"Germanen-Befreier"

30. Januar 2018 11:30; Akt: 30.01.2018 13:28 Print

Schräges Wort-Gefecht um Vornamen Armin in ZiB 2

Die Strophe um die "siebte Million" sei früher auch gesungen worden, so Andreas Mölzer: "Das war die Zeit, wo Eltern Kinder noch Horst, Siegfried, oder Armin genannt haben."

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Eigentlich hatte Armin Wolf in der ZiB2 einen führenden Vertreter der Freiheitlichen zu einem Gespräch über die Nazilieder der Burschenschaft Germania ins Studio bitten wollen.

Doch Parteichef Strache, Generalsekretärin Marlene Svazek, Klubchef Johann Gudenus und auch der FPÖ-NÖ-Klubobmann Walter Rosenkranz hatten dem ORF-Moderator abgesagt, wie dieser zu Beginn der Sendung betonte.

Wer traute sich also zu dem heiklen Thema Frage und Antwort zu stehen? FPÖ-Abgeordneter Andreas Mölzer, der sich selbst gerne als "Kulturdeutscher" bezeichnet und seit fast vierzig Jahren Mitglied der Burschenschaft Vandalia Graz ist.

Ohne Nazilieder-Skandal wäre "mehr möglich gewesen"

Gleich mit der ersten Frage legt Wolf los: Die FPÖ habe bei der Niederösterreich-Wahl deutlich zulegen können. Wäre denn ohne den Nazilieder-Skandal mehr drin gewesen, will Wolf wissen. "Sicher ist richtig, dass ohne diese Regung in den letzten Tagen vor der Wahl etwas mehr möglich gewesen ist", schätzt Mölzer.

Lesen Sie mehr: Shitstorm und Spott für Landbauer nach der Wahl

Auch der überraschende Strache-Sager vergangene Woche, dass Burschenschaften "nichts mit der FPÖ zu tun" hätten, wird von Mölzer relativiert. "Ich hab's so verstanden, dass er gemeint hat, dass formal – und das ist ja auch richtig – die Burschenschaften als Vereine, als Vereinigungen, mit einer politischen Partei in keiner Weise ident sind", erklärt Mölzer weiter: "Dass es natürlich persönliche Überschneidungen gibt, dass es massiven historischen Zusammenhang gibt [...] steht auch außer Frage."

Der Name "Armin" als Politikum

Die betreffenden Lieder – wie etwa das um "die siebte Million" – habe er selbst in seiner Jugend auch von Burschenschaftern singen gehört, erzählt Mölzer. Das sei anno 1968 gewesen: "Das war die Zeit, wo Eltern ihre Kinder noch Horst und Siegfried, oder ARMIN genannt haben – nach dem Germanen-Befreier [siehe Infobox]", führt der schlagende Burschenschafter aus: "Man war nicht so sensibel". Er könne sich erinnern, die betreffende Strophe zu später Stunde auf "irgendwelchen fremden Buden" von diversen Burschenschaften gehört zu haben. "Das war damals noch nicht so, dass man sich antifaschistisch entrüstet hätte, das gebe ich schon zu."

"Ich finde interessant, dass sie ein Kind Armin zu taufen mit diesem Lied vergleichen", setzt Wolf nach. "Naja, da hat man sich ja was dabei gedacht. Sie wissen ja genau, dass diese Vornamen sehr wohl auch ein politisches Programm auch zeigen", erklärt der Steirer, wird aber vom ORF-Moderator übertönt – "Den Unterschied würde ich gerne Klavier spielen können".

"Ist Deutschland ihr Vaterland?"

"Warum ist es ihnen so wichtig ein Deutscher zu sein? Reicht es nicht ein Steirer zu sein?", will Wolf wissen und hakt noch einmal nach: "Ist Deutschland ihr Vaterland?"

"Das würde ich so nicht sagen. Das kommt darauf an, wie Sie das definieren", reagiert der "Kulturdeutsche" ausweichend. "Wir sind österreichische Patrioten, haben aber ein deutsches Kulturbewusstsein" – zwei Aspekte die"sich gegenseitig bedingen" würden.

"Proaktiv für Hygiene im eigenen Haus sorgen"

Auch die Historikerkommission, die nun die Vergangenheit der FPÖ erforschen soll wird Thema. Diese sei doch ziemlich genau bekannt, erläutert Wolf und will wissen, was sich Mölzer davon erhofft.

"Ich erwarte mir, dass man selbst proaktiv für Hygiene im eigenen Haus sorgt". Natürlich habe es nach dem Krieg auch in der FPÖ "Restbestände des Antisemitismus" gegeben. Damit solle verhindert werden, dass kurz vor Wahlen von politischen Gegnern Skandale um neonazistisches Gedankengut innerhalb der Freiheitlichen losgetreten werden können. "Es ist ja kein Zufall, dass einem das zwei, drei Tage vor einer Wahl um die Ohren gekaut wird", so Mölzer. "Man wird das selbst aufarbeiten müssen."

