Kurz-Interview

18. Juni 2017 13:33; Akt: 18.06.2017 17:57 Print

"Mein Privatleben möchte ich nicht inszenieren"

Jüngster Staatssekretär, VP-Außenminister, Parteichef: Nun spricht Sebastian Kurz über Politik, Ehe und seltsame Begegnungen mit einem Hund.

Sebastian Kurz (Archivfoto) (Bild: Helmut Graf)

Sebastian Kurz (Archivfoto) (Bild: Helmut Graf)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Im zweiten Teil der Ö3-Sommergesprache in "Frühstück bei mir“ war am Sonntag (18.6.) Außenminister und ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz zu Gast. Er kommentierte den derzeitigen Hype um seine Person, die guten Umfragewerte und hohen Erwartungen seiner Partei im Gespräch mit Claudia Stöckl:

"Ich weiß, wie volatil das in der Politik ist. Und ich habe ja das genaue Gegenteil auch schon erlebt. Als ich Staatssekretär wurde, gab es innerhalb von Stunden Zehntausende, die auf Facebook Gruppen gebildet haben und sich dagegen ausgesprochen haben, dass ich mit nur 24 Jahren Staatssekretär werden soll. Das heißt, ich habe massive Kritik erlebt und ich habe auch sehr viel Unterstützung und Zuspruch erlebt."

"Schwerer Fehler"
Und der 30-Jährige bekräftigt weiter: "Ich kann Ihnen ganz genau sagen, dass sich die Unterstützung besser anfühlt als die Kritik. Aber wenn man eins davon zu nah an sich heran lässt, dann hat man schon einen schweren Fehler begangen."

Der neue designierte Parteiobmann sprach auch über sein Verhältnis zu seinem Vorgänger Reinhold Mitterlehner, der sich ja bei seinem überraschenden Rücktritt deutlich dagegen ausgesprochen hat, "Platzhalter" für die ÖVP-Hoffnung sein zu wollen. Kurz: "Wir sind miteinander im Reinen."

Ob es keine Ressentiments gibt, da Kurz ja nachgesagt wurde, schon monatelang an Mitterlehners Entthronung gearbeitet zu haben? Seine Antwort: Reinhold Mitterlehner hat mir vor einiger Zeit schon signalisiert, dass er aller Voraussicht nach nicht Spitzenkandidat bei der nächsten Nationalratswahl sein möchte. Der Zeitpunkt seines Rückzugs kam allerdings sehr überraschend." Er habe mit Mitterlehner gleich nach dessen Rücktritt SMS ausgetauscht, Gespräche seien gefolgt. Ressentiments des Ex-Vizekanzlers seien ein Gerücht: "Unsere Gespräche sind freundschaftlich."

Kurz‘ Beraterstab war ebenfalls oft Anlass für Spekulationen – angeblich sei Wolfgang Schüssel der Mastermind hinter Kurz‘ Forderungen an die ÖVP gewesen, mit denen er seiner Wahl zum Obmann zugestimmt hatte. "Wolfgang Schüssel ist der ehemalige Bundeskanzler, aber er ist nicht mein Berater. Meine engsten Berater sind mein Team – mein Kabinettschef, eine Referentin bei mir im Büro. Also eine Runde von Personen, mit denen ich täglich zusammenarbeite.“

Erwin Wurm und Tobias Moretti seien für Kurz wichtige Gesprächspartner in Sachen Kulturpolitik genauso wie Künstlermanager Herbert Fechter: "Fechter ist jemand, den ich sehr schätze und der, als ich ihn einmal gebeten habe, mir die Möglichkeit zu geben, mich mit Künstlern auszutauschen, viele eingeladen hat. Ich habe da teilweise stundenlange, interessante Diskussionen geführt, wo ich auch die Möglichkeit hatte, gerade was die Flüchtlingskrise betrifft oder meine Politik, dies Menschen zu erklären, die das sehr kritisch gesehen haben."

Eigene Kinder?
Ob er sich Kinder wünsche, wurde er gefragt. Das werde er "eher zuhause besprechen und nicht auf Ö3". Einer seiner Lebensträume sei jedenfalls eine "Familie zu gründen ... verheiratet sein möchte ich auf jeden Fall".

Seine Beziehung zu einer Wirtschaftspädagogin, die er mit 18 Jahren kennengelernt hat, möchte Kurz im Wahlkampf nicht ausbreiten: "Um ganz ehrlich zu sein, meine Eltern und auch meine Freundin haben kein Interesse medial vorzukommen, es ist auch nicht Teil ihrer Jobs. Und ich halte es auch nicht für notwendig, da als Politiker das eigene Privatleben zu inszenieren. Ich möchte gerne nach meiner Arbeit beurteilt werden, und muss da nicht meine Familie vor den Vorhang holen."

