Koalition

10. November 2017 08:28; Akt: 10.11.2017 09:39 Print

Ende für Rauchverbot wird zur Medien-Groteske

von Christian Nusser - Türkis-Blau plant angeblich das Gesetz über das Rauchverbot zu kippen, hyperventilieren Medien. Blöd nur: Darüber wurde noch nicht einmal geredet.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

"Man kann nicht nicht kommunizieren", wusste schon der geniale Paul Watzlawick. Man könne sich ja auch nicht nicht verhalten.

Jede Partei, jede Regierung also, die bisher versuchte, ihre Kommunikation auf null zu drehen, scheiterte kapital. Man erinnere sich an Faymann/Spindelegger 2013. Ganz fest versprachen sich Rot und Schwarz nicht mehr über Medien miteinander zu kommunizieren (also gar nicht mehr). Das Ergebnis: "Budgetloch" wurde zu einem der Worte des Jahres, klebte der Koalition am Bein, von 24 Milliarden Euro, die fehlten, war am Ende die Rede.

Das Tschickloch

Als die Koalition sich dann entschloss, wieder zu medial in Erscheinung zu treten, gab es plötzlich kein Budgetloch mehr und von 24 Milliarden war nichts mehr zu hören und zu sehen.

Jetzt passiert Ähnliches. Türkis und Blau haben vereinbart, Medien und damit Öffentlichkeit nur mehr in homöopathischen Dosen zu informieren. Klug gedacht, aber Zeitungsseiten und TV-Bildschirme wollen gefüllt werden. Und flugs sind wir damit beim Rauchverbot bzw. dessen Abschaffung.

Diese Titelzeilen gab es gestern und heute zu lesen:
- "Türkis-Blau will Rauchverbot in Lokalen wieder abblasen" (Kurier)
- "Hebt die neue Regierung das Rauchverbot auf?" (News)
- "FPÖ wird Rauchverbot kippen" (Vorarlberger Nachrichten)
- "Koalitions-Deal: Aus für Rauchverbot" (Österreich)
- usw.

Dazu gibt es Kommentare ("Aus für Rauchverbot - ein fatales Signal"), TV-Diskussionen, Suchtexperten meldeten sich zu Wort (oder wurden zu Wort gemeldet).

Noch keine Verhandlungen

Blöd nur: Über das Thema gab es noch keine Verhandlungen. Nichts. Nada. Reinhard Waneck, Radiologe und früher Staatssekretär, sitzt im Verhandlungsteam zum Thema Gesundheit. Er ist, wie der Rest der FPÖ, für ein Kippen des generellen Rauchverbots ins Lokalen. Er werde Änderungen geben müssen, sagt er im "Kurier". Aber auch: Bisher sei mit der ÖVP darüber noch nicht einmal geredet worden.

Heißt: Die FPÖ mag das generelle Rauchverbot nicht (das ist lange bekannt), will Änderungen (das steht im Wahlprogramm), aber mit dem potentiellen Koalitionspartner wurde das noch nicht einmal ansatzweise darüber debattiert. Einen "Deal" kann es also auch schwerlich geben.

Die mediale Konsequenz Made in Austria daraus ist klar: Was nicht dementiert wird, muss stimmen. Also titelt der "Standard": "ÖVP und FPÖ wollen Aus für Rauchverbot nicht kommentieren". Wenn das nicht verdächtig ist, was dann?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hasan Amudi am 10.11.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    einfach so lassen

    So wie es jetzt ist ist es doch in Ordnung. Es wird keiner gezwungen sich in den Raucher erreichen zu setzen. Tourismus und die Wirte wären auch froh!

  • Franz am 10.11.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regierungs Willkür

    Wenn es schon neue Verbote braucht, dann; Besser währe wenn der Konsum der harten Droge Alkohol eingeschränkt würde. Verstehe beim besten willen nicht wie jemand dazu kommt das Rauchen verbieten zu wollen und die um ein vielfaches härtere und gefährlichere Droge Alkohol nicht. Da steckt doch reine Willkür dahinter.