(rcp)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • WehrtEuchEndlich am 30.01.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meister gefunden

    Einfach köstlich, wie der alte schlaue Fuchs Mölzer den geifernden Wolf mehrfach auflaufen ließ und mit seiner Gelassenheit peinlich ins Straucheln brachte.

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  • helmar am 30.01.2018 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, lieber Wolf,

    Für den Armin können Sie sich ja bei den Eltern bedanken...oder Sie klagen. Da sind sie so richtig in des Mölzers Gasse geraten...;-)

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  • Des ISSO am 30.01.2018 12:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schräger ist nur das

    Gebe dem EU Abgeordneten vollkommen recht, der Herr Wolf soll doch die NÖ Landeshauptfrau fragen, ob Sie sich nicht wundert dass Sie zur Landeshauptfrau gewählt wurde, obwohl Sie Tausende Illegale einreisen ließ! Schlepper wurden verurteilt, weil dies eine Straftat ist, und die Frau Mikl-Leitner wird gefeiert, ist das fair Frau Landeshauptfrau!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nil am 31.01.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wan startet das große Aufräumen

    Herr Hofer wan fangen sie an in den Rotsender Aufzuräumen ? Dieser Wolf ist eine Zumutung er glaubt der ORF unterstehe ihn und er kann mache was er will.Wenn ich mich bei meiner Arbeit auch so benehmen würde, wäre ich schon längst arbeitslos.

  • Krake Paul das Orakel am 30.01.2018 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Lernens Geschichte, Wolff und Konsorten

    Wir haben heuer das Gedenkjahr 100 Jahre Republik. Diese Republik nannte sich Deutschösterreich und ihre Proklamation begann mit den Worten: "Das deutsche Volk in Österreich..." Damit ist die Frage des Arminius Wolff schon beantwortet.

    • Josef Vouivre am 31.01.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

      ja, "nannte", richtig.

      wie Sie schon schreiben: "nannte". Ursprünglich waren auch die Römer bei uns. Deswegen sind wir ja auch keine Italiener. Inzwischen gab es das Ende des tausendjährigen Reiches. Langsam sollten auch jene verstanden haben, welche immer noch dieser Dikatur nachweinen und diese "lustigen" Lieder singen um sie und den Massenmord der da geschehen ist, zu verherrlichen, dass wir eine österreichische Identität haben. Und keine Deutsche.

    • Krake Paul das Orakel am 31.01.2018 10:29 Report Diesen Beitrag melden

      deutsch

      Falsch, denn unsere Volkszugehörigkeit ändert sich durch die Märchen der political correctness keineswegs. Wir haben immer noch deutsche Kultur, Sprache, Namen, Herkunft, Aussehen,... Einige Verwirrte haben sich jedoch das Bewußtsein manipulieren lassen.

    • Rorschach am 31.01.2018 11:17 Report Diesen Beitrag melden

      Bis zurück zu Adam und Eva

      reicht wohl Ihre Ahnentafel, mit lückenlos nachweisbarer deutscher Volkszugehörigkeit. Wie haben's denn das vollbracht?

    • Penelope am 03.02.2018 21:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Rorschach

      "Adam und Eva" ist bitteschön nicht mehr korrekt, es heißt jetzt "Mensch und Eva" :)

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  • Nil am 30.01.2018 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deine Tage sind gezählt

    Den Wolf werden eh schon in Hintergrund die Zähne gezogen, nur der überhebliche bekommt es nicht mit weil er so sehr in sich selbst verliebt ist.

  • gis-zahler am 30.01.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    armin wolf ist schwierig.

    herr wolf haben sie einmal nachgedacht, warum die leute nicht gern oder überhaupt nicht zu einem interview zu ihnen kommen wollen? ich hätte auch abgesagt. schauen sie sich w. fellner an, wie locker, freundlich, höflich etc. mit seinen gästen umgeht. sie sind im gegenteil aggressiv, unfreundlich, arrogant usw. in einem privatunternehmer wäre sie schon lang weg.

    • Ein Gast am 31.01.2018 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      Augen auf !

      Also Fellner und Wolf zu vergleichen ist absurd. Wolf lässt Politikern aller Parteien (!!) keine Floskeln oder andere Ausfluchten durchgehen, das ist korrekter Journalismus. Fellner führt Gefälligkeitsinterviews als Dank für Inserate, wie kann man den Unterschied nicht erkennen ??

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  • alex am 30.01.2018 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    shabeskeer

    die ttäerbranche schützen weil sie geld haben uaber andere als böse deklarieren ,auch wenn ich keine fpö anhänger bin ,