Befragung Walter Meischberger

23. Mai 2018 17:37; Akt: 23.05.2018 18:14 Print

Buwog Tag 33: Im Konten-Dickicht verheddert

Richterin Marion Hohenecker und der Zweitangeklagte Walter Meischberger begaben sich am 33. Prozesstag gemeinsam ins dichte Unterholz der Konten-Unterlagen.

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Der 33. Prozesstag widmete sich voll und ganz dem Versuch, die Konto-Bewegungen auf den verschiedenen Liechtenstein-Konten aufzuklären. Das stiftete jedoch eher Verwirrung, kann man sagen.

Architektur aufgeweicht
Meischberger blieb heute dabei: Das Konto "Karin" sei mit seinem Geld gefüllt gewesen, verwaltet und zeichnungsberechtigt war jedoch die gesamte Familie Plech. Denn Ernst Plech habe damit für ihn in Immobilien investiert. Aufscheinen wollte Meischberger dabei aber nirgends, weder im Grundbuch noch in irgendeinem Kaufvertrag. Erst bei gewinnbringendem Weiterverkauf der Häuser hätte Plech ihm vertrauenswürdig einen Teil des Gewinnes ausgezahlt.

Vom Konto "Natalie" gab es viele Überweisungen auf Meischbergers spanisches Konto, weil er damit sein Leben und seine Wohnung in Ibiza finanzierte. Generell war ja "Natalie" für das tägliche Leben gedacht, auch die Einrichtung seines Wiener Hauses und die Ausbildung der Töchter wurde davon bezahlt.

Dann wurde es aber verwirrend: Auch vom Konto "Walter", das ja ursprünglich für Aktien-Investitionen reserviert gewesen sein soll, wurden Alltags-Barauszahlungen gemacht. Vom "Alltagskonto" "Natalie" wiederum gab es Aktien-Investitionen.

Laut Meischberger habe sich die zuerst angedachte strikte Trennung später etwas verwischt. Das sei dann nicht mehr so genau gewesen. Insgesamt habe er jedenfalls 1,5 Millionen Euro bar ausgezahlt bekommen, über die Jahre, die stets in "üblichen" Papierkuverts im Hotel am Stephansplatz übergeben worden sein sollen.

Aktien-Käufe mit Personen verknüpft
Bei seinen Aktien-Investitionen habe er sich stets auf sein Netzwerk gestützt. Jeden Kauf verband Meischberger mit einer ihm gut bekannten Person, die er anrufen konnte, wenn er Infos brauchte, sagte er. Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser versorgte ihn vor allem bei Magna- und verschiedensten Meinl-Aktien mit Informationen. Das seien aber keine Insider-Infos im Sinne des Aktiengesetzes gewesen, fügte Meischberger hinzu.

Beweismittel nachträglich verfasst
Bei der berühmten Immobilien-Investmentvereinbarung, die Plechs Investitionen in Immo-Projekte im Namen Meischbergers beweisen sollte, gab Meischberger zu, dass der Vertrag im Nachhinein erstellt und rückdatiert wurde. Es habe so ausschauen sollen, als hätte der Vertrag immer schon existiert. Plech habe die Vereinbarung "für den Staatsanwalt" und die Öffentlichkeit verschriftlicht. In diesem Zusammenhang wirft die Anklage Meischberger Beweismittelfälschung vor.

Übertrag zur neuen Bank
Als Meischbergers Bankberater W. im Jahr 2009 bei der Hypo Liechtenstein kündigte und sich selbstständig machte, war Meischberger sofort bereit, alle seine Konten auf eine neue, vom Bankberater vorgeschlagene Bank zu übertragen. Das Konto "Walter" wurde bei der Liechtensteiner Landesbank zum Konto 15.444 (Kennwort "Ernst"), das Konto "Natalie" wurde zu einem Konto mit dem Kennwort "Esnui". Das verwirrte sogar die Richterin, Meischberger erklärte ihr jedoch, dass die Konten für ihn in seinem Denken weiterhin "Walter" und "Natalie" waren.

Warum bei der Übertragung des Kontos "Walter" allerdings Ernst Karl Plech mitunterschrieben hat und auch beim neuen Konto als Gründer aufscheint, konnte Meischberger nicht erklären. Zumal das bei "Natalie", das dieselben Voraussetzungen hatte, nicht der Fall war. Im Laufe der Befragung lieferte Meischberger dafür drei Erklärungen, die alle nicht recht glaubwürdig wirkten. Das seien aber alles nur Spekulationen von ihm, er wisse es schlicht nicht. Vielleicht könne da der Bankberater W. Aufklärung bringen.

Neue Unterlagen gefunden
Zum Schluss zauberte Meischberger noch Unterlagen hervor, die bei den Hausdurchsuchungen durchgerutscht sein sollen. Zumindest habe er sie "zuhause gefunden". Sie hätten zwar nichts mit dem Verfahren direkt zu tun, sagte Meischberger, würden aber sein Verhältnis zum Senator Kallinger erklären, mit dem er viele Porr-Projekte gemacht haben will. Gemeinsam mit der Richterin ging er diese durch, sie werden als Beilage zum heutigen Protokoll eingescannt.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • onlinekiebitz am 23.05.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das ertastet ja ....

    .... schon ein blinder mit dem krückstock, daß einiges ( ich würd sagen vieles, um nicht sagen zu müssen alles !!!!! ) nicht stimmig ist !

Die neuesten Leser-Kommentare

  • onlinekiebitz am 23.05.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das ertastet ja ....

    .... schon ein blinder mit dem krückstock, daß einiges ( ich würd sagen vieles, um nicht sagen zu müssen alles !!!!! ) nicht stimmig ist !