  • Tommy am 10.11.2017 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Nichtraucher

    Ich habe mit 12 begonnen zu rauchen. Nach 28 Jahren habe ich aufgehört damit und dampfe nun seit 4 Jahren. Nikotin mittlerweile nur noch 3mg, also genau nix an Nikotin drinnen. Ich bin ein extremer Gegner von Rauchern geworden. Das Zeug stinkt zum Himmel - bääh. Aber!! Ich finde die getrennten Lokale Raucher/Nichtraucher ausreichend! Ein komplettes Nichtraucher Lokal würde ich meiden. Denn meine Schwester raucht und dampft, ich dampfe nur. Wo setzen wir uns hin als Dampfer? Nichraucherbereich? Raucherbereich? Wir sitzen immer im Raucherbereich und es stört mich nicht wirklich!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hermann Heinzel am 10.11.2017 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeiten ändern sich halt

    Das was im 19 Jahrhundert üblich war, darauf steht heute in manchen Ländern die Todesstrafe. Siehe die Geschichte des Opiumhandels über die englische East Indian Company. So wird er Bürger immer mehr und immer mehr entrechtet. Schwarzengegger hat in seiner Gouverneursresidenz den Balkon als exterritorial definieren lassen damit er dort rauchen darf. Könnte man vielleicht heute mit ganz Floridsdorf so machen. Zumindestens auf meiner Yacht schreibt mir im internationalen Gewässer niemand ein Rachverbot vor. Somit haben sich halt in erster Linie die Proleten unterzuordnen.

  • RobinH am 10.11.2017 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür oder gesunder Menschenverstand

    @Franz und an all die 18 (oder noch mehr) Gesetze werden meist deswegen beschlossen, weil der Eine oder Andere, von sich aus, leider oft zu uneinsichtig ist und mit seinem Handeln die Allgemeinheit gefährdet. Passiv rauchen gefährdet erwiesener Maßen die Gesundheit. Passiv saufen oder kiffen, eher nicht. Aber auch diese Probleme müssen wohl durch entsprechende Gesetze, von der Regierung reguliert werden.

  • RobinH am 10.11.2017 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    erstes Wahlversprechen.....

    welch Glück, dass der HC "nur" raucht und nicht sauft, kifft oder harte Drogen nimmt (oder ? es gilt die Unschuldsvermutung) Aber so, könnte er gleich mal seine neue "Machtposition" nützen und mit dem Einlösen eines der "wichtigsten Wahlversprechen": Rauchverbot aufheben! sich selbst helfen. Klar wird´s, abgesehen von der Tabakindustrie"so manchen Wirten freuen und es wird sich bald wieder "angenehmer, gesunder" Rauchqualm durch die Räume und über gefüllte Teller ziehen... Rauchen ja, aber bitte keine zu stark frittierte Pommes. PS:Hoffentlich fängt der Basti nicht auch zum rauchen an.

  • Sochal am 10.11.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privat ist Privat

    Ich bin Nichtraucher und wäre sogar dafür das das Gesetz so bleibt wie es aktuell ist. Da geht es nicht um willkür sondern bevormundung. Jeder kann selbst entscheiden ob er in ein Raucherlokal geht oder nicht. Da braucht es keine Regierung die uns diese Entscheidung vorenthält.

  • Ulrike am 10.11.2017 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchverbot ist Verfassungswidrig

    Ich muss mich beinahe übergeben wenn ein Alkosäufer neben mir in der U-Bahn steht oder wenn es in einem Restaurant nach der harten Droge riecht. Abgetrennte Alko Abteile in Restaurants wäre das Pondon zu dem bald eventuel verbotenen Raucherabteil. Es ist ärgerlich wenn man mit Kindern Sonntags essen geht und einem schon beim Betreten des lokales schon eine fahne entgegen kommt. Genau so verhält es sich mit dem Genussmittel Cannabis. Die harte Droge Alkohol ist legal und die weiche Droge Cannabis ist verboten. Verfassungsrechtlich steht Österreich weit im abseits! Solche Verbote sind Verfassungswidrig. Aber sowas von! Scheint aber der Alko abhängigen Bevölkerung egal zu sein. 60-70% der Österreicher sind von dieser harten Droge abhängig.

    • RobinH am 10.11.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      was nicht alles Verfassungswidrig ist

      Kann schon sein dass sich der Einen oder Andere "beinahe übergeben muss", nur wenn er neben einem "Alkosäufer" steht, oder wenn es irgendwo nach Drogen riecht. Aber alleine deswegen, läuft Derjenige nicht in Gefahr seine Gesundheit zu gefährden. Als Nichtraucher den Smok vom Nachbarn einatmen zu müssen, schadet schon eher. PS: unglaublich wie zB in Italien, Kroatien, das Raucherproblem in Lokalen, quasi über Nacht, (verfassungswidrig?) gelöst wurde; und Die halten sich dran! PS: als Nichtraucher mit einer Raucherin zu schmusen, kann ebenfalls schnell Brechreiz auslösen ;-

    • Wolfgangsee Winkler am 10.11.2017 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      Herr

      es ist aber auch ärgerlich wenn man eine Frau " Ulrike" trifft

    einklappen einklappen