Bericht der Anwältin

19. Mai 2017 19:46; Akt: 20.05.2017 12:47 Print

Tod nach Infarkt bei Arzt: So verlief die Tragödie

Für Diskussion hat der Artikel über Erich S. (57) gesorgt – so lief die Tragödie aus Sicht der Witwe ab. Anwältin Karin Prutsch vertritt sie.

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Die Witwe ist sicher: Hätte der Arzt beatmet, würde Erich S. noch leben. Hier der exakte Bericht der Anwältin Karin Prutsch: Aus dem Notarzteinsatzprotokoll ergibt sich, dass Erich S. in der Ordination des Arztes einen Herzinfarkt und in der Folge einen Herzstillstand erlitt.

Im LKH Bruck an der Mur wurde bei Erich S. ein Hinterwandinfarkt diagnostiziert. Es wurden drei Stents gesetzt und Erich S. auf die Intensivstation verbracht, wobei den Angehörigen mitgeteilt wurde, dass es bei Erich S. zu einer massiven Hirnschädigung gekommen sei, aufgrund einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Das Herz von Erich S. war nach der operativen Stent-Legung funktionsfähig, jedoch verstarb Erich S. fünf Tage später am 15.08.2015 im LKH Bruck an der Mur an Hirntod aufgrund der Sauerstoffunterversorgung des Gehirns.

Sauerstoffunterversorgung

Es wurde eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Leoben verfasst, das Strafverfahren gegen den Arzt jedoch eingestellt. Nunmehr ist ein Zivilverfahren anhängig (Anm.: geht im Juli 2017 in die 4. Runde), wobei die Witwe von Erich S. zusammengefasst zum Vorwurf macht, dass die Reanimationsmaßnahmen bei Herzinfarkt im Untersuchungszimmer des Arztes völlig unzureichend waren und es zu einer Sauerstoffunterversorgung im Rahmen der Erstversorgung durch den niedergelassenen Arzt gekommen ist, wodurch es zum tragischen Ablegen von Erich S. kam.

Nunmehr wurde im Zivilverfahren ein Gutachten aus dem Fachbereich Intensivmedizin eingeholt. Der Sachverständige führt darin aus, dass als Mindeststandard von einem durchschnittlich sorgfältig handelnden Allgemeinmediziner zu fordern ist, dass ein Kreislaufstillstand unverzüglich erkannt und die Beatmung und Herzmassage effizient und ohne Unterbrechung durchgeführt wird. Dies sei nach Ansicht des Sachverständigen nicht erfolgt, sodass Erich S. an den Folgen der unrichtigen und insuffizienten Behandlung irreversibel an seiner Gehirnfunktion geschädigt wurde und an diesen Folgen verstarb.

Es wird gerichtlich die Übernahme der Beerdigungskosten gefordert, Schmerzengeld für den Verstorbenen in der Höhe von € 5.000 und Trauer- schmerzengeld für die Witwe in der Höhe von € 18.000. Noch vor der nächsten Verhandlung im Juli 2017 werden weitere Ansprüche der Höhe nach geltend gemacht.

Witwe erhebt schwere Vorwürfe

Für die Hinterbliebenen ist es nicht nachvollziehbar, warum ein Arzt für Allgemeinmedizin notwendige Reanimationsmaßnahmen, insbesondere eine notwendige Sauerstoffversorgung unterlässt, wenn sein Patient vor seinen Augen einen Herzinfarkt erleidet. Genau diese Situation hätte nach Ansicht der Witwe für Erich S. lebensrettend sein sollen, da bekannterweise bei einem Herzinfarkt und sofortigen Reanimationsmaßnahmen sehr gute Überlebenschancen bestehen und nur bei Unterlassen dieser Maßnahmen eine Gehirnschädigung eintritt. Erich S. war im Gesicht blau (zyanotisch) angelaufen als Rettungssanitäter und Notarzt eintrafen. Wäre eine Sauerstoffversorgung erfolgt, wäre der Patient keinesfalls zyanotisch vorgefunden worden.

Wie sich aus den medizinischen Unterlagen ergibt, ist die Operation am Herzen gut verlaufen und hätte Erich S. nach Stentsetzung weiterleben können, wäre nicht sein Gehirn durch die Sauerstoffunterversorgung irreversibel geschaedigt worden.
Und: Erich S. war Nichtraucher, trank nur selten Alkohol, war nicht übergewichtig – die Witwe ist seit dem Ableben ihres Gatten gebrochen.

(Lie)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.W. am 21.05.2017 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    unterlassene erste Hilfeleistung

    unterlassene erste Hilfe Leistung von einem Arzt sollt höher besraft werden. Dies ist in seiner Ordination geschehen das verschärft alles noch. Der Mann, der auf den Fotos zu sehen ist, hat Übergewicht.

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.W. am 21.05.2017 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    unterlassene erste Hilfeleistung

    unterlassene erste Hilfe Leistung von einem Arzt sollt höher besraft werden. Dies ist in seiner Ordination geschehen das verschärft alles noch. Der Mann, der auf den Fotos zu sehen ist, hat Übergewicht.