ÖGB und SPÖ blockieren

20. Juni 2018 09:51; Akt: 20.06.2018 10:28 Print

Arbeitszeit: Proteste, Demos, Sondersitzung

Die SPÖ beantragt im Nationalrat eine Sondersitzung zum Thema Arbeitszeitflexibilisierung. Die Gewerkschaft ruft zum Protest auf.

Der 12-Stunden-Arbeitstag sorgt für Aufregung. (Bild: picturedesk.com)

Der 12-Stunden-Arbeitstag sorgt für Aufregung. (Bild: picturedesk.com)

Zum Thema
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Die SPÖ kritisiert die Pläne der türkis-blauen Regierung zum 12-Stunden-Arbeitstag scharf. Die Oppositionspartei hat deshalb am Dienstagabend eine Nationalratssondersitzung zum Thema beantragt. Bei seiner Österreich-Tour macht auch SPÖ-Chef Christian Kern gegen den 12-Stunden-Tag mobil.

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Die Dringliche Anfrage unter dem Titel "12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche im Auftrag der ÖVP-Großspender – So nicht, Herr Bundeskanzler" soll sich an Sebastian Kurz richten. Details dazu will Andreas Schieder am Donnerstagvormittag in einer Pressekonferenz bekannt geben.

Demo gegen Maßnahme

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian ruft indes zum Protest auf. Am 30. Juni wird in Wien eine Demonstration gegen die Arbeitszeitflexibilisierung stattfinden. Man wird sich mit allen Mitteln wehren, kündigt der Gewerkschafter an.

"Die von der Regierung vorgelegten Regelungen zur Arbeitszeit würden die ArbeitnehmerInnen sehr viel kosten: Freizeit, Geld und Gesundheit. Gegen diesen Raubzug mobilisieren ÖGB und Gewerkschaften ab sofort", so Katzian: "Es geht los mit Betriebsräte-Konferenzen in allen Bundesländern. Anschließend werden die ArbeiterInnen und Angestellten in ganz Österreich Betriebsversammlungen abhalten. Und am 30. Juni gehen wir in Wien auf die Straße."

Sollte der Entwurf der Regierung am 5. Juli trotzdem in dieser Form beschlossen werden, wird es weitere Aktionen geben, kündigt Katzian an: "Wir werden uns mit allen uns zur Verfügung stehenden legalen Mitteln gegen den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche zur Wehr setzen!"

Zur 60-Stunden-Woche macht die SPÖ nun österreichweit mobil. Alle Termine finden Sie hier

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen kritisierte die Vorgehensweise der Regierung in Sachen Arbeitszeit. Man hätte vorab Absprache mit den Sozialpartnern halten müssen.

ÖGB und Gewerkschaften lehnen den Regierungsvorschlag eigenen Angaben zufolge aus diesen Gründen ab:

– Bisher ist 12 Stunden arbeiten nur im Ausnahmefall möglich, dafür sind Betriebsvereinbarungen notwendig. Darin ist meist geregelt, dass man Überstunden ohne Begründung ablehnen kann, und in vielen Fällen bekommen die ArbeitnehmerInnen zusätzliche Freizeit.

– Künftig müssten sich die ArbeitnehmerInnen rechtfertigen, und die privaten Interessen werden mit den betrieblichen abgewogen.

– Bisher musste der Chef begründen, warum 12 Stunden notwendig sind, jetzt müsse der/die ArbeitnehmerIn begründen, warum das nicht geht! Private Interessen (Familie, Freunde, Vereine, Erholung, …) würden da nicht reichen.

– Auch Arbeit am Wochenende könne leichter angeordnet werden.

– Bei erhöhtem Arbeitsbedarf sind derzeit bis zu 60 Wochenstunden möglich – aber nur mit Betriebsvereinbarung. Betriebsräte setzen in diesen Vereinbarungen oft höhere Zuschläge oder längere Freizeitblöcke durch. Künftig gebe es auch für die 11. und 12. Stunde nur die gesetzlichen 50 Prozent Überstundenzuschlag. Die Mitwirkungsrechte der Betriebsräte würden gestrichen.

– In Zukunft könne bei Gleitzeit an fünf Tagen in der Woche bis zu 12 Stunden zuschlagsfrei gearbeitet werden. Derzeit sind bei Gleitzeit höchstens 10 Stunden täglich möglich. Jede längere Arbeitszeit geht nur mit Zuschlägen. Somit sei künftig eine zuschlagsfreie 60-Stunden-Woche möglich. Das betreffe 1 Million ArbeitnehmerInnen.

– Sehr unsicher seien die Auswirkungen der Neuregelung bei All-in-Verträgen und Überstundenpauschalen. Es sei zu befürchten, dass damit für dasselbe Geld länger gearbeitet werden muss.
Lang arbeiten macht krank und führt zu Unfällen, das würden zahlreiche Studien belegen.

Alles zum Thema "12-Stunden-Arbeitstag" >>>

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>>> IV pflanzt ÖGB den 12-Stunden-Tag vor die Nase

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(Red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 20.06.2018 11:35 Report Diesen Beitrag melden

    12 Stunden

    Als Polizist in Wien arbeite ich sowieso 12 Stunden, oft sogar 24 Stunden. Uns Hilft keiner, die zustände sind katastrophal mit den Überstunden

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  • Nn am 20.06.2018 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bv

    Das Fußvolk der FPÖ hat noch immer nicht begriffen das einen Wolf in Schafspelz folgen.

  • Harald am 20.06.2018 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nieder mit dieser Politik!

    Bei Demonstrationen bin ich gerne dabei! Bevor ich 12 Stunden pro Tag arbeiten gehe, sollten alle Menschen die von staatlicher Hilfe leisten tag täglich gemeinnützige Arbeit verrichten . Ich hakle sicher keine 12 Stunden damit die jungen Arbeitslosen gegenüber die ganze Zeit auf Ihrem Balkon chillen von meinen Steuern finanziert.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Grüne Verweigerer am 21.06.2018 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Täuschungsmanöver der SPÖ

    Jahrelang, sogar über Jahrzehnte haben SPÖ und Grüne volles Rohr die Ausländer in die Heimat infiltriert. Jetzt, wo sie aber draufkommen, dass genau diese Fremden der SPÖ Basis die Arbeitsplätze streitig machen, weils fleissiger sind, sollen plötzlich die Unternehmer schuld sein.

  • Dani am 21.06.2018 00:33 Report Diesen Beitrag melden

    das ist die Zukunft?

    tja so sieht das Leben im 21. Jahrhundert also aus? und ich dachte die Sklaverei wär längst vorbei?

  • Geri am 20.06.2018 21:01 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Arbeite im Baugewerbe bei 35 Grad glaube nicht das ich jeden Tag 12 Stunden durchhalte

    • Nima am 21.06.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      Erst verstehen, dann kommentieren

      Da merkt man wieder, dass zwar blöd ein Kommentar abgegeben wird, aber das Gesetz nicht verstanden wird. Bei einer durchschnittlichen Maximalarbeitszeit von 48 Stunden in der Woche pro Monat, wird keiner jeden Tag 12 Stunden arbeiten.

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  • Jm am 20.06.2018 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ng

    12 std für einen Bauarbeiter das sollte jeder nur einmal ausprobieren danach über 12 std entscheiden wüde mich interessieren wieviel prozen dagegen bzw dafür sind

  • Nn am 20.06.2018 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Bv

    Das Fußvolk der FPÖ hat noch immer nicht begriffen das einen Wolf in Schafspelz folgen.