"Ich war nicht bei Sinnen"

07. Dezember 2017 08:46; Akt: 07.12.2017 09:10 Print

Ein Streit, ein Messer, dann starb Mann bei Lugner City

von Igor Basagic - Der 33-jährige Sheikho A. musste sich am Mittwoch wegen Mordes rechtfertigen. Ende März hatte er einen Kontrahenten am Gürtel mit zwei Messerstichen getötet.

Sheikho A. bekennt sich schuldig, sagt aber, dass er in der Situation nicht anders handeln konnte.  (Bild: Denise Auer)

Sheikho A. bekennt sich schuldig, sagt aber, dass er in der Situation nicht anders handeln konnte. (Bild: Denise Auer)

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Die Streitereien zwischen den Mitarbeitern und den drei irakischen Lokalgästen sollen begonnen haben, als sich das spätere 21-jährige Mordopfer in der Shisha Bar "Rotana" einen Joint angezündet haben soll. Der Schwager des Angeklagten, der auch Lokalbesitzer ist, soll ihn darauf hin gebeten haben, die Bar zu verlassen.

Der 21-Jährige hat bis zu diesem Zeitpunkt schon einiges getrunken und hätte auf die Bitte des Lokalbesitzers äußerst aggressiv reagiert. Aus dem Streit, bei dem übelste Beschimpfungen ausgetauscht wurden, entwickelte sich ein blutige Auseinandersetzung, die sich vom Lokal auf die Straße verlagerte.

Unweit von der Lugner City – zwischen dem äußeren und inneren Gürtel – wurde das zu Boden geschlagene Opfer im Zuge dieser Auseinandersetzungen mit zwei Messerstichen niedergestreckt. Vom mutmaßlichen Täter fehlte jegliche Spur – er flüchtete ins Ausland. Tage Später flog der Gesuchte bei einer routinemäßigen Personenkontrolle in Deutschland auf.

"Ich will einen anderen Dolmetscher"

Der Prozess am Landesgericht nahm einen holprigen Start. Der stämmige Syrer bestand darauf, einen anderen Dolmetscher zu bekommen. Hardy Eisenstädter, so der Angeklagte, "spricht einen Dialekt", den er "nicht versteht". "Ich möchte einen Dolmetscher, der des Syrisch-Arabischen mächtig ist", übersetzte Hardy Eisenstädter für den Beschuldigten.

Gerichtsvorsitzender Thomas Kreuter war schon in den ersten Minuten des Prozesses sichtlich gereizt, da augenscheinlich alle im Saal erkannt haben, dass zwischen Dolmetscher und Angeklagten eine flüssige Konversation auf arabisch stattgefunden hatte.

Nach einer viertelstündigen Unterbrechung, konnte es endlich weiter gehen. Sheikho A. bekannte sich schuldig, aber die Tat, die er begangen haben soll, sei aus dem Impuls heraus geschehen: "Ich war nicht mehr bei Sinnen. Zuerst haben sie uns angegriffen und als wir versuchten das Lokal zuzusperren, spuckte er (Anm: das Opfer) uns an und nannte uns Hurensöhne und Zuhälter. Als ich zugestochen habe, war es mir egal ob er stirbt."

War es ein Kampf oder rannten die Lokalgäste weg?

Der Angeklagte schildert tumultartige Szenen in jener Nacht, die sich auf dem Gürtel abgespielt haben sollen. Er, sein Schwager und die drei irakischstämmigen Gäste hätten sich angeblich einen Kampf mit Messern, Gürtelschnallen, Fäusten und Fußtritten geliefert. "Wir waren alle sehr nahe beeinander, alles geschah innerhalb Sekunden. Er (Anm: Mustafa) versetzte mir einen Schlag von der Seite und ich stach zu."

Für die zwei Freunde des Opfers spielten sich die Auseinandersetzungen am Gürtel anders ab:"Ich sah den Mann (Anm: Beschuldigter) auf Yahya (Anm. d. Red. Beteiligter) mit dem Messer zurennen", sagte Ali Khalid A. bei der Polizei aus. "Als er Yahya nicht mehr nachkommen konnte, rannte er zum Lokalbesitzer, der gerade mit einer Gürtelschnalle auf Mustafa einschlug. Mustafa war auf den Boden hingefallen und stützte sich mit den Händen auf – er war mit dem Rücken zu den beiden gedreht und hat die Attacke gar nicht kommen sehen." Sheikho A.'s Kommentar zu den Zeugenaussagen: "Das ist kein Zeuge, er ist ein Teil des Problems."

