Wirbel um Wiener Airport

10. Februar 2017 17:32; Akt: 19.03.2017 16:16 Print

Unverständnis über Verbot von dritter Flughafen-Piste

Am Tag nach Bekanntgabe der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts gegen den Bau einer dritten Start- und Landepiste am Flughafen Wien-Schwechat üben Vertreter aus Wirtschaft, Industrie und Tourismus schwere Kritik. Der Flughafen hatte schon am Donnerstag angekündigt, vor den Verwaltungsgerichtshof zu gehen.

 (Bild: Flughafen Wien AG/Roman Boensch)

(Bild: Flughafen Wien AG/Roman Boensch)

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Am Tag nach Bekanntgabe der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts üben Vertreter aus Wirtschaft, Industrie und Tourismus schwere Kritik. Der Flughafen hatte schon am Donnerstag angekündigt, vor den Verwaltungsgerichtshof zu gehen.


"Die Entscheidung hat schwerwiegende negative Folgen für den Wirtschafts-, Tourismus- und Beschäftigungsstandort Wien und Österreich. Die rechtliche Argumentation des Gerichts erscheint fragwürdig", betont Stephan Schwarzer, Leiter der umweltpolitischen Abteilung in der WKÖ.

Ein "direkter Zusammenhang zwischen dem Investitionsvorhaben und den Auswirkungen des Klimawandels" sei nicht argumentierbar. "Selbst wenn es Mehremissionen durch den Flughafenausbau gäbe - was gar nicht der Fall ist -, kann der Schluss nicht sein, dass Flughafenprojekte generell zu untersagen sind," kritisiert Schwarzer.

Es sei absurd, einem Flughafen die Erweiterung zu verbieten, obwohl er weltweit nur einen Bruchteil der Emissionen stellt. Auf diese Weise werde nur ein Ausweichverhalten auf nahegelegene Flughäfen im Ausland bewirkt, das die Treibhausgasemissionen sogar noch erhöhe.

Tourismus-Obmann der WK Wien entsetzt

Auch Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Wirtschaftskammer Wien, ist entsetzt. "Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, ist die dritte Piste am Flughafen Wien unabdingbar", so Grießler. Er verweist darauf, dass laut den Zielen der von Stadt Wien und Wien Tourismus definierten Tourismusstrategie 2020 die Nächtigungszahlen in den nächsten drei Jahren auf 18 Millionen anwachsen sollen.

Der Airport habe geeignete Pläne zur Reduktion der Treibhausgasemissionen wie die die Installation von Solar- bzw. Photovoltaik-Anlagen und die Umstellung der Wagenflotte auf Elektro-Autos vorgelegt.

Kritik auch an IV, Gewerkschaft und Wirtschaftsbund

Auch von Christoph Neumayer, Generalsekretär der  Industriellenvereinigung, ("in keiner Weise nachvollziehbar", Gewerkschaft vida ("Schwerer Schlag für Jobmotor Flughafen") und Wirtschaftsbund ("standortschädlich und kontraproduktiv") kam Kritik.

Freude bei FPÖ und Grünen

Die FPÖ Wien hingegen freute sich über die Entscheidung. Man habe viele Jahre gegen den Bau gekämpft und seit über das Nein "natürlich hoch erfreut", sagte Stadtrat Toni Mahdalik. "Die 3. Piste hätte bis zu 460.000 Flugbewegungen möglich gemacht und weit über 300.000 betroffenen Menschen in Wien eine Potenzierung des gesundheitsschädlichen Fluglärms beschert".

"Sehr zufrieden" mit der mutigen und richtungsweisenden Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes zur dritten Piste in Wien-Schwechat war auch der Grüne Verkehrssprecher Georg Willi: "Die Abwägung öffentlicher Interessen hat in diesem sehr prominenten Fall endlich zur Anerkennung des Klimaschutzes und der rechtlichen Verpflichtungen aus den Klimaschutz-Regeln geführt. Dem Flughafen wurden jetzt einmal die Flügel gestutzt."