Naturhistorisches Museum

30. Januar 2018 16:59; Akt: 05.02.2018 10:02 Print

Neuer Glanz für Wiener Edelstein-Sammlung

von Louis Kraft - Im vergangenen Jahr wurden die Vitrinen der Edelsteinsammlung im NHM runderneuert. Neue Beleuchtung und Vitrinenauskleidungen rücken die Juwelen nun wieder ins rechte Licht.

Bildstrecke im Grossformat »
Rund 2.000 Edel- und Schmucksteine sind in der Sammlung des Naturhistorischen Museum zu bewundern. Nach der Renovierung der Vitrinen und der Installation der neuen Beleuchtung kommen die Juwelen nun richtig zur Geltung. Manche der Schmuckstücke sind mehrere hunderte Jahre alt, erzählt die Leiterin der Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museum Vera Hammer. Trotz der schwierigen budgetären Lage wird im Naturhistorischen Museum Stück für Stück erneuert, betont Direktor Christian Köberl. Neu angebrachte Texttafeln erläutert die Exponate in deutscher und englischer Sprache. Neben Smaragden, Diamanten und Mondsteinen sind auch diese Petalite zu sehen. Im Zuge der Arbeiten wurde auch erstmals eine Generalinventur durchgeführt, alle Edelsteine wurden dabei in einer digitalen Datenbank erfasst. Zu den Highlights der Edelsteinsammlung in Saal IV des Naturhistorischen Museum Wien zählt der Edelsteinstrauß der Maria Theresia. Das frisch restaurierte Stück ist eine Weltrarität, es gibt kein vergleichbares Objekt. Nicht alle Edelsteine haben Taschenformat, wie dieses Exponat beweist. Die Sammlung widmet sich auch Spezialthemen wie der Frage, wann unsere Vorfahren begannen, sich zu schmücken. "Schon die Neandertaler bearbeiteten Zähne und Adlerklauen, um sich damit hübsch zu machen", erklärt Dvorka Radovi vom Kroatischen Naturgeschichte Museum Zagreb. Im Saal IV des Naturhistorischen Museum sind auch Leihgabes des Kroatischen Naturhistorischen Museum zu sehen. Darunter diese, rund 130.000 Jahre alten Seeadlerklauen, die schon die Neandertaler als Schmuck verwendeten. Einige wertvolle Objekte, wie dieser Citrin aus der Kaiserlichen Schatzkammer, gelangten vor 1806 in das damalige Naturalienkabinett, das den Grundstock für die Sammlungen des Naturhistorischen Museums Wien bildete. (c) NHM Wien, Alice Schumacher Der berühmte historische Diamant mit dem Namen der Florentiner (hier eine Original-Nachbildung aus Glas) hatte ein Gewicht von 137,27 Karat und war bis 1477 im Besitz von Karl dem Kühnen. Später gelangte er durch Erbe in den persönlichen Besitz der Habsburger. Seit 1918 gilt er als verschollen.(c) NHM Wien, Alice Schumacher Teil der umfangreichen Sammlung sind auch diese Heliodor-Steine aus der Ukraine. (c) NHM Wien, Alice Schumacher Diese blauen Topase im Tropfenschliff wurden in der Werkstätte des berühmten Goldschmieds Peter Carl Fabergé gefertigt. Sie sind ganz mit rautenförmigen Facetten überzogen und stammen aus dem Besitz des russischen Zaren Nikolaus II.(c) NHM Wien, Alice Schumacher Diese Stück ist ein Turmalin mit Zonarbau aus Madagaskar. (c) NHM Wien, Alice Schumacher Diese wunderschönen Smaragde stammen aus dem Salzburger Habachtal. Der Rohkristall und die facettierten Steine haben zwischen drei und 23 Karat. (c) NHM Wien, Alice Schumacher Nur ein kleines Ausschnitt aus der Systematischen Edelsteinsammlung - hier mit Chrysopras, Opal und Türkis. (c) NHM Wien, Alice Schumacher Diese angekohlten Diamanten sind die Reste eines missglückten Experiments: Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen versuchte im 18. Jahrhundert mehrere kleine Diamanten zu einem großen zu verschmelzen. Das Experiment verlief anders als erwartet: Anstelle eines großen Diamanten erhielt er nur angekohlte Reste - und hatte damit den Nachweis der Brennbarkeit von Diamant erbracht.(c) NHM Wien, Alice Schumacher Bei diesen Prachtexemplaren handelt es sich um Morganite aus Brasilien, die facettierten Steine haben zwischen 36 und 218 Karat. (c) NHM Wien, Alice Schumacher Diese Mondsteine stammen aus dem Zillertal (Tirol). Mondstein besteht aus zwei unterschiedlichen Feldspäten, die in feinsten parallelen Spindeln gewachsen sind und das Licht diffus streuen. Dies führt zu einem milchigen Schimmer, den man als Adulareszenz bezeichnet. (c) NHM Wien, Alice Schumacher

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Edelsteinsammlung im Saal IV des Wiener Naturhistorischen Museum zählt zu den historisch bedeutendsten in ganz Europa. Zu den rund 2.000 Stücken zählen etwa der berühmte Edelsteinstrauß der Maria Theresia oder die Original-Replik des verschollenen "Florentiner Diamanten".