Kaltblütiger Mord oder im Eifer des Gefechts?

Nach dem ersten Stich, erklärte Sachverständiger Dr. Denk, zog der Tatverdächtige das Messer nicht zur Gänze aus der Wunde, er änderte den Eintrittswinkel und rammte dem Opfer das Messer ein zweites Mal zwischen die Rippen. Die 20-cm Klinge verursachte beim Opfer derart schwerwiegende Verletzungen im Bereich Lunge und Herz, dass ihm eine Operation nicht mehr das Leben retten konnte.

Das Urteil lautet: 17 Jahre, nicht rechtskräftig.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kritischer Geist am 07.12.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    andere Länder, andere Sitten

    Andere Länder, andere Sitten. Wäre kein Problem, wenn wir nicht wüssten, dass die anderen Sitten bald zu den Sitten in unserem eigenen Land werden. Wenn man sich das Verhalten dieser Migranten anschaut, weiß man auch, warum in ihren Heimatländern überall Krieg herrscht.

  • Luzifer van der Hölle Wiens am 07.12.2017 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiterer angeblicher

    Kriegsflüchtling (Chirurg ?), der nicht nur unser Gericht verhöhnt, sondern auch noch meint er sei im Recht gewesen (Ehrverletzung), wird von den nicht rechtskräftigen 17 Jahren in einem unserer Hoteleinrichtungen, sicher weil bisher unbescholten, nach spätestens der Hälfte wieder unser Land unsicher machen dürfen ! Syrien ist kein Kriegsland mehr, also sofort nach der Haft ZURÜCK, oder besser noch in das Land seines Opfers, damit er dort eine gerechtere Strafe erhält !

  • Mustafa Cetin am 07.12.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wann endlich

    Wann endlich beginnen die Abschiebungen aller Flüchtlinge wieder zurück in den Irak und nach Syrien. Laut internationalen und staatl. Nachrichten ist im Irak und Syrien "Daesh" also der IS besiegt und vertrieben. In 95 % beider Staaten ist es wieder ruhig. Und ich bin selbst Moslem und fordere das endlich. Nur mit dem Unterschied aus der Türkei.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bertl K. am 07.12.2017 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    SO etwas

    " zog der Tatverdächtige das Messer nicht zur Gänze aus der Wunde, er änderte den Eintrittswinkel und rammte dem Opfer das Messer ein zweites Mal zwischen die Rippen." so der Sachverständige. tut man nur, wenn man im Töten (vom IS ?) geübt bzw dafür ausgebildet wurde ! Somit ist das Urteil wahrlich ein Witz, da es sich anders als vom Angeklagten dargestellt wird, sichtlich um einen bewussten kaltblütigen Mord handelt ! 25 Jahre Einzelhaft OHNE BEWÄHRUNG, wäre angebracht !

  • Mustafa Cetin am 07.12.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wann endlich

    Wann endlich beginnen die Abschiebungen aller Flüchtlinge wieder zurück in den Irak und nach Syrien. Laut internationalen und staatl. Nachrichten ist im Irak und Syrien "Daesh" also der IS besiegt und vertrieben. In 95 % beider Staaten ist es wieder ruhig. Und ich bin selbst Moslem und fordere das endlich. Nur mit dem Unterschied aus der Türkei.

  • Luzifer van der Hölle Wiens am 07.12.2017 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiterer angeblicher

    Kriegsflüchtling (Chirurg ?), der nicht nur unser Gericht verhöhnt, sondern auch noch meint er sei im Recht gewesen (Ehrverletzung), wird von den nicht rechtskräftigen 17 Jahren in einem unserer Hoteleinrichtungen, sicher weil bisher unbescholten, nach spätestens der Hälfte wieder unser Land unsicher machen dürfen ! Syrien ist kein Kriegsland mehr, also sofort nach der Haft ZURÜCK, oder besser noch in das Land seines Opfers, damit er dort eine gerechtere Strafe erhält !

  • Kritischer Geist am 07.12.2017 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    andere Länder, andere Sitten

    Andere Länder, andere Sitten. Wäre kein Problem, wenn wir nicht wüssten, dass die anderen Sitten bald zu den Sitten in unserem eigenen Land werden. Wenn man sich das Verhalten dieser Migranten anschaut, weiß man auch, warum in ihren Heimatländern überall Krieg herrscht.