Schuss vor Café Blanco

01. März 2018 04:00; Akt: 28.02.2018 21:20 Print

Bringt dieses Foto Mord-Verdächtigem die Freiheit?

Im November urteilten acht Geschworene: Shkelzen D. ist nicht der Killer vom Café Blanco. Heute steht er in Wien erneut unter Mordverdacht vor Gericht.

Shkelzen D. (28) steht heute in Wien vor Gericht. Dieses Foto könnte ihm die Freiheit bringen. (Bild: Helmut Graf,

Shkelzen D. (28) steht heute in Wien vor Gericht. Dieses Foto könnte ihm die Freiheit bringen. (Bild: Helmut Graf, "Heute")

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Ist Shkelzen D. (28) ein Mörder oder „nur“ Hauptdarsteller in einem mörderisch verworrenen Krimi? Letztes Jahr soll er einen Nebenbuhler mit einer Zastava erschossen haben. Nur Minuten nach der Tat stellte er sich der Polizei und sagte: „Ich habe die Scheiße da gerade gemacht auf der Jägerstraße. Ich wollte das nicht.“

Anwälte zerpflückten Anklage

Nach diesem Blitz-Geständnis sind die Ermittlungen offenbar eingeschlafen. Die Anklage – die ein klares Motiv nicht einmal entfernt erahnen ließ –, war so fragil, dass alle (!) Geschworenen den Verdächtigen im November freisprachen. Dennoch setzte der Richtersenat das Urteil aus. Heute steht Shkelzen D. daher in Wien erneut vor Gericht. Seine Anwälte Werner Tomanek und Philipp Wolm haben den Akt in der Zwischenzeit zerpflückt und sind auf einige Kuriositäten gestoßen.

Die Widersprüche im Detail

◙ Der renommierte Ballistikgutachter Ingo Wieser schließt Shelzen D. als Schützen aus.

◙ An den Händen des Verdächtigen wurden keine Schmauchspuren gefunden. Der Einwand, er hätte sich reinigen können, geht ins Leere: Er wurde sofort nach der Bluttat von einem Bekannten mit dem Auto zur Polizei gebracht. Am Wachzimmer Pappenheimgasse gab es keine Waschmöglichkeit in der Arrestzelle. Zudem sind Schmauchspuren auch mit Wasser kaum zu entfern.

◙ Drei Fotos vom Tatort zeigen das Opfer und den mutmaßlichen Schützen. „Ich habe sie per WhatsApp der Frau B. geschickt“, so ein Zeuge. Dennoch nahm die Mordfahnderin sie nicht in den Akt auf. „Das finde ich sehr fragwürdig“, donnert Anwalt Werner Tomanek. Heute vor Gericht legen die beiden Verteidiger das angesprochene Bild (oben) Senat wie Geschworenen vor und stellen den Antrag, es von einem Sachverständigen untersuchen zu lassen. „Größe und Statur entsprechen nicht unserem Zwei-Meter-Mandanten. Das wird ein Experte anhand der Proportionen erkennen.“

"Wir, die trauernde Familie und Freunde von Igor, bitten Sie um Ihre Hilfe. Jeder Hinweis zur Tat kann hilfreich sein" – dieses Plakat sorgt seit knapp zwei Wochen in der Wiener Brigittenau für Aufsehen. Der traurige Hintergrund: Fast genau ein Jahr nach dem Mord auf offener Straße nehmen die Hinterbliebenen von Igor Z. die Ermittlungen offenbar selbst in die Hand. Sie glauben wohl auch nicht, dass mit Shkelzen D. der Richtige angeklagt ist.

Selbst jeder mittelmäßig aufmerksame „Tatort“-Fan hätte sich angesichts dieser Faktenlage wohl gedacht: Deckt Shkelzen D. jemanden? Warum fragte sich die Polizei das nicht?

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(coi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 01.03.2018 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mitbürger

    Ich bin so froh, dass Wien voller tschetschenischer Flüchtlinge ist. Wäre echt schade, wenn uns die Kultur dieser friedfertigen, fleissigen Menschen erspart worden wäre. Danke an die rotgrüne Einheitspartei, dass sie die Rahmenbedingungen für eine stetige Zuwanderung aufrecht erhalten.

  • zimbo am 01.03.2018 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Schmauchspuren

    "Sofort" zur Polizei ?Wird wohl ein Ehrenbürger bestätigt haben.Mord GRATIS, wie das meiste in Wien.Aber wenigstens gibts die Blutrache.

  • zimbo am 01.03.2018 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    So einfach geht Mord in Wien

    Aber immerhinb haben die Tschetschenen die schwarzen Gangs in den Ostteil des 20ten getrieben.Kommen eh jede Menge neue Menschen nach, wird man sich denken.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Marx am 01.03.2018 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörungen

    Gott sei Dank gibt es Andere die Morde klären und nicht "Tatort-Fans" mit Verschwörungstheorien und Fehlinterpretationen. Einseitige Aussagen in Medien, immer von Anwälten der Täter, sind fraglich, denn diese versuchen berufsspezifisch, alle ihre Mandanten als Unschuldslämmer hinzustellen. Wann wurde dieses Bild gemacht, vielleicht sind das lediglich Passanten, denn laut Bericht ist der Schütze sofort in ein Auto gestiegen.

  • gerhard österreicher am 01.03.2018 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    die importierte unterwelt

    den Shkelzen zu lebenslanger haft wegen vorsätzlichem mord verurteilen, wetten das er dann den mund aufmacht? wenn ich als 2 m riese eine Pistole bei einer Auseinandersetzung mit so einem Zwerg benötige, kann etwas nicht stimmen.

  • G.AMlacher am 01.03.2018 09:01 Report Diesen Beitrag melden

    Noch Fragen?

    Nach diesem Bericht steht für mich zumindetens fest das er absichtlich die Polizei auf die falsche Fährte führte und zwar als Mittäter. Und solange er den Schützen deckt sollte er dann auch dessen Strafe bekommen!

    • Stolzer Bürger am 01.03.2018 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G.AMlacher

      und zur beihilfe zum Mord ebenso eine hohe Strafe ausfassen

    einklappen einklappen
  • Günther Prien am 01.03.2018 08:11 Report Diesen Beitrag melden

    Aber sicher doch !

    Alle Ostkriminellen sind unschuldig !

  • Vota am 01.03.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wenns er nicht war...

    Dann wirds wahrscheinlich die Freundin gewesen sein.