Heftiges Gewitter

20. Juni 2012 09:16; Akt: 21.06.2012 17:00 Print

Unwetter wütet weiter: Bahnstrecke gesperrt

Am Mittwoch sind die Temperaturen über 36 Grad geklettert. Damit war es so heiß, wie an bisherigen Junirekordtagen! Das hat seinen Preis: Bereits am frühen Nachmittag gingen erste Gewitter nieder, am Abend bis in die Nacht zeigte das Unwetter über ganz Österreich seine verheerende Kraft.

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Die Aufräumarbeiten dauerten teils bis Donnerstag an.

Unwetter wütet weiter

Schwere Unwetter, die Donnerstagnachmittag über Teile der Obersteiermark zogen, haben die Schoberpass-Bahnstrecke im Bereich Wald (Bezirk Leoben) an mehreren Stellen überflutet. Außerdem sind vom Sturm umgeworfene Bäume auf die Gleise gestürzt, wie ein Sprecher der ÖBB mitteilte. Die Strecke musste auf unbestimmte Zeit gesperrt werden.

Die Sperre wurde gegen 16.15 Uhr veranlasst. Zwischen Wald und Selzthal wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Laut ÖBB Sprecher Christoph Posch sei nicht absehbar, bis wann der Streckenabschnitt wieder befahrbar sein wird.

Erst am vergangenen Sonntag war auf der gleichen Strecke etwas nördlich in St. Lorenzen (Bezirk Liezen) ein Schnellzug entgleist, weil eine Mure nach einem Gewitter den Gleiskörper verschüttet hatte. Elf Personen waren verletzt worden, der Schaden wurde von den ÖBB mit rund fünf Millionen Euro beziffert. An der Reparatur wird noch gearbeitet.

Bilanz der Nacht

Im südlichen Niederösterreich sind am Mittwochabend schwere Unwetter niedergegangen. 16 Feuerwehren standen mit 200 Mann im Bezirk Neunkirchen im Einsatz, um u.a. überflutete Keller auszupumpen und Murenabgänge zu beseitigen. Gleichzeitig mussten in Gutenstein im Bezirk Wiener Neustadt acht Feuerwehren zur Bekämpfung eines Waldbrandes ausrücken, der gegen 17.45 Uhr durch Blitzschlag ausgelöst wurde - Regen fiel in Gutenstein nicht.

+++ Oberösterreicher durch Wassermassen in eigenem Keller gefangen +++

Im Bezirk Neunkirchen wurde die B27 zwischen Gloggnitz und Payerbach gesperrt. Grund waren Hangrutsche bei einer Baustelle für den Semmeringbasistunnel. Entlang der Schwarza wurden alle Wehranlagen geöffnet, um das Brücken bedrohende Treibgut abfließen zu lassen. Laut Resperger gab es etwa 50 Schadensstellen im Bezirk. Im Waldviertel richteten die Regenfälle kaum Schäden an.

1.562 Feuerwehrleute in Salzburg im Einsatz

Gewitter mit heftigen Regenfällen und starkem Wind haben Mittwoch vom späten Nachmittag an die Feuerwehren  auf Trab gehalten. Sie waren vorwiegend mit Abpumparbeiten beschäftigt: Keller und Unterführungen waren überflutet, Wiesen überschwemmt. Die stärksten Niederschläge gab es im Norden des Landes. Zwischen Thalgau und Mondsee fielen innerhalb weniger Stunden 74 Liter Regen pro Quadratmeter.

1.562 Feuerwehrleute arbeiteten bis nach Mitternacht 651 Einsätze ab. Binnen weniger Stunden fielen bis zu 74 Liter Regen pro Quadratmeter, was laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Salzburg (ZAMG) nur alle paar Jahre vorkommt.

In Seekirchen (Flachgau) wurde ein Baum von einem Blitz getroffen, es entfachte sich ein kleiner Brand. Nördlich des Pass Lueg, also im Flachgau, Tennengau und in der Stadt Salzburg, blieb praktisch kaum eine Gemeinde von Überschwemmungen verschont. Vor allem Keller und Unterführungen standen unter Wasser, die von den Hilfskräften ausgepumpt wurden. In der Landeshauptstadt, in Koppl und Plainfeld lösten die Regenfälle auch Murenabgänge aus. Und in Seekirchen wurde ein Baum von einem Blitz getroffen und begann zu brennen, es bestand die Gefahr, dass er umstürzte.

In Straßwalchen trat der Hainbach über die Ufer und setzte ein Sägewerk unter Wasser, wodurch mehrere gelagerte Baumstämme abgetrieben wurden und teilweise auch in den Hainbach gelangten. Daher bestand die Gefahr von Verklausungen bei Brücken. Mitarbeiter des Werkes versuchten, die Stämme mit Kränen aus dem Wasser zu fischen.

In der Landeshauptstadt wurden Berufs- und Freiwillige Feuerwehr zu 168 Einsätzen gerufen. Hier waren vor allem die Stadtteile Langwied, Sam, Gnigl, Aigen und Parsch betroffen. 155 Helfer mit 32 Fahrzeugen standen im Einsatz.

3.700  Mann in OÖ im Einsatz

In Oberösterreich war das Innviertel von den Unwettern besonders stark betroffen. Drei Menschen mussten von der Feuerwehr aus den Wassermassen gerettet werden. Insgesamt waren 200 Feuerwehren mit über 3.700 Mann im Einsatz.

