Ferkel gequält: Kritik für "mildes Urteil"

Nach versteckten Kameraaufnahmen wurden drei Bauern in St. Pölten vor Gericht zu bedingten Haftstrafen verurteilt. Dem VGT sind die Strafen zu milde.

Versteckte Aufnahme vom Stall bei St. Pölten. (Bild: VGT)

Versteckte Aufnahme vom Stall bei St. Pölten. (Bild: VGT)

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Im Herbst 2017 montierten Tierschutz-Aktivisten versteckte Kameras in einer Schweine-Tierfabrik nahe St. Pölten. Der VGT (Verein gegen Tierfabriken) veröffentlichte die grausamen Aufnahmen und erstattete Anzeige. Am Landesgericht St. Pölten wurden nun die Bauern wegen Tierquälerei verurteilt.

Die 62-jährige Mutter des Inhabers eines Schweinehaltungsbetriebes und ein Arbeiter (47) wurden schuldig gesprochen, Ferkel durch unerlaubtes Herausreißen des Samenstrangs kastriert zu haben. Für den 37-jährigen Betriebsführer (der Sohn der Bäuerin) gab es einen Schuldspruch als Beteiligter – das Trio wurde nicht rechtskräftig zu je drei Monaten bedingter Haft verurteilt ("Heute" berichtete).

Tierquälerische Kastration von Baby-Ferkeln

In der Schweinezucht ist es üblich (und legal), dass den kleinen männlichen Babyferkeln die Hoden ohne Narkose mit einem Messer herausgeschnitten werden. Es ist auch legal, den Samenstrang mit einer Schere durchzuschneiden. Absolut verboten - weil noch schmerzhafter - ist das Herausreißen der Hoden. "Doch genau das praktizierten niederösterreichische Schweinebauern möglicherweise sogar jahrzehntelang!", heißt es in einer Aussendung des VGT.

Tausende Ferkel gequält

"Laut eigenen Aussagen wurden alleine in den letzten 10 Jahren 36.000 Baby-Ferkel auf diese grausame Art kastriert", heißt es weiter. David Richter vom VGT: "Diese Tierquälerei blieb bis November 2017 unentdeckt. Kein Amtstierarzt hat diese fürchterliche Praxis abgestellt, kein Betriebstierarzt hat sich darum gekümmert, keine landwirtschaftliche Organisation hat es geschafft, dieses sinnlose Tierleid abzustellen. Allein engagierten Journalisten, die versteckte Kameras montiert haben, ist es zu verdanken, dass zumindest diese Quälerei ein Ende hat! Wir danken diesen mutigen Menschen von ganzem Herzen, die dieses Verbrechen ans Licht der Öffentlichkeit gebracht haben! Ohne Aufnahmen wie diese ist es leider nicht möglich, solche Tierquälereien aufzuzeigen und einzustellen."

Verurteilungen selten

"Für das Quälen von zehntausenden Tieren sind 3 Monate bedingt beinahe ein Hohn - trotzdem sind wir erleichtert, dass es, im Gegensatz zu anderen Fällen, zu einem Verfahren und dieser Verurteilung gekommen ist! Wir hoffen, dass die Politik, landwirtschaftliche Interessensgruppen und auch Kontrollinstanzen im Bezug auf die Kastration nicht weiter die Augen verschließen, sondern Tierquälerei aufdecken und verfolgen!" sagt David Richter.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karineva am 08.05.2018 22:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ich werde nie verstehen

    wie Menschen so grausam sein können. Offensichtlich sind die Tierärzte LANDESWEIT nur am schnellen Geld und an Stammkunden interessiert. Die gehören mit verurteilt und dem Amtstierarzt die fristlose Entlassung auf den Tisch geknallt.

  • Aber gerecht am 09.05.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Streng

    Genau das selbe sollte man mit denen machen in der Öffentlichkeit.

  • Merowinger am 09.05.2018 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit, das Urteil!

    Viel zu milde! Man sollte dasselbe bei den Tätern machen und sie fragen, ob es ihnen gefallen hat!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Christa muehlbauer am 05.06.2018 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Der tierschützer oder an tierheime auch eine sinnv

    Was soll das Urteil?! Das ist mit einem Freispruch gleichzusetzem!! Da wird niemand bestraft,!! Da hätte jemand die volle Verantwortung übernehmen müssen und mindestens ein Jahr einsitzen müssen. Ausserdem währe eine angemessene Geldstrafe zu gunsten

  • Pat Lena am 12.05.2018 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Bauern sind und bleiben- bis auf wenige Ausnahmen - rohe, gefühlskalte, derbe Menschen! Ekelhaft, was zu was die imstande sind!

  • Antonietta/Tumminello am 10.05.2018 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Klimakiller Nr. 1

    Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

  • Katrin wahner am 10.05.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Emphatieloses Monster und berufsverfehlung

    Diesem Bauern gehören ohne Betäubung die Hoden herausgerissen, das wär die einzig gerechte Strafe!

  • gisela becker am 10.05.2018 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    tierquälerei

    gut das es solche reporter und hinter die nulissen sehende mutige menschen gibt! danke!