Lust auf Bildung

27. September 2017 13:46; Akt: 27.09.2017 16:21 Print

"Wir müssen Kinder integrieren, nicht trennen"

Beim Finale der "Heute"-Serie "Coole Schule" stellte sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid Fragen zu Spracherwerb, Chancengleichheit, Kindergarten und Nachhilfe.

"Coole Schule": Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und Daniel Landau beim Finale des "Heute"-Bildungstalks. (Bild: Denise Auer)

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Eine Stunde nahm sich Bildungsministerin Sonja Hammerschmid Zeit, um die Anregungen, Ideen und Herausforderungen zu diskutieren, die nach vier Runden "Heute"-Talk zum Thema "Coole Schule" unter den Nägeln brannten.

Mit Lehrer und Bildungsexperte Daniel Landau resümierte Hammerschmid nicht nur über Gelungenes ihrer 16-monatigen Amtszeit. "Ich will weiter gestalten", sagt sie im Hinblick auf die Nationalratswahl am 15. Oktober. Sie skizziert eine "Schule der Zukunft", die Kinder individuell fördern, sowie ihre Medien- und Sozialkompetenz ausbilden soll: "Nur frontal zu unterrichten, ist nicht mehr genug."

"Es braucht mehr Pädagoginnen"

Um das umzusetzen, "braucht es mehr Pädagoginnen", so die Ministerin, die mittelfristig 5.000 neue Lehrer einstellen will. 850 zusätzliche Sprachpädagogen sind bereits im Einsatz, die u.a. auch jenen Kindern Deutsch beibringen sollen, die 2015 als Flüchtlinge nach Österreich kamen.

Beim Thema des Spracherwerbs für nicht deutsch sprechende Kinder, verfolgt das Bildungsministerium eine klare Linie: "Wir müssen sie integrieren, nicht trennen." Diese Schüler hätten ohnehin elf Stunden gesonderten Deutsch-Unterricht, die restliche Zeit sollten sie möglichst mit anderen Muttersprachlern verbringen.

Probleme beginnen oft schon im Kindergarten

Für Landau, wie für Hammerschmid ist klar: Die Wurzel des Sprachproblems liegt im Kindergarten, der nicht ins Bildungsministerium integriert ist. "Er verdient aber hohe Aufmerksamkeit, damit sprachliche Defizite gar nicht erst entstehen." Die Realität zeigt jedoch, dass Pädagogen im Kindergarten unter "teilweise sehr schwierigen Bedingungen", mit zu großen Gruppen arbeiten müssen und kaum Zeit haben, da auch noch Sprachbarrieren abzubauen.

Plädoyer für die Gesamtschule

750 Millionen Euro investiert das Bildungsministerium in den Ausbau der Ganztagsschule. "Die Gesellschaft erwartet, dass Schule kompensiert, was daheim nicht passiert", schildert Hammerschmid. Die Eltern würden vielfach beide arbeiten, alleinerziehende Mütter hätten überhaupt keine andere Wahl. Um die Schüler bestmöglich zu unterstützen und zu fördern, brauche es eine funktionierende, ganztägige Schule, appelliert sie. Pädagogische Konzepte, aber vor allem mehr Geld würden hier noch dringend gebraucht. Der Wunsch der Bildungsministerin: "Mittagessen und Betreuungseinheiten sollten gratis angeboten werden." Eine schöne Forderung, gerade in Wahlkampfzeiten.

(sk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lehrer am 27.09.2017 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sprachprobleme sind hausgemacht.

    An Wiener Volks- oder Mittelschulen findet man kaum noch österreichische Schüler. In den Pausen unterhält man sich in der Muttersprache: Türkisch, Serbisch und Arabisch. Die Kinder bleiben unter sich. Zu Hause wird die Muttersprache gesprochen, im Freundeskreis, in der Community. Die Schule übersetzt Übungen in die Muttersprache. Die Mitteilungen an die Eltern sind in deren Muttersprache. Die Ämter übersetzen Formulare in die Muttersprache und stellen sogar Muttersprachler ein. Die Integration findet längst umgekehrt statt. In einem solchen Umfeld lernen die Kinder niemals Deutsch.

  • Steffi Sachse am 27.09.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lernen Kinder Sprache?

    Wortschatz oder Pragmatik (das Benutzen der Sprache, das Sprechen selbst) sind viel stärker durch Umwelteinflüsse bestimmt, als durch das Lernen selbst. Eine Sprache wird durch Wiederholungen und Zuordnungen von Begriffen und Gegenständen gelernt, weil im Gehirn so die Nervenverbindungen geschaffen werden. Insgesamt spielen somit für die Sprachentwicklung die soziale Umgebung eines Kindes wie auch die biologischen Voraussetzungen eine wichtige Rolle. Kinder zeigen eine deutliche Vorliebe für die mütterliche und die Muttersprache.

