Ausbeuterei

13. Juli 2017 05:35; Akt: 13.07.2017 08:01 Print

Aktion scharf in Flüchtlings-Hotel

von Gerda Mackerle - In einem Hotel in Favoriten wohnen Flüchtlinge – um teures Geld. Vier Personen teilen sich ein Zimmer um 480 €.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mittwoch, 8.30 Uhr: In einem Hotel in der Laxenburger Straße ist es noch ruhig. Dann startet die "Gruppe Sofortmaßnahmen" mit einer "Aktion Scharf" – "Heute" ist mit dabei. Gemeinsam mit Polizei, Baupolizei (MA 37), Marktservice und der für Betriebsanlagen zuständigen MA 36 startet der Kontrollgang.

Das Hotel hat mehrere Stockwerke, gleich zu Beginn stoßen die Kontrollore auf ein notdürftig eingerichtetes Zimmer im Erdgeschoß: Drei junge Männer liegen auf ihren Betten, gleich nebenan befindet sich ein kleiner Hof und ein – mittlerweile geschlossenes – Lokal. Seit zwei Tagen seien sie da, erzählen die Männer aus dem Irak in gebrochenem Deutsch der Polizei. Wie viel sie für das eher desolate Zimmer zahlen, wollen sie nicht sagen. Zwei der Männer nimmt die Polizei zu einer Identitätsfeststellung mit – sie dürfen dann wieder gehen.

Küche behördlich geschlossen

In der angeschlossenen Küche riecht es muffig und feucht. Das Gastgewerbe darf schon seit längerem nicht mehr betrieben werden, wurde behördlich geschlossen. In der Tiefkühltruhe liegen Fleisch, Fisch und Co. übereinander. Dann geht es weiter, über die Treppe in die oberen Stockwerke. Kabel hängen von der Decke, zum Teil sind die Wände offen, Leitungen sichtbar. 17 von 33 Zimmern sind laut dem Portier vermietet.

480 Euro für ein Zimmer

Eine Familie öffnet die Tür. Das Paar aus Afghanistan lebt mit seinen beiden Kindern hier. Das Zuhause der Jung-Familie: Ein Zimmer mit drei Matratzen am Boden."Wir wohnen seit zwei Wochen hier, zahlen 480 Euro pro Monat", sagt der Familienvater. "Davor haben wir in der Maroltingergasse gewohnt. Uns wurde gesagt, dass wir wieder dorthin zurück können." In dem Haus in Ottakring gibt es seit vergangener Woche keinen Strom mehr, der Vermieter hat einige der Bewohner jetzt in diesem Hotel in Favoriten untergebracht.

Die Kontrollore der "Gruppe Sofortmaßnahmen" klopfen an die nächste Tür, verschlafen öffnet ein junger Mann. Im Zimmer: Zwei Sofas, insgesamt vier Männer aus Afghanistan, die zum Teil am Boden geschlafen haben. In einem weiteren Hotelzimmer wohnen zwei junge Männer aus dem Irak. "Wir zahlen 300 Euro", sagt einer von ihnen.
Interessant: Neben Flüchtlingen wohnen auch Touristen und einige Österreicher in den Zimmern und Klein-Wohnungen des Favoritner Hotels.

Der Pächter des Hotels in kein Unbekannter: Ali Hamed Shikrhie ist auch Mieter des – innen desolaten Hauses in der Maroltingergasse. Das Hotel in der Favoritner Laxenburger Straße führt er nach einem ähnlichen Muster. Das Hotel ist von ihm gepachtet, die – eher schäbigen – Zimmer werden teuer weitervermietet, zu einem Teil an Flüchtlinge. Die Strategie verfolgt Shikrhie schon länger. In seinen früheren Absteigen sollen zwischen 250 und 300 Euro pro Bett (!) bezahlt worden sein, hört man.

"Die Ärmsten der Armen werden ausgebeutet"

"Hier werden die Ärmsten der Armen ausgebeutet", sagt Walter Hillerer, Gruppenleiter der Gruppe "Sofortmaßnahmen und Stadtservice". Das Hotel wurde bereits mehrmals überprüft. Eine solche Vorgangsweise sei in Wien "eher die Ausnahme", sagt Hillerer. Und: "Für die Wohnungen werden verhältnismäßig hohe Mieten verlangt. Die 'Gruppe Sofortmaßnahmen' vernetzt, um Ausbeutung entgegenzuwirken."


Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tomasz am 13.07.2017 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kontrollgang...

    Ok, Kontrollgang bei den Flüchtlingen... Meine Schwiegermutter wohnt in einem Gemeindebau - Schimmel und Leitungen in einer DG Wohnung - Kontrollgang?? Wurde NIE gemacht, reden wir nicht einmal von einer Sanierung. (Zur Klarstellung: Österreicherin, Arbeitet ihr ganzes Leben, keine Straftaten) - Also liebe MA und Polizei, Stadt Wien: Wo bleibt der Kontrollgang für sie und zig tausend andere von unseren Landsleuten.. Bitte auch nicht falsch verstehen - es ist traurig wie die Menschen im 10 Bezirk leben, aber in einem Land wie Österreich sollten alle GLEICH behandelt werden...

    einklappen einklappen
  • Rolf am 13.07.2017 06:34 Report Diesen Beitrag melden

    Da stimmt was nicht

    Wenn man nach Ali Hamed Shikrhie googelt findet man ähnliche Artikel und dass gegen ihn ermittelt wurde. Das bereits im Jahr 2014. Wir schreiben 2017.

    einklappen einklappen
  • Gerlinde am 13.07.2017 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ali

    Ali gehört das Handwerk gelegt, aber wohin mit all den Asylwerbern,.... Aber wenn ich Angst um mein Leben hätte, wäre ich auch damit zufrieden! Habe geglaubt, dass alle Unterkünfte eine Bewilligung seitens der Behörde brauchen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mathilde Bauer am 13.07.2017 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pensionist

    Naja, Vorsicht ist gut, Kontrolle ist besser.Es geht ja um unser Aller Sicherheit

  • WolfgangHeute am 13.07.2017 16:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wohnen wie zuhause?

    Und welcher Herkunft ist der Immobilienhai? Das man legal so viele Unternehmen betreibt ohne aufzufallen?

  • Heinz Warkoweil am 13.07.2017 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Hetze und Skantal gegen Österreicher !!

    Und wer hat sich bei uns darum gekümmert wie unsere Zimmer waren in der Karlskaserne 1967 ?? Keiner ! Da sind ja die ein 5 Sterne Hotel dagegen!!

    • Tarkov am 14.07.2017 01:41 Report Diesen Beitrag melden

      Welche Hetze?

      Inwiefern wird in diesem Artikel gegen Österreicher gehetzt? Und was bedeutet "Skantal"?

    einklappen einklappen
  • Maurus am 13.07.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jammern und randalieren

    Aber nicht arbeiten

  • der realist am 13.07.2017 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hr

    vielleicht gibt es im Irak schimmellose Wohnungen. . wer weis. .

>