Am Rosenmontag

12. Februar 2018 18:04; Akt: 12.02.2018 18:04 Print

MaHü: Pantomimischer Spaß-Weltrekord

von Louis Kraft - 1.111 Meter, Start exakt um 11.11 Uhr. Am Rosenmontag ertanzte sich Pantomimin Nina Martin als "Pierrette" in Wien einen Rekord und bezauberte die Passanten.

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Fasching ist die Zeit der bunten Masken und Kostüme. Dass es dabei aber auch deutlich reduzierter zugehen kann und auch in der Kunst oft in der Stille die Kraft liegt, beweist Pantomimin Nina Martin (37). "Pantomime ist eine uralte Form der darstellenden Kunst, die aber leider zunehmend in den Hintergrund tritt", erzählt Martin.

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Mit dem Spaß-Weltrekord will die Künstlerin die Pantomime als Form der darstellenden Kunst wieder in Erinnerung rufen. Dazu schlüpfte die gebürtige Heidenreichsteinerin (Niederösterreich) in die Figur der "Pierrette" (weibliche Form des "Pierrot").

Beginnend bei der Stiftskirche legte Martin in einer pantomimischen Dauer-Choreographie die eine Distanz von 1.111m bis zum Café Westend beim Mariahilfer Gürtel zurück.

Einfache Mittel mit großer Wirkung

"Pantomime erfordert Mut zum Einfachsein", erzählt Martin. Dementsprechend trat die Künstlerin im einfachen weißen Kostüm auf. Dass die "Kunst der Nachahmung" dabei sehr gut auf großzügige Kostüme oder andere Hilfsmittel verzichten kann, dafür ist Nina Martin der lebende Beweis.

So zauberte sie den Passanten auf der Mariahilfer Straße mit ihrer Jagd nach imaginären Schmetterlingen oder einem Wettrennen in Slow-Motion ein Lächeln ins Gesicht.

Wer die Pantomimin bei der Ausübung ihrer Kunst beobachtet, ist nicht nur von ihrer Körperbeherrschung beeindruckt, sondern wird auch daran erinnert, wie viel alleine durch Gestik und Mimik ausgedrückt werden kann. "Das Hauptziel ist es verstanden zu werden. Meine Aufführung müssen für einen Dreieinhalbjährigen ebenso funktionieren wie für den 69-jährigen Opa", so Martin.

Der Weltrekord-Versuch soll ein Spaß sein und ein bisschen Freude in den grauen Wiener Februar bringen. Obwohl Martin mit ihrer Darbietung eine neue Marke setzt, ist es doch kein offizieller Weltrekord. "Wir hatten keinen Vertreter des Guinnessbuchs der Rekorde dabei, aber Notar Mathias Drachsler begleitete den Weltrekord-Versuch und beglaubigt, dass das Ziel tatsächlich erreicht wurde. Solange bis vielleicht ein anderer Pantomime versucht, meinen Rekord zu überbieten", erzählt Martin mit einem Schmunzeln.

Pantomime schon in Antike Kunstform

Die Kunstform der Pantomimen spielte schon in der griechischen Antike eine wichtige Rolle. In der römischen Kaiserzeit waren sie wichtige Übersetzer und Kommunikatoren für die Machthabenden, die ihre Befehle trotz der Sprachbarrieren im multinationalen Reich durchgesetzt sehen wollten.

Weit verbreitet waren Pantomimen auch in der Renaissance, viele Figuren wie auch der "Pierrot" stammen ursprünglich aus der Commedia dell Arte. Im 19. Jahrhundert erlebte der Berufsstand auch im französischen Theater einen neuen Aufschwung. Einer der berühmtesten französischen Pantomimen ist Marcel Marceau, der 2007 verstarb.

Michael Jackson's "Moon Walk" kommt aus Pantomime

Auch Nina Martin lernte beim "Meister der monochromen Darstellung" Marceau. Damit hat sie etwas gemeinsam mit dem "King of Pop". Denn auch Michael Jackson war Schüler bei Marceau. Viele seiner Tanzschritte, darunter auch der weltberühmte "Moon walk" ist von Bewegungen der Pantomime abgeleitet.

Von Heidenreichstein in die USA und zurück nach Wien

Ihre erste Bühnenerfahrung sammelte Martin bereits als Fünfjährige bei einem Laientheater in Heidenreichstein. "Meine Eltern hatten ein Gasthaus, ich habe schon als Kind immer die Gäste imitiert", lacht Martin. Mit 18 war ihr klar, dass sie Theater studieren wollte. Drei Jahre lange studierte Martin beim Bundesverband für Schauspiel. Danach wechselte sie an die "Scuola Teatro Dimitri" in der Schweiz und die "Ecole Internationale de Mime Corporel Dramatique" in Paris (Frankreich). Ihren Abschluss machte die Künstlerin als "Doktorin des nonverbalen und komödiantischen Theaters" an der Akademie Múzických Umĕní in Prag.

Neben der klassischen Pantomime erlernte Martin auch verschiedene Tanzformen wie Steptanz sowie das Jonglieren. "Auch das ist eine Hommage an die Geschichte der Kunst, denn im Mittelalter waren viele Pantomimen auch als jonglierende Hofnarren im Einsatz", so Martin.

Nach Abschluss ihrer insgesamt achtjährigen Ausbildung startete die Pantomimin eine Solotournee, die sie quer durch Europa, nach Asien und schließlich in die USA führte. Dort lernte sie Ehemann Paul kennen, mit dem seit Sommer vergangenen Jahres in Wien lebt. Seit September haben sie gemeinsam das Studio "Martin Music & Mime Club" eröffnet.

Gratis-Schnupperstunden für angehende Pantomimen

Dort können Interessierte die Kunst der Pantomime selbst auszuprobieren. Neben Anfängerstunden bietet Nina Martin auch Gratis-Schnupperstunden an.

Hier gibt es das Video von Nina Martin's Street Performance:

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