"Heute"-Interview

14. September 2017 06:21; Akt: 14.09.2017 09:11 Print

Häupl greift Kurz an: Ideologischer Flachwurzler

von Christian Nusser - Das Interview zum heutigen 68. Geburtstag: Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SP) über VP-Chef Kurz, FP-Strache und ob er mit Erwin Pröll in der Pension schnapsen wird.

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"Heute": Glückwunsch.
Michael Häupl: Wozu?

"Heute": Sie werden heute 68. Soll ich sagen alles Gute? Beileid? Hoppauf?
Häupl: Hoppauf (lacht). Schließlich bin ich heute im Stadion. Meine Austria spielt gegen Milan.

"Heute": Sie feiern Ihren Geburtstag auf der Tribüne?
Häupl: Nicht nur. Schon auch mit Familie, Freunden, Mitarbeitern, am Nachmittag spielt eine Blasmusikkapelle für mich im Hof.

"Heute": Was spielt sie?
Häupl: Blasmusik.

"Heute": Für die SPÖ ist es ja vielleicht die letzte Chance auf eine Party für die nächste Zeit …
Häupl: Nein, nein! Ich bin für die Wahlen optimistisch. Außerdem glaube ich nicht, dass die Österreicher noch einmal Schwarz-Blau wollen.

"Heute": Warum nicht?
Häupl:Weil man nicht ernsthaft erwarten kann, dass man zum Regierungschef gewählt wird, wenn man inhaltlich einfach nichts sagt. Nichts zu Wirtschaftspolitik, Investitionen, Gesundheitspolitik, jetzt höre ich ein paar Versatzstücke zur Bildung. Dem großen Kämpfer gegen islamische Kindergärten fällt nichts anderes ein, als dass wir mehr Kontrollen machen müssen. No na, passiert ja.

"Heute": Sie reden von Kurz?
Häupl:Ja, wenn ich an ihn denke, fällt mir ein, was Haider über Grasser gesagt hat: Kurz ist ein ideologischer Flachwurzler.

"Heute": Erinnert Sie Kurz denn an Jörg Haider?
Häupl: Nein, ich habe Haider jede Menge vorzuwerfen, aber das ändert nichts an meinem Respekt vor seinem Intellekt und auch seinem Wissen.

"Heute": Und Kurz?
Häupl:Ich kann mich mit ihm nicht auseinandersetzen, ich weiß nicht, wofür er steht. Ich höre immer nur "Mittelmeerroute schließen". Soll er endlich tun, wir haben kein Problem damit.

"Heute": Bei Kanzler Kern ist es anders?
Häupl:Ja, er sagt inhaltlich klar, was er für die Zukunft plant.

"Heute": In Umfragen hat Kurz über 30 Prozent. Halten Sie die Österreicher für zu naiv, um das so zu sehen wie Sie?
Häupl: Nein, aber bei allem Bemühen, eigene Inhalte darzustellen, zeigen wir als SPÖ diese Inhaltsleere einfach zu wenig auf.

"Heute": Die SPÖ ist im Moment zu schwach dafür?
Häupl:Nein, das glaube ich nicht, aber es gibt zu viele Vornehme.

"Heute": Es fehlen Bodychecks?
Häupl: Ein Wahlkampf ist kein Elmayer-Tanzkurs.

"Heute": Die SPÖ hat einen herzeigbaren Kandidaten, ein herzeigbares Team, ein herzeigbares Programm. Kann es sein, dass eine Wahl noch nie so ästhetisch verloren wurde wie diesmal?
Häupl: Nein, wir werden am 15. Oktober Erster.

"Heute": Die Umfragen sehen Kurz um 9 Prozentpunkte vorn …
Häupl: Wenn die Umfragen vor der Wiener Landtagswahl wahr gewesen wären, säße ich heute nicht hier.

"Heute": Wenn’s nicht klappt?
Häupl:Auch Opposition ist eine ehrenhafte Rolle. Erstrebenswert ist sie nicht. Aber wenn’s so is, is so.

