Ab Herbst geplant

17. April 2018 10:25; Akt: 17.04.2018 11:38 Print

Deutschklassen: Minister "entschärft" Schulpaket

Nach teils heftiger Kritik präsentierte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Dienstag seine abgeänderten Pläne für die geplanten Deutschklassen.

ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann will unbedingt an der Einführung von Deutschförderklassen festhalten. (Bild: Helmut Graf)

ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann will unbedingt an der Einführung von Deutschförderklassen festhalten. (Bild: Helmut Graf)

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Bildungsminister Heinz Faßmann musste in den vergangenen Wochen einiges an Kritik wegen der geplanten Einführung von sogenannten Deutschförderklassen ("Heute" berichtete) einstecken. Kritisiert wird eigentlich so ziemlich jeder Aspekt der geplanten Bildungsreform. Von der Grundidee der Deutschförderklassen (Stichwort: Ghettoklassen), über die nach wie vor bestehende Unklarheit, wie das konkret realisiert werden solle, bis hin zu Zweifeln an den konkreten Kosten - die Kritiker ließen in den letzten Wochen kaum ein gutes Haar an Faßmanns bildungspolitischen Vorstoß.

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Minister reagiert auf Kritik

Am Dienstag reagierte Bildungsminister Faßmann schließlich und präsentierte in einer Pressekonferenz leichte "Adaptionen" des bisherigen Vorschlages. Faßmann betonte, dass das Bildungsministerium die einzelnen Kritiken sehr ernst nehme und sich alle kritischen Rückmeldungen genauestens anschaue. Teilweise sei die Kritik auch durchaus berechtigt, bei der Frage nach der Finanzierung musste auch der Minister selbst eingestehen, dass noch keine ausreichende Klarheit vorliegen würde.

Deutschklassen sollen billiger werden

Auf andere Teilaspekte der Kritik konnte man von Seiten des Ministeriums aber eingehen. Daher wurde ein leicht abgeändertes Konzept für die Deutschklassen vorgelegt, das im morgigen Ministerrat beschlossen werden soll. "Adaptiert" wurde beispielsweise die Schülerzahl, ab der eine eigene Deutschförderklasse gegründet werden soll. Ursprünglich bei sechs Schülern festgelegt, soll jetzt, laut der neuen Regierungsvorlage, erst ab acht mangelhaft deutsch sprechenden Schülern eine eigene Deutschförderklasse eröffnet werden. Der Bildungsminister erhofft sich so eine deutliche Senkung der zu erwartenden Kosten der Bildungsreform.

Nur Schuleinsteiger sollen in Deutschklassen gehen

Entgegen der ursprünglichen Ankündigung, ALLE außerordentlichen Schüler künftig in eigene Deutschförderklassen setzen zu wollen, sollen laut der neuen Regierungsvorlage jetzt doch nur mehr außerordentliche Schüler der 1. Schulstufe für diese in Frage kommen. Faßmann erhofft sich so zwei positive Auswirkungen: Zum Einen erwartet er sich durch die Beschränkung auf Schuleinsteiger eine weitere Senkung der zu erwartenden Kosten, zum Anderen soll so auch verhindert werden, dass Kinder aus bereits bestehenden Klassengemeinschaften "gerissen" werden würde, wie dies beispielsweise in Wien befürchtet worden war.

Geringere Zuwanderung begünstigt Faßmanns Pläne

Die Rahmenbedingungen könnten sich als Verbündeter für den Reformvorschlag des Bildungsministers erweisen. Laut Bildungsministerium ist die Zahl der Zuwanderung nämlich im Sinken begriffen. Durch diese Entwicklung und die gleichzeitige ausschließliche Fokussierung auf Schuleinsteiger könnte die Zahl der Kinder, die letztlich in diesen Förderklassen landen würden, massiv reduziert werden. Insgesamt geht das Ministerium derzeit von etwa 80 zusätzlichen Klassen aus, die die Einführung der Deutschförderklassen erfordern würde - wesentlich weniger also, als jene 233 zusätzliche Klassen, mit denen noch im ursprünglichen Konzept gerechnet worden war. Dies würde aber gleichzeitig auch bedeuten, dass die Einführung der Deutschklassen für die überwiegende Mehrheit der momentan in die Schule gehenden Kinder ohne jegliche Auswirkungen bleiben würde.