Steiermark: Unwetter im Bezirk Mürzzuschlag

Heftige Unwetter sind Mittwochabend über dem Bezirk Mürzzuschlag niedergegangen. Straßen und Keller wurden überflutet, auch Hagel und Sturm richteten massive Schäden an. Die Feuerwehren waren im Großeinsatz. Durch die intensiven Regenfälle, mit 78 Liter Regen pro Quadratmeter, wurden Keller überflutet, aber auch Hagel und Sturm richteten Schäden an. Der Stanzbach trat laut Feuerwehr über die Ufer, eine Brücke wurde weggerissen, zwei sind derzeit nicht befahrbar. Mehrere Straßen mussten wegen Überflutungen oder Vermurungen gesperrt werden, darunter die Semmeringschnellstraße (S6) bei Mürzzuschlag sowie die Schanzsattelstraße (L114) bei Stanz.

Ein kurzes, aber heftiges Gewitter führte am Dienstag zu zahlreichen Murenabgängen im Bezirk Murtal.

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Mit 36 Grad Celsius war Bad Deutsch-Altenburg (Niederösterreich) Mittwoch der Hitzepol Österreichs. Platz zwei ging an Andau (Burgenland), wo laut ZAMG 35.3 Grad gemessen wurden. Ebenfalls auf das Stockerl schaffte es die Wiener Innenstadt mit 35,2 Grad.

Muren und Überflutungen

Durch die in Summe großen Regenmengen steigt die Gefahr von Muren oder Überflutungen mit Dauer des Gewitterregens. Vor allem kleinere Bäche können sehr rasch ansteigen und über die Ufer treten. Verkehrsbehinderungen sind zu befürchten. Sturm- und leichte Hagelschäden sind möglich, Blitzeinschläge können zu Stromausfällen führen.

Warnungen gibt es laut Unwetterzentrale auch für die steirischen Bezirke Leoben und Murtal, sowie die Tiroler Bezirke Innsbruck und Schwaz.

Hitzealarm in der Steiermark

Das Land Steiermark löste heute erstmals Hitzealarm aus, ein Steuerungsinstrument für das Gesundheitswesen. Deuten die Prognosen nämlich darauf hin, dass an mindestens drei Tagen in Folge 27 Grad Celsius und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit überschritten werden, ist Vorsorge zu treffen. Bei Hitzealarm ergeht an Spitäler, Einsatzorganisationen, Kindergärten, Schulen oder Heime die Anordnung, sich auf ein verstärktes Aufkommen von Patienten einzustellen und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Auf der Alarmliste des Landes stehen insgesamt 1600 Institutionen.

Im Großraum Wien verzeichnet die derzeit rund 40 Prozent mehr Einsätze als noch vor einer Woche. Österreichweit rücken die Gelben Engel bei Temperaturen über 30 Grad um gut ein Viertel häufiger aus, als an durchschnittlichen Tagen.

Verbogene Geleise in Salzburg

In Salzburg machte die Hitze vor allem dem Bahnverkehr zu schaffen. Durch die starken Sonnenstrahlen verbogen sich Geleise, einige Bahngarnituren streikten wegen der sengenden Hitze.

Gewitter auch am Donnerstag

Nach den heftigen Gewittern der Nacht wird sich das Wetter in der Früh beruhigen. In ganz Österreich wird es unter Tags sonnig und wieder hochsommerlich warm bis heiß. Auch der anfangs recht lebhafte Wind zwischen St. Pölten und Eisenstadt lässt bald nach. Am Nachmittag bilden sich allmählich im Bergland Quellwolken und nachfolgend einzelne Gewitter. Häufiger werden die Gewitter am Abend in Vorarlberg, Tirol und Salzburg. In der Nacht auf Freitag breiten sich die Gewitter auf den Großteil Österreichs aus und können wieder heftig ausfallen. Die höchsten Temperaturen liegen zwischen 26 und 33 Grad, in 2000m bei knapp 20 Grad.

Wochenende wird warm

Am Freitag dürften die Regenschauer in der ersten Tageshälfte vor allem den Bereich von Salzburg bis ins Burgenland betreffen, am Nachmittag dann speziell Tirol bis Kärnten. Die Unwettergefahr ist aber weitgehend gebannt, denn die große Hitze ist vorbei. Mit lebhaftem Nordwestwind erreichen die Temperaturen meist 20 bis 28 Grad, nur im Süden sind noch 30 Grad möglich. In 2000m von Nord nach Süd 9 bis 16 Grad.

Am Samstag wechseln Sonne und Wolken in weiten Teilen Österreichs. Am meisten Sonnenschein gibt es im Flachland Ober- und Niederösterreichs, in Wien und im Burgenland. Der eine oder andere Regenschauer oder ein kurzes Gewitter bildet sich vor allem in Tirol, Salzburg und Oberkärnten. Höchstwerte: 20 bis 28 Grad.


Am Sonntag warm und wiederum teils sonnig, teils bewölkt. Der Tag beginnt trocken, am Nachmittag und Abend entstehen dann einige Regenschauer und Gewitter, vor allem im Bergland. Höchstwerte: 20 bis 28 Grad, im Osten mit der meisten Sonne bis zu 30 Grad.

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