Großdemo am Samstag

28. Juni 2018 10:29; Akt: 28.06.2018 11:00 Print

Jetzt starten Ärzte Protest gegen den 12-Stunden-Tag

Die Kritik an den Plänen der ÖVP-FPÖ-Regierung zum 12-Stunden-Tag reißt nicht ab. Jetzt beteiligen sich Ärzte am Protest dagegen.

Protestaktion gegen den 12-Stunden-Tag. (Bild: picturedesk.com)

Protestaktion gegen den 12-Stunden-Tag. (Bild: picturedesk.com)

Zum Thema
Fehler gesehen?

"Das ist pures Gift für die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen", sagt der Vorsitzende der ARGE-ÄrztInnen im ÖGB, Johann Sipötz. Die ARGE-ÄrztInnen ruft daher zur Teilnahme an der ÖGB-Demonstration am Samstag in Wien auf. Bei dieser werden mehrere Zehntausend Menschen erwartet, sie startet um 14 Uhr am Westbahnhof. Teilnehmer reisen aus allen Bundesländern an.

Umfrage
12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche: Gute Idee oder Alptraum für Arbeitnehmer?
70 %
11 %
18 %
1 %
Insgesamt 14264 Teilnehmer

Die gesundheitlichen Auswirkungen des 12-Stunden-Tags wie höheres Risiko für Bluthochdruck, Herzinfakt bis hin zu psychischen Erkrankungen seien laut ARGE-Ärzte in zahlreichen wissenschaftlichen Studien bewiesen. Sipötz: "Was mich besonders ärgert, ist die Argumentation der Arbeitgeber. Einerseits wollen sie krankmachende Arbeitszeiten, andererseits beklagen sie das ungesunde Leben ihrer Beschäftigten."

"Schwarz-blau träumt von WhatsApp-Familie"

"Wir unterstützen den ÖGB bei allen geplanten Aktivitäten zur Verhinderung des 12-Stunden-Arbeitstags. Wir werden diesen Rückschritt, der uns in der gesellschaftlichen Entwicklung um 100 Jahre zurückwirft, nicht widerstandslos hinnehmen", sagt auch die Arbeits- und Sozialsprecherin der Liste Pilz, Daniela Holzinger. "Schwarz-blau träumt offenbar von einer 'WhatsApp'-Familie, die nur noch im virtuellen Raum miteinander kommuniziert", so Kinderrechtesprecher Sebastian Bohrn Mena.

Laut Österreichischer Gewerkschaftsjugend werde die Maßnahme auch rund 40.000 Lehrlinge treffen. "Für jugendliche Lehrlinge gibt es zwar ein spezielles Schutzgesetz, das gilt aber nicht für Lehrlinge ab 18 Jahren", so Vorsitzende Susanne Hofer. Es sei völlig unverständlich, "wie Kanzler Kurz, Vizekanzler Strache und die FPÖ-Sozialministerin an den Lebensrealitäten der Österreicherinnen und Österreicher vorbei arbeiten", sagt SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch. Wie wenig diese Bundesregierung für die Menschen in diesem Land übrig habe, zeige sich laut Muchitsch auch am Umgang mit Arbeitslosen.

"Husch-Pfusch-Gesetz durchpeitschen"

Die SPÖ selbst kann nicht nachvollziehen, warum die Arbeitszeit-Regelung überhaupt neu umgesetzt werden muss. Schon jetzt sei es in bestimmten Fällen möglich, dass Beschäftigte 12 Stunden pro Tag arbeiten können, aber nicht müssen – jene Freiwilligkeit, auf die die Regierung nun im neuen Plan verweist. Die SPÖ will die geltenden Arbeitszeit-Regelungen beibehalten und die erlaubte Höchstarbeitszeit nicht generell auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche ausweiten.

Enttäuscht reagierten NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker und NEOS-Abgeordnete Karin Doppelbauer auf die ausbleibende Teilnahme von Vertretern der Regierungsfraktionen am NEOS-Gipfel zur Arbeitszeitflexibilisierung. "Diese totale Gesprächsverweigerung der Regierungsfraktionen zeigt einen Hochmut, der letztendlich der Sache schadet. Wir NEOS wollten mit diesem Gipfel alle parlamentarischen Player an einen Tisch holen um zügig, fair und vernünftig eine möglichst breite Lösung für eine Arbeitszeitflexibilisierung zu finden. Mit ihrem bisherigen Vorgehen will die Regierung ja nur ein Husch-Pfusch-Gesetz durchpeitschen."

Scharfe Zurückweisung von Kanzler-Sager

Von Regierungsseite dürfte man den heftigen Protest unterschätzt haben – oder glaubt einfach nicht daran, dass die Pläne derart stark in der Kritik stehen. ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte im Ministerrat sogar angedeutet, die Arbeiterkammer übernehme Reise- und Hotelkosten für Demonstranten. Die Arbeiterkammer stellte klar: "Reise- und Hotelkosten für DemonstrationsteilnehmerInnen werden von der AK nicht übernommen. Inhaltlich aber unterstützt die AK die Gewerkschaft beim Kampf gegen den 12-Stunden-Tag auf voller Linie: Denn das geplante Gesetz kostet die Menschen in Österreich Familienleben und Freizeit, Gesundheit und Geld."

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

(red)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Harter Scheiss Kerl am 28.06.2018 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    12 Stunden? Niemals!

    Wir brauchen noch viel mehr solcher Demos,die Regierung muss einsehen die Menschen wollen auf gar keinen fall 12 Stunden arbeiten!!!!!!!!!

    einklappen einklappen
  • Harry-Bill am 28.06.2018 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung ?!!!

    es wird so viel drum herum diskutiert und geschrieben aber was für die Angestellten und Arbeiter doch zählt ist nicht die Debatte um einen 12 Stundentag - wenn die Wirtschaft boomt und genug Arbeit da ist - werden die meisten gerne länger als 8 Stunden arbeiten ABER: beim 8 StundenTag ist/sind nach der 8.Stunde Überstunden/Zuschläge fällig - die fallen bei einem 12 Stundentag - bis zur 12.Stunde weg - somit verliert ein Arbeiter seine Zuschläge die er nach einem 8 Stundentag gehabt hat ...

  • Erich am 30.06.2018 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Austrofaschismus Neu

    Jetzt haben wir da zwei Studienabbrecher an der Regierungsspitze.Einer, nach AMS Kriterien Hilfsarbeiter,der andere, ein Zahntechniker der seinen Betrieb in den Sand gesetzt hat. Beide noch nie wirklich gearbeitet und leben von jeher nur von Steuer und /oder Parteigeldern..die sollen mal ihren Versicherungsdatenauszug offenlegen...und wie Herr H.C.Benedikt Arnold sich aüsserte das er mehr als einen 12 Stunden-Tag hätte, ja wieviel Kohle kassiert er denn dafür???das sagt er leider nicht dazu.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erich am 30.06.2018 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Austrofaschismus Neu

    Jetzt haben wir da zwei Studienabbrecher an der Regierungsspitze.Einer, nach AMS Kriterien Hilfsarbeiter,der andere, ein Zahntechniker der seinen Betrieb in den Sand gesetzt hat. Beide noch nie wirklich gearbeitet und leben von jeher nur von Steuer und /oder Parteigeldern..die sollen mal ihren Versicherungsdatenauszug offenlegen...und wie Herr H.C.Benedikt Arnold sich aüsserte das er mehr als einen 12 Stunden-Tag hätte, ja wieviel Kohle kassiert er denn dafür???das sagt er leider nicht dazu.....

  • k.k. am 30.06.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pension nach Arbeitsstd. berechnen

    Mein Mann und ich haben fast das ganze Berufsleben 12 Std. gearbeitet. Wir bekamen Überstd. und Prämien, aber mit 50 bist du k.o.! Was mich aber am meisten ärgert ist, dass sich die vielen Überstd. nicht in der Pension auswirken! Schon alleine bei der Pensionsversicherung haben sie uns auf Grund der niedrigen Zinsen viel Geld weggenommen! Wenn man dann aber im höheren Alter krank wird oder die Arbeit verliert, ist der ganze Lebenaufbau weg, und man schlittert in die Armutsfalle.

  • Arbeiter am 29.06.2018 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hackeln 12 Stunden ist angesagt

    Warum jammert man jetzt über diesen 12 Stunden Tag? Als man vor der Wahl davor warnte wurde dies als "SPÖ-Quatsch" abgetan. Und damals hat den Österreicher nur irgendwelche Asylanten interessiert und wie man die "Böse SPÖ" abwählen kann damit "Heimatparteien" das ruder übernehmen. Jetzt haben sie das ruder übernommen,verstehe die Aufregung nicht? haha

  • Steph am 29.06.2018 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Is ok

    In einer zeit wo Modernisierung, Roboterisierung und Digitalisierung die Gesellschaft prägt und jeder noch verfügbare Arbeitsplatz zählt ist das nur Sinnlosigkeit und Selbstsüchtigkeit der UT und der ÖVP. Sie sollten die Arbeitszeit kürzen anstatt erhöhen. Spätestens in 2 Jahren fällt ihnen das aufn Kopf wen die Arbeitslosigkeit wieder steigt, ea viele Burn- Outs gibt, die inländische Wirschaft sinkt.

  • Harry-Bill am 28.06.2018 22:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ablenkung ?!!!

    es wird so viel drum herum diskutiert und geschrieben aber was für die Angestellten und Arbeiter doch zählt ist nicht die Debatte um einen 12 Stundentag - wenn die Wirtschaft boomt und genug Arbeit da ist - werden die meisten gerne länger als 8 Stunden arbeiten ABER: beim 8 StundenTag ist/sind nach der 8.Stunde Überstunden/Zuschläge fällig - die fallen bei einem 12 Stundentag - bis zur 12.Stunde weg - somit verliert ein Arbeiter seine Zuschläge die er nach einem 8 Stundentag gehabt hat ...