HIgh Tech bei Befunden

14. Dezember 2017 14:44; Akt: 14.12.2017 15:03 Print

Neues OP-Zentrum im Wilhelminenspital offen

von Gerda Mackerle - Gewebebefunde in zehn Minuten, eine direkte Verbindung von Pathologie und Zentral-OP und kürzere Wartezeiten: Das neue OP-Zentrum im Wilhelminenspital ist in Betrieb.

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Ursprünglich hätte der neue Zentral-OP im Wilhelminenspital im März 2016 eröffnen sollen. Nach eineinhalb Jahren Verzögerung hat vor einem Monat, am 15. November, der Probebetrieb gestartet. Grund für die spätere Inbetriebnahme war unter anderem ein massiver Wasserschaden im Juli 2016.

"Heute" war im neuen OP-Zentrum. Acht moderne Operationssäle sind in Betrieb. Und: Ein eigener OP für Notsectios mit Intensiv-Aufwachbereichen steht ebenfalls zur Verfügung.

Schnelle Diagnose: Lift in die Pathologie

"Wenn ein Krebsknoten entnommen wird, wird er sofort unten in der Pathologie angeschaut. Das hat enorme Vorteile", erklärt Burkhard Gustorff, Abteilungsleiter der Anästhesie im Wilhelminenspital, die Verbesserung durch die räumliche Nähe von Labor und OP-Sälen. Über einen eigenen Lift sind Zentral-OP und Pathologie verbunden.

Andreas Chott, Leiter der Pathologie, erklärt: "Gewebeproben kommen über einen Lift in die Pathologie, wir haben hier eine ideale Logistik." Bei Gewebeproben kann innerhalb von zehn bis 15 Minuten eine Diagnose erstellt werden. Beispiel: Bei einem Schilddrüsenknoten taucht während der Operation die Frage auf: Ist er gut- oder bösartig? In der Pathologie wird er schockgefroren, geschnitten und dann gefärbt. Unter einem Mikroskop erkennen die Mitarbeiter, ob der Knoten gut- oder bösartig ist, können den Chirurgen während der Operation Auskunft geben.

Bei Krebspatienten ist es "wichtig, dass es schnell geht"

Gerade bei Krebspatienten ist es "wichtig, dass es schnell geht. Da kommt es auf jeden Tag an", so Chott. In der Pathologie kann – etwa bei einem Lungenkarzinom – innerhalb von drei bis fünf Tagen – feststellen, ob eine Tumorzelle gegen bestimmte Medikamente empfindlich ist. "Wenn das drei Wochen dauert, wird es für den Patienten schon gefährlich", so Chott.

Auch Blutproben können schnell analysiert werden – etwa, wenn Patienten Fieber haben.

Im Februar soll die gesamte Pathologie des Otto-Wagner-Spitals hierher übersiedeln.

High Tech im Zentral-OP

High-Tech-Monitore und eine Klimaanlage sorgen im neuen Zentral-OP für angenehmeres Arbeiten. Es gebe keine "Schweißtropfen" mehr während der Operationen, so Glaser. Die neuen Operationssäle sind mit 45 Quadratmetern größer als bisher, auf der neuen Intensivstation gibt es zehn Betten (sechs Intensiv-Betten und vier Intensiv-Überwachungs-Pflege-Betten). Hier werden schwerst kranke Patienten behandelt. Es ist auch geplant, dass Operationen über Kameras verfolgt werden können – quasi als "Trainingszentrum".

Toll: Für kleine Patienten gibt es einen eigenen Kinderbereich – samt Kinderaufwachstation für die Kids und ihre Eltern. In einem eigenen Familienzimmer können sich Angehörige und kranke Patienten treffen.

"Man muss immer auf das Schlimmste vorbereitet sein und auf das Beste hoffen, wenn man eine Operation plant", so Karl Glaser, Leiter für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie. "Die OP-Räumlichkeiten waren veraltet, jetzt sind sie repräsentativ", sagt Glaser. Sein Wunsch: "Eine personelle Aufstockung wär gut."

Rund 150 Mitarbeiter – vor Ärzten bis zum Pflegepersonal – arbeiten im Zentral-OP. Mindestens zwei OP-Schwestern sind bei jeder Operation anwesend. Auf der Intensivstation sind rund zehn Mitarbeiter – etwa zwei bis drei Ärzte und sieben bis acht Pfleger – im Einsatz. Geplant ist, dass rund 8.000 Operationen pro Jahr stattfinden – und rund 120 bis 130 Narkosen pro Woche.

"Mit dem neuen Gebäude, seiner medizinischen Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik und den engagierten Ärzten sowie Pflegern tragen der Krankenanstaltenverbund und die Stadt Wien weiter dazu bei, dass die Wiener auch in Zukunft bestens versorgt werden", so Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) beim Rundgang.

Neue "Stroke Unit" für Schlaganfall-Patienten

Die "Stroke Unit" für Schlaganfälle bietet ab sofort sechs Intensiv-Betten. Statt bisher 400 können künftig 600 Patienten pro Jahr versorgt werden. Rund 5.000 Menschen erleiden in Wien jährlich einen Schlaganfall. "Das Wichtigste ist, schnell die Rettung zu rufen", erklärt Walter Pirker, Leiter der Neurologischen Abteilung. Die Überlebenschance bei einem Schlaganfall sei "um 50 Prozent höher" als noch vor 20 Jahren. Bei Symptomen wie Gesichtslähmung oder wenn man einen Arm nicht mehr spürt: Sofort die Rettung rufen und ins Krankenhaus!

Das Wilhelminenspital soll bis 2023 komplett umgebaut werden. "Der neue Zentral-OP wird in das Konzept integriert", so KAV-Direktor Michael Binder. "Es ist wichtig, dass wir hier jetzt auf modernster Basis arbeiten können", so Stadträtin Frauenberger. Und: "Wir werden von der Übersiedlung dieses Zentral-OPs für das Krankenhaus Nord lernen können."


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