  • Carol am 27.09.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrung als Amerikanerin

    Mein Sohn ist in den USA geboren. Wir haben nie Deutsch gesprochen. Ich lebe jetzt in Österreich. Zuerst wollte ich ihn in eine amerikanische Schule geben. Doch die Direktorin einer Wiener Schule empfahl mir, meinen Sohn in eine Klasse mit Österreichern zu setzen. Die Anfänge waren schwer. Aber er fand schnell Freunde und lernte Deutsch in nur drei Monaten - ohne Deutschkurs! Heute besucht er ein Gymnasium. Es bringt nichts, Kindern Deutsch in einem 11-stündigen Frontalunterricht beibringen zu wollen. Im sozialen Umfeld lernen sie die Sprache, nicht in der Schule. Eltern müssen Vorbild sein!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • gerraldo am 28.09.2017 00:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber unterrichten

    Hätte ich aktuell Kinder im Schulalter, würde ich diese zuhause selbst unterrichten. Die derzeitigen Schulformen zielen auf die Zerstörung der Familie ab. Generell wäre es der Politik offenbar am liebsten, wenn Eltern ihre Kinder möglichst bald dem Vater Staat überlassen und sich wieder ins Hamsterrad einordnen. In den Schulen werden egozentrische, halbgebildete Arbeitsbienen herangezogen, mit der ständigen Karotte des finanziellen Erfolges und Aufstieges vor der Nase. Die Kinder werden ja alle Topmodel, Superstar oder zumindest Star-Blogger o.ä... Schöne, neue, falsche und verlogene Welt!

  • Statistiker am 27.09.2017 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Staat füttert dich durch, bis zum Tod.

    Seit 2007 sinkt das Haushaltseinkommen. Die Sparquote hat sich halbiert. Im gleichen Zeitraum haben die staatlichen Transferzahlungen um 37 % zugenommen. Als Folge ist die Arbeitslosenquote fast ident mit 36 % gestiegen. Die Teilzeitquote von Frauen mit Kindern unter 15 Jahren stieg auf 74,2% an. Der grundsätzliche Arbeitswunsch ist nur mehr bei 29,9 % der Arbeitssuchenden vorhanden. Daraus folgt, je mehr der Staat an finanziellen Leistungen bereit stellt, desto weniger ist der Wunsch vorhanden, arbeiten zu gehen. Unter diesen Voraussetzungen sollen unsere Kinder aufwachsen?

  • Werner am 27.09.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Die Fabrik Schule.

    Frau Minister, wieso machen wir nicht gleich aus allen Schulen ein Internat? Ihre Maßnahmen ähneln einer Fabrik, wo wir vorne 3-jährige Kinder reinstecken und hinten raus kommen volljährige und fertige "Österreicher". Ich möchte nicht ausführen, woran mich das erinnert. Wo bleibt die Verantwortung der Eltern? Wer an unserer Gesellschaft teilhaben will, hat die Pflicht alles dazu beizutragen. Das ist eine Bringschuld.

  • Mutter hoch 3 am 27.09.2017 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Entscheidet euch

    "Die Gesellschaft erwartet, dass Schule kompensiert, was daheim nicht passiert", schildert Hammerschmid. Die Eltern würden vielfach beide arbeiten, alleinerziehende Mütter hätten überhaupt keine andere Wahl. Was wollt ihr eigentlich? Dass Mütter ihre Kinder mit einem Jahr in die Krippe bringen um Vollzeit zu arbeitet oder dass Mütter zu Hause bleiben, bis die Kinder mit der Schule fertig sind. Je nach Lust und Laune wird uns Müttern mal das eine, mal das andere zum Vorwurf gemacht!!!

  • Carol am 27.09.2017 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Erfahrung als Amerikanerin

    Mein Sohn ist in den USA geboren. Wir haben nie Deutsch gesprochen. Ich lebe jetzt in Österreich. Zuerst wollte ich ihn in eine amerikanische Schule geben. Doch die Direktorin einer Wiener Schule empfahl mir, meinen Sohn in eine Klasse mit Österreichern zu setzen. Die Anfänge waren schwer. Aber er fand schnell Freunde und lernte Deutsch in nur drei Monaten - ohne Deutschkurs! Heute besucht er ein Gymnasium. Es bringt nichts, Kindern Deutsch in einem 11-stündigen Frontalunterricht beibringen zu wollen. Im sozialen Umfeld lernen sie die Sprache, nicht in der Schule. Eltern müssen Vorbild sein!

    • Annemarie am 27.09.2017 18:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Carol

      Auch ich habe diese Erfahrung gemacht. Die Ministerin verfolgt den Ansatz, Kinder in Ganztagsschulen ka­ser­nie­ren und mit Gratis-Essen ködern zu wollen. Wer Kinder kriegt, muss als Elternteil Verantwortung übernehmen und kann sie nicht auf die Schule abwälzen. Wenn im Elternhaus der Wille nicht vorhanden ist, sich zu integrieren, ja wie soll das Kind es jemals lernen?

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