Chemikalie geschluckt

27. Oktober 2016 11:25; Akt: 07.11.2016 03:42 Print

Nach Evakuierung: Bodybuilder (29) starb an Dinitrophenol

Das Rätsel um den Chemie-Unfall in der Wendstattgasse 7 in Wien-Favoriten ist geklärt: Ein Wiener (29) aus der Bodybuilderszene verstarb an einer Überdosis Dinitrophenol. Das Gift wird zur Munitionsherstellung verwendet, schon ein Gramm ist tödlich. In Bodybuilderkreisen wird es in geringsten Mengen zum schnellen Fettabbau verwendet. Laut Ermittlern dürfte der Mann den Stoff aus dem Internet bezogen haben.

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Das ist geklärt: Ein Wiener (29) aus der Bodybuilderszene verstarb an einer Überdosis Dinitrophenol (DNP). Das Gift wird zur Munitionsherstellung verwendet, schon ein Gramm davon ist tödlich. In Bodybuilderkreisen wird es in geringsten Mengen zum schnellen Fettabbau verwendet. Laut Ermittlern dürfte der Mann den Stoff aus dem Internet bezogen haben. 
Der Wiener (29) dürfte illegale Schlankheitspillen mit dem Giftstoff Dinitrophenol in seiner Wohnung in der Wendstattgasse 7 gehortet haben. Am Nationalfeiertag soll er davon dann eine Überdosis genommen haben. Schon ein Gramm des Stoffes ist tödlich. Kommt das Mittel erst einmal in den Kreislauf ist es zu spät – es gibt kein Gegenmittel. Das Opfer stirbt an Multiorganversagen. 

Dinitrophenol, oder kurz DNP, kam schon 1919 zur ersten Anwendung. Damals wurde es in Frankreich zur Herstellung von Munition verwendet. 40 Prozent DNP und 60 Prozent TNT ergaben eine explosive Mischung für Artilleriegranaten. Bevor die Giftigkeit erkannt wurde, fand es in den 1930er-Jahren große Verwendung als Mittel gegen Fettleibigkeit.

Gefährlich: Unter Bodybuildern und Athleten wird DNP auch heutzutage verwendet, um schnell Körperfett zu verlieren – ein Spiel mit dem Tod. 

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Thioaceton – räumt ganze Städte leer

Weder besonders giftig noch explosiv noch anderweitig gefährlich – und doch einer jener Stoffe, deren Entstehung man unbedingt vermeiden sollte. Thioaceton hat den Ruf, die Substanz mit dem durchdringendsten Geruch in der gesamten Chemie zu sein. Die Substanz betrat die Weltgeschichte im Jahr 1889, als sie in der Stadt Freiburg im gleichnamigen Schweizer Kanton in einem beträchtlichen Teil des Stadtgebiets zu Übelkeit, Erbrechen und schlussendlich hastiger Evakuierung führte. Schon ein Tropfen eines Lösungsmittels mit Thioaceton führt dazu, dass in einem geschlossenen Arbeitsbereich mit eigener Abluft auf eine Glasplatte geträufelt, sofort noch in mehreren hundert Metern Entfernung zu riechen ist. Verdünnung hilft gegen den Geruch nach Angaben der Arbeitsgruppe praktisch überhaupt nicht, und selbst Spuren von Thioaceton an der Kleidung machen jeden sozialen Kontakt unmöglich.

Botulinumtoxin – der giftigste Stoff der Welt

Einige Bakterien der Gattung Clostridium produzieren diese wohl giftigste bekannte Stoffklasse und lösen damit Botulismus aus, eine schwere, oft tödliche Lebensmittelvergiftung durch Fleischprodukte. Botulinumtoxine sind Nervengifte, die die Erregungsleitung in den Nervenzellen blockieren und so die Muskeln lähmen – eine Anwendung, die man sich nicht nur bei der Faltenbehandlung, sondern auch in einigen Medikamenten zu Nutze macht. Bemerkenswert sind Botulinumtoxine aber vor allem dadurch, dass sie extrem tödlich sind: Im Tierversuch reichen unter Umständen schon einige billionstel Gramm Gift pro Kilogramm Körpergewicht. Es wurde auch als Biowaffe verwendet.

Fluor-Antimonsäure – die stärkste Säure

Gegen sie sind Salzsäure, Salpetersäure und sogar Schwefelsäure völlig harmlos: Fluor-Antimonsäure. Sie ist die stärkste bekannte Säure, zehn Billiarden Mal stärker als reine Schwefelsäure. Diese so genannte Supersäure entsteht, wenn man zwei unterschiedliche Typen von starken Säuren kombiniert.

Aflatoxin B1 – Krebsgift aus Schimmel

Aflatoxine sind eine Gruppe Substanzen, die Schimmelpilze der Gattung Aspergillus produzieren. Es gibt mindestens 20 von ihnen, unter denen Aflatoxin B1 für Menschen wohl am giftigsten ist. Es gehört zu den am stärksten krebserregenden Substanzen überhaupt. Verantwortlich ist Aflatoxin B1 vor allem für Leberzellkarzinome, eine der tödlichsten Krebsarten weltweit. Zusätzlich ist bei Hepatitis-Infizierten das Krebsrisiko durch Aflatoxine noch einmal um etwa das 30-Fache erhöht. Die Leber allerdings ist nicht das einzige Organ, das bedroht ist: Lungenkrebs kann ebenfalls auf Aflatoxine zurückgehen, genauer gesagt auf Schimmelpilzsporen, die man zusammen mit Staub einatmet und die das Gift ebenfalls enthalten.

Isocyanogentetraazid

Stickstoffhaltige Chemikalien machen gute Sprengstoffe. Azide  sind sehr reaktiv. Die Verbindung von dem  offenkettigen Isocyanogentetraazid mit einem Isomer, in dem sich an einer Stelle des Moleküls ein Ring gebildet hat, gilt als die wohl explosivste bekannte Verbindung: Sie explodiert im Wesentlichen bei allem, auch bei dem Versuch, ihre Eigenschaften zu bestimmen – weswegen man bis heute nicht allzu viel über den Stoff weiß.

Dimethylcadmium

Die vermutlich unangenehmste Methylverbindung ist Dimethylcadmium. Das liegt einerseits daran, dass Cadmium selbst schon ausgesprochen giftig ist. Das Metall ist Krebs erregend und schädigt die Leber ebenso wie eigentlich alle anderen Körperteile, mit denen es in Kontakt kommt – vor allem aber die Knochen, die durch Cadmium weich und instabil werden. Akut tödlich ist eine Cadmiumvergiftung meist durch Nierenversagen.

Dimethylcadmium ist zudem noch flüchtig, so dass man es leicht einatmen oder anderweitig aufnehmen kann, und zu guter Letzt ausgesprochen reaktiv mit Sauerstoff, das heißt, der Dampf kann sich spontan entzünden und einen hochgiftigen Nebel aus hochgiftigem Cadmiumoxid freisetzen. Alternativ reagiert der Stoff auch langsam mit Sauerstoff, aber das macht es nicht besser. Dabei entstehen nämlich Reaktionsprodukte, über die man kaum etwas weiß, außer dass sie bei Berührung oder Reibung heftig explodieren und hochgiftige Stäube freisetzen. Das ist auch der Grund dafür, dass man kaum etwas über sie weiß.

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