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(mat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • realisthoch3 am 17.04.2018 11:58 Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder Zurückrudern

    Und wieder ein Zurückrudern statt endlich hart durchzugreifen.Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen behindern im regulären Unterricht nicht nur die Deutsch-Beherrschenden,sondern auch die Lehrkräfte.Die müssen nämlich Standards niedriger ansetzen,zum Leid/Nachteil der anderen.Lässt sie Deutschkurse selber bezahlen,strenge Prüfungen u noch Wischiwaschi-Prüfungen,wie A1,A2,...Dann werden sie innerhalb kürzester Zeit Deutsch können.Lernen muss man eben auch u üben,um ein Ziel zu erreichen!Das ist nun mal so im Leben!

  • erica27 am 17.04.2018 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutschklassen

    Fürs Zurückrudern haben wir euch nicht gewählt!!!!

  • Franz Absberg am 17.04.2018 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Realistische Umstrukturierung

    Jeder Schüler der mangelnde Deutschkenntnisse hat behindert in einer Regelklasse den Unterricht und hat selbst nichts davon wenn er den Lehrstoff nicht versteht. Da angeblich in den meisten Klassen nur wenige Schüler überhaupt der deutschen Sprache mächtig sind, wäre es doch einfacher diese wenigen von verschiedenen Schulen in einer Schulklasse zusammenfassen und die bisherigen"Regelklassen" als "Deutschförderklassen" weiter zu führen. Der Bedarf an neuen Klassenzimmer und die Zusatzkosten wären dann sehr gering.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Helmut Renner am 25.04.2018 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Miteinander statt gegeneinander

    Ich beschäftige mich intensiv mit Sprachenlernen für Neu Angekommene, habe Erfahrungen mit Kindern von Asylwerbern, die in unheimlich schneller Zeit Deutsch sehr, sehr gut erlernt haben wodurch? Durch Inklusion, Integration und geschickte Förderung in integrativen Volksschulklassen (Schule wird als Ganztagesschule geführt). Hört doch auf die Meinung von Fachleuten und versucht, NICHT durch rein finanzielle Überlegungen (oder andere Motive) einem Mainstream folgen, der 100% in die falsche Richtung geht: Nur durch ein MITEINANDER werden wir in Österreich sozialen Frieden, Wohlstand sichern!

  • olga.chraska am 18.04.2018 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Deutschklassen

    Ausländische Kinder lassen sich sicher schwer Deutsch beibringen, weil sie zu Hause bei der Mutter, die fast kein Deutsch spricht und immer zu Hause ist, sind, und ihnen wahrscheinlich wichtiger ist, sich mit ihrer Mutter zu unterhalten, als mit anderen Deutsch zu üben. Sollte man vielleicht Mutter-Kind-Sprachkurse machen. Könnte vielleicht erfolgreich sein, wenn die ausländischen Frauen das von ihrem Mann genehmigt bekommen. Kinder lernen sicher Deutsch, doch ohne Mutter? Könnte man auch Mütter einbeziehen, die schon Deutsch können.

  • Cara am 18.04.2018 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach!

    Wenn ich im Ausland die Sprache des Landes lernen will muss ich zahlen. Und wenn ich diese Sprache in Österreich lernen will gibts es das such nicht kostenlos.

  • Tine am 17.04.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsch

    Wer nicht deutsch kann, hat im normalen Unterricht nichts zu suchen! Die behindern den Unterricht und stören nur. Die Kostenfrage? Die Eltern bekommen genug Geld vom Staat - die sollen zahlen! Warum müssen wir für deren Integration aufkommen??

  • Franz Absberg am 17.04.2018 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    Realistische Umstrukturierung

    Jeder Schüler der mangelnde Deutschkenntnisse hat behindert in einer Regelklasse den Unterricht und hat selbst nichts davon wenn er den Lehrstoff nicht versteht. Da angeblich in den meisten Klassen nur wenige Schüler überhaupt der deutschen Sprache mächtig sind, wäre es doch einfacher diese wenigen von verschiedenen Schulen in einer Schulklasse zusammenfassen und die bisherigen"Regelklassen" als "Deutschförderklassen" weiter zu führen. Der Bedarf an neuen Klassenzimmer und die Zusatzkosten wären dann sehr gering.