Keiner wollte Beute

25. Oktober 2012 06:22; Akt: 25.10.2012 11:10 Print

Gericht gab Bankräuber 63.000 - Beute zurück!

Vor zwei Wochen bekam Anwalt Herbert Eichenseder das innigste Busserl seines Lebens - von Bankräuber Otto N. (63), dem der Verteidiger 63.000 Euro von seiner Beute übergab. Als Geschenk der Justiz. Und Finale einer unglaublichen Geschichte.

 (Bild: Polizei)

(Bild: Polizei)

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Vor zwei Wochen bekam Anwalt Herbert Eichenseder das innigste Busserl seines Lebens – von Bankräuber Otto N. (63), dem der Verteidiger 63.000 Euro von seiner Beute übergab. Als Geschenk der Justiz. Und Finale einer unglaublichen Geschichte.

Im Verteidigerzimmer des Wiener Landesgerichts herrscht gewöhnlich bleierne Stille. Aber Mittwoch gluckste Anwalt-Ikone Herbert Eichenseder im Gespräch mit „Heute“ hörbar amüsiert: „Das ist die verrückteste Geschichte, die ich je erlebt habe.“

Sie begann mit einem Brief der Justiz heuer am 4. Mai: Eichenseder möge ein Konto nennen, damit 63.000 Euro überwiesen werden können. Denn die stünden seinem früheren Mandanten Otto N. (63) zu.

Der Anwalt war baff, als er im Keller den alten Akt fand: 1993 hatte der schwer verschuldete Bankkassier Otto N. zwei Freunde angestiftet, seine „Erste“-Filiale in Wien-Döbling zu überfallen.

Die Täter teilten sich 2,3 Millionen Schilling und reichlich Gold (Münzen und Barren). Sie wurden aber rasch ausgeforscht und ein Teil der Beute sichergestellt.

Beim Prozess übergab Otto N. dem Gericht reuig 63.000 Euro zur Wiedergutmachung des Schadens. Gut verteidigt war er nach dreieinhalb Jahren wieder auf freiem Fuß. Und jetzt holte ihn auch noch die Beute ein. Advokat Eichenseder konnte es nicht glauben und fragte bei der Bank nach.

Antwort: „Der Schaden wurde durch die Versicherung gedeckt.“ Nächste Station: die „Bundesländer“. Antwort der Assekuranz: „Durch den Erlös des Goldes (Kurssteigerung) gibt es keine Ansprüche von uns.“ Am 8. Oktober hat der Anwalt den mittlerweile verzogenen Ex-Räuber gefunden und das Geld übergeben: „Rechtlich ist alles in Ordnung.“

Komisch, nicht wahr?