"Unsere Sammlung der Edel- und Schmucksteine im historischen Ambiente zählt zu den Hauptattraktionen des Museums", erklärt Museumsdirektor Christian Köberl. Die Vitrinen seien aber in die Jahre gekommen. Damit die Juwelen wieder in neuem Licht erstrahlen können, wurden die Vitrinen im vergangenen Jahr rundum erneuert.

Für rund 60.000 Euro wurden die Vitrinen neu ausgelegt, neue Beleuchtung installiert und die Sicherheitseinrichtungen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Zudem wurden deutsch- und englischsprachige Texttafeln angebracht, die Auskunft zu den Stücken und Antworten auf die meist geäußerten Fragen geben.

Ab 31. Jänner ist die Sammlung wieder für Besucher zugänglich. Neben Smaragden aus dem Habachtal (Salzburg), Mondsteinen aus dem Zillertal (Tirol) und dem drittgrößten Platin-Nugget der Welt gibt es auch Topase aus dem Haus des berühmten Goldschmieds Peter Carl Fabergé zu bewundern.

Älteste Schmuckstücke der Welt

Durch die Neugestaltung ist es auch möglich, Spezialthemen anzusprechen. Dazu zählt etwa die Fragen, ab wann Menschen begonnen haben, sich selbst zu schmücken. Funde zeigen, dass sich auch die Neandertaler schon mit ästhetischen Fragen wie Schmuck beschäftigt haben.

Als Leihgabe des Kroatischen Naturgeschichtemuseums sind im Saal IV auch Tierzähne und Seeadlerklauen zu sehen, die in Krapina (Kroatien) gefunden wurden und rund 130.000 Jahre alt sind. Diese Exponate zählen zu den ältesten Schmuckstücken der Menschheitsgeschichte.

"Die Bearbeitungsspuren auf den Adlerkrallen legen nahe, dass schon die Neandertaler die Fähigkeit zum symbolischen Denken verfügten, die bisher nur dem Homo Sapiens zugeschrieben wurden", erzählt Dvorka Radovčić vom Kroatischen Naturgeschichte Museum Zagreb.

Edelsteinsammlung digital inventarisiert

Im Zuge der Modernisierung und Umgestaltung der Vitrinen erfolgte auch erstmals eine Komplettinventur und die Aufnahme aller Objekte in eine digitale Datenbank.

"Manche der Schmuckstücke sind mehrere hunderte Jahre alt", erklärt die Leiterin der Mineraliensammlung des Naturhistorischen Museum Vera Hammer. Zudem vereine die Sammlung Stücke aus verschiedenen anderen Sammlungen, darunter der Schatzkammer Wien, der Kunst- und Wunderkammer Ambras (Tirol) oder der Sammlung von Kaiser Franz I. Stephan zu Lothringen aus dem 18. Jahrhundert.

Der älteste Katalog des Museums stamme aus dem Jahr 1806, daher sei eine Gesamtinventur notwendig gewesen, um alle Stücke entsprechend zuordnen zu können, so Hammer.

Ebenfalls in der Sammlung vertreten sind Edelstein-Synthesen, die den jeweiligen Stand der Kristallzüchtung repräsentieren. "Heutzutage werden Synthesen weniger als Schmucksteine verwendet, sondern finden etwa in der Medizin Verwendung. So werden bei der Mundhygiene beispielweise Rubin-Laser eingesetzt und Mikrowellen haben einen Schalter aus synthetischen Granaten", erklärt Hammer.

Museum kämpft mit budgetären Nöten

"Wir versuchen Stück für Stück zu erneuern", betont Direktor Köberl. Dennoch werde die budgetäre Lage immer schwieriger, viele Museen würden darunter leiden. Es zähle zu den Aufgaben des Naturhistorischen Museums, die Sammlung weiter auszubauen, jedoch seien "Ankäufe neuer Stücke kaum noch leistbar. Wir sind hier auf Spenden Privater und auf Sponsoren angewiesen", betont Köberl.