"Heute": Wenn Kern jetzt an die Tür klopft und fragt, wie er in den letzten vier Wochen Wahlkampf machen soll, was raten Sie?
Häupl: Wenn er meine Erfahrung anzapfen will, stehe ich zur Verfügung. Aber das sage ich ihm selber.

"Heute": Bund, EU, Wien – Sie schlagen Ihren 17. Wahlkampf. Werden die immer stumpfsinniger?
Häupl: Nein, aber ich würde sie mir inhaltlicher wünschen. Stattdessen höre ich Phrasen wie ,überbordender Sozialstaat‘. Von Leuten, die an einem Abend mehr ausgeben als ein Bezieher von Mindestsicherung im Monat hat.

"Heute": Wir haben noch nicht über Heinz-Christian Strache geredet. Spielt er keine Rolle?
Häupl: Ich fühle mich direkt wohl (lacht). Er ist es gewohnt, den jugendlichen Pseudorevolutionär zu spielen. So wie ich ist auch er älter geworden. Ich hege aber den dumpfen Verdacht, er ist nicht weiser geworden.

"Heute": Sie hören im Jänner auf. Was tun sie am Tag danach?
Häupl: Ausschlafen.

"Heute": Und am Wochenende dann schnapsen mit Erwin Pröll?
Häupl:Nein, wir haben noch nie Karten miteinander gespielt.

"Heute": Warum nicht?
Häupl: Weil wir beide nicht gern verlieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Österreicher am 14.09.2017 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    ihn die Wiener nicht mit nassen Fetzen

    Das sagt gerader einer der schon längst hätte gehen sollen. Bin kein Kurz Fan, aber was er aus Wien machte - das sollte er keine Interwies mehr geben. Soll froh nach sein nach gestern "gr. Teilse Muslime in Schulen" das ihn die Wiener nicht mit nassen Fetzen verjagen aber die Grünen gleich mit. Außer Schulden hinterlassen und die beiden Rot Grünen nichts.

  • myopinion am 14.09.2017 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Häupl kennt die Zukunft?

    "Wir werden am 15. Oktober erster". Wozu machen wir dann eine Wahl, wenn Bgm. Dr. Häupl das Ergebnis ohnehin schon kennt. Kann er in die Zukunft sehen? Ich hoffe Bgm. Dr. Häupl irrt diesmal, denn die SPÖ schafft es ja noch nicht einmal zu entscheiden, ob Mauer oder Poller gebaut wird.

  • Gerhard am 14.09.2017 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Roter Sumpf

    Der Rote Sumpf muß trockengelegt werden ! Die SPÖ (Steuerpartei Österreichs) macht nur neue Steuern !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter Serro am 16.09.2017 00:06 Report Diesen Beitrag melden

    Sagenhaft

    Entweder wollte Häupl mit diesem Sager: 1. seine eigene Partei schädigen 2. uns seine intellektuelle Nacktheit zeigen oder 3. uns zeigen, wie sehr er schon vor Überheblichkeit strotzt Egal ob 1. 2. oder 3., es ist aller höchste Zeit, dass er uns nicht länger mit seiner politischen Taktlosigkeit behelligt.

  • geburtstag am 14.09.2017 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    charakter

    weil wir beide nicht gerne verlieren .... der schluss-satz spiegelt seinen Charakter wieder...

  • Thomas von Aquin am 14.09.2017 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Kurz

    Herr Kurz steht für nichts, auch meine Meinung. Bin konservativ, aber der Herr Kurz steht für nichts. Liberal, christlich sozial, was ist das? Die, die für nichts stehen, fallen wegen allem. Alexander Hamilton

  • Helga am 14.09.2017 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    SPÖ-Steuerpartei Österreichs

    Neue Steuern und mehr Schulden, das ist das einzige was die SPÖ kann.

  • Sabine Weizsgerber am 14.09.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bürgermeister

    der Herr Bürgermeister wird uns Wienern fehlen, danke dass sie über Jahre auf unser geliebtes Wien aufgepasst haben.