Obachlose geschlagen?

20. August 2018 12:56; Akt: 20.08.2018 12:56 Print

Misshandlungsvorwürfe gegen zwei Polizeibeamte

Eine Mitarbeiterin der Volkshilfe erhebt schwere Vorwürfe gegen zwei Wiener Polizisten. Die Beamten wurden nur kurz vom Dienst suspendiert.

Symbolbild (Bild: imago stock & people)

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Der Vorfall, über den der "Kurier" am Montag berichtet, soll sich in im Winternotquartier Wien-Nord ereignet haben. Dort alarmierte eine Mitarbeiterin am 22. Februar die Polizei, zwei Beamte machten sich um 04.33 Uhr auf den Weg dorthin.

Der Grund: Eine psychisch labile obdachlose Frau machte Probleme. Sie soll alkoholisiert gewesen sein, die Mitarbeiter der Volkshilfe schafften es nicht, sie des Hauses zu verweisen.

Widerwilliger Einsatz
Die Beamten hätten keine Freude mit dem Einsatz gehabt. Sie sollen sich beschwert haben, dass sie überhaupt herkommen müssen, schildert die Mitarbeiterin gegenüber dem "Kurier".

"Eindeutig Polizeigewalt"
Gleich zu Beginn, schildert die Mitarbeiterin, gab den ersten Übergriff: Einer der Polizisten soll die Obdachlose mit einem Kleidungsstück geschlagen haben. "Als ich daraufhin einen Schrei losgelassen habe und ihm gesagt habe, dass das eindeutig Polizeigewalt ist und ich mich bei seinem Vorgesetzten beschweren werde, hat er gemeint, er habe nichts getan", schildert die Zeugin.

Ins Gesicht geschlagen
Die Vorwürfe gehen aber noch weiter. Was danach geschehen sein soll, soll auf Videoaufnahmen zu sehen sein. Weil die Mitarbeiterin des Heims gerade dabei war, die Sachen der Obdachlosen zu holen, waren die Polizisten mit der Frau alleine. Ein Polizist soll der Obdachlose bei dieser Gelegenheit ("Es ist gut zu sehen, dass sich der Beamte mit zwei raschen Blicken vergewissert, dass ich es nicht sehe.") ins Gesichts geschlagen haben.

Die Mitarbeiterin der Volkshilfe zeigte die beiden Beamten nach Sichtung des Videomaterials an. Eine anfängliche Suspendierung der beiden Beamten wurde aber wieder aufgehoben, die Ermittlungsverfahren sind allesamt eingestellt.

Wieso?, fragte NEOS-Sicherheitssprecherin Stephanie Krisper beim zuständigen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) nach.

Beamte nicht sofort einvernommen
Das Referat "Besondere Ermittlungen" der Landespolizeidirektion Wien war mit den Erhebungen betraut, antwortet das Minsiterium. Man schaute sich die Videoaufzeichnungen an und befragte die Mitarbeiterin der Volkshilfe. Die Beamten wurden allerdings nicht sofort einvernommen.

Das geschah, weil man das mutmaßliche Opfer zuerst befragen und die Beschuldigten dann mit deren Aussagen konfrontieren wollte, heißt es. Das war jedoch unmöglich, da die Obdachlose nicht auffindbar war.

Das Verfahren wurde gleich am nächsten Tag von der Staatsanwaltschaft eingestellt, die Suspendierungen im März und Juni wieder aufgehoben.

Beamte mit Vergangenheit
Wie der "Kurier" weiter berichtet, sind dies nicht die ersten Vorwürfen gegen die zwei Polizisten. Es gab gegen beide Beamte bereits Misshandlungsvorwürfe, die lange Zeit her sind. Auch damals wurden die Verfahren eingestellt.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 20.08.2018 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Film

    Zuerst die Polizei holen, weil man die Randalierin nicht mit Worten raus bekommt, und dann die Polizei anzeigen- scheint in Mode zu kommen!

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  • Bürger am 20.08.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    NGO biegen sich das Gesetz zurecht

    Auf der einen Seite wird die Polizei alarmiert, weil die Volkshilfe mit einer alkoholisierten Dame überfordert war. Auf der anderen Seite aber beklagt die Volkshilfe, dass die Polizei iS des § 29 SPG rechtlich zulässige Mittel anwendet. Was hätten die Polizisten tun sollen? Wieder gehen? Und wenn die StA das Verfahren einstellt, dann wohl aus gutem Grund. Aber Gutmenschen biegen sich das Gesetz zurecht und sehen in Allem und Jeden eine Gefahr. Aber wehe, ihnen droht eine. Das nächste Mal ist eben kein Streifenwagen verfügbar.

  • Anonym am 20.08.2018 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht übertreiben

    Ich glaube, dass es Situationen gibt, wo Worte einfach nicht mehr helfen! Ein Arzt hätte vlt. eine Beruhigungsspritze verabreicht!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Knut Randauch am 21.08.2018 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bodycams

    müssen her! Dann ist Schuld oder Unschuld der Polizisten leicht beweisbar.

  • theo am 20.08.2018 19:41 Report Diesen Beitrag melden

    arme Polizei

    wo bleibt denn der Aufschrei wenn sich Polizisten täglich angreifen lassen müssen? die dürfen sich doch nicht wehren, weil dann gibt es wieder den Aufschrei der Linken; aber wehe es ist andersrum

    • Ex-Justizbeamter am 21.08.2018 08:04 Report Diesen Beitrag melden

      Rechte

      theo@ Wer sagt ihnen, dass sich die Polizisten nicht wehren dürfen, natürlich dürfen sie das.

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  • Ritchie am 20.08.2018 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Echt komisch

    Einfach grauslich diese NGO`s! Vielleicht war das so geplant um die Polizei zu schädigen?!

  • EH1955 am 20.08.2018 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Tante Volkshilfe,

    Sie und Ihre Mitarbeiter waren nicht in der Lage, eine besoffene Frau des Hauses zu verweisen. Ihre Erkenntnis, dass dies nur mit "Watschn" möglich sei, hat Sie veranlaßt, die Polizei zu rufen. Sollen die doch "Gewalt" anwenden und Sie, liebe Tante Volkshilfe, sind toll aus dem Schneider und können sich auch noch menschenrechtlich engagieren. Was denken Sie, wie lange werden Sie nach Ihrem nächsten Hilferuf auf die Polizei warten?

    • Gerd B. am 20.08.2018 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @EH1955

      Dafür ist die Polizei zuständig und werden von uns Steuerzahler bezahlt!!

    • Anette am 20.08.2018 20:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Gerd B.

      Die Aufgaben der Polizei sind im Sicherheitspolizeigesetz geregelt. Die internen Probleme der Volkshilfe zu lösen, gehören jedenfalls nicht dazu.

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  • Freigeist75 am 20.08.2018 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Video

    Ohne das Videomaterial zu sehen kann man net viel dazu sagen. WENN es wirklich mutwillig war und vorher der Blick nach Zeugen schweifte, war es natürlich nicht okay. Anderseits sollten die Beamten, da wo es notwendig IST, auch wirklich mehr durchgreifen dürfen. Wär durchaus angebracht, wenn ein paar Messerstecher mal versehentlich vom Verhörstuhl fallen, bevor sie als "traumatisierte Würstchen" ins Luxussanatorium einreisen.

    • Alex am 20.08.2018 20:22 Report Diesen Beitrag melden

      Das Problem dabei

      Ich hoffe, dass ihr Wunsch nie wahr wird weil wenn man den vielen komplexlern bei der Polizei zu viel macht verleihen würde, wären sie der nächste der auf dem Bauch liegt weil er nicht über den Zebrastreifen gegangen ist.

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