Aber, sagt Kurz dazu: "Ich halte es legitim, wenn man es so macht wie Kern. aber auch, wenn man es so macht wie ich".

Hund aufgegabelt
Zumindest ein neues Familienmitglied steht für den Politiker schon fest. Den Straßenhund, der seiner Freundin und ihm bei ihrem letzten Urlaub auf Madeira zugelaufen ist, hat er zwar schweren Herzens dort gelassen, aber spätestens nach dem Wahlkampf soll ein Hund in Kurz‘ Terrassenwohnung in Meidling einziehen. "Ich bin ein Tiernarr", so Kurz.

An die Begegnung mit dem Hund auf Madeira erinnere er sich noch genau. "Es ist eine unglaubliche Geschichte. Da ist uns ein Hund über den Weg gelaufen. Er hat uns eisern bis zum Gipfel begleitet und ist danach wieder mit uns nach unten gegangen. Wanderer, die uns entgegen gekommen sind, haben uns zu unserem schönen Hund gratuliert. Keiner hat geglaubt, dass wir ihn erst aufgegbelt haben"

(Red)

Themen

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gesellschaftskritiker am 18.06.2017 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer allen vorschreiben was sie zu tun haben!

    Lebt euer Leben so wie ihr es wollt, aber schreibt anderen nicht vor was sie zu tun haben. Als Frau mit über 30, unverheiratet aber über 10 Jahre vergeben, in einem Männerberuf und mit Männerhobbies wie PC-Games und Motorradfahren muss ich euch ja schon unheimlich sein... und nein ich habe und WILL auch kein Kind... Eine Frau will sicher heiraten und man muss heiraten und Kinder kriegen... Wie engstirnig kann man sein?

    einklappen einklappen
  • Feminist am 18.06.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Kann auch nur ein Mann sagen, dass er mit 30 zu jung is für kinder. die meisten frauen kriegen da schon die torschlusspanik!

  • Pepiti am 18.06.2017 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Anerkennung

    Ich bin nicht überzeugt, dass Kurz dem Land guttun würde. Schwarzblau steht in erster Linie für Sozialabbau und Entlastung für das oberste Einkommensdrittel. Dass ein Politiker aber sein Privatleben nicht medial inszenieren will, ist anerkennenswert. Bravo.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tom Dooley am 20.06.2017 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    bislang komplett versagt

    Als seit vielen Jahren für Integration zuständigen Politiker hat er doch in seinem Bereich seit Jahren komplett versagt, wie die diesjährige Abstimmung der Türken in Österreich bewiesen hat. Leute bekommen ein A1-Zertifikat, ohne Deutsch zu können. (Ich war dabei und habe es selbst miterlebt. Also erspart Euch etwaige besserwisserische Kommentare.) Deutsch aber auch nicht so wichtig. Man bekommt ja schon die Staatsbürgerschaft wenn man singen kann. Soviel zum Thema Gleichbehandlung. Die Politik lebt es ja täglich anders vor!

  • susi am 19.06.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    politikerInnen ärger als lügenpresse

    f mich simpathisch mit niveau. der inhalt des videos interessiert mich nicht. leider braucht er noch mind. 20 jahre um das zu erreichen was er durchsetzen möchte. daher f mich kein wählbarer politiker

  • Orwell1984 am 19.06.2017 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte er ein Privatleben welches...

    ...sich gut vermarkten lassen würde (Frau, Kind, Familienidylle, die Keimzelle der Gesellschaft) dann gäbe es schon jede Menge davon auf den Plattformen der sozialen Medien zu sehen. Es wäre fahrlässig solch perfektes werbewirksames Kapital für politische Kampagnen nicht zu nutzen, darum tun es auch alle die können. Das geht bei Kurz noch nicht, daher frei nach NLP aus einer Schwäche eine Stärke machen und erklären meine Arbeit zählt, nicht meine Privatleben Ich mag seine politische Richtung zwar nicht, aber er ist was Kommunikation betrefft perfekt drauf und wird sehr erfolgreich sein.

  • Pferdetaxi am 19.06.2017 08:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das Schüssel der alte Intrigant hinter der ...

    ... "neuen ÖVP" steht, ist nicht allzu verwunderlich - nachdem Schüssels "Geistesblitze" und die Art der Regierung allseits bekannt sind, macht das Kurz letztendlich genauso unwählbar wie Kern!

  • Anton Bauer am 18.06.2017 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kurz

    Hat er nicht einmal eine Aussage von sich gegeben das er nicht allzu lang in der Politik bleiben wird war so wie ich mich recht erinnere KURZ nach der Zeit vom Geilomobiel und das heißt die Zeit von Sebastian Kurz wird Kurz sein. Er wird einfach wieder in der Versenkung